Vorsicht bei Wildunfällen: 7 goldene Regeln | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin
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Vorsicht bei Wildunfällen: 7 goldene Regeln

Jedes Jahr sterben Tausende Wildtiere auf deutschen Straßen. Im Jahr 2014 waren es laut Deutschem Jagdverband (DJV) über 220.000 Tiere, vorwiegend Rehe und Wildschweine. Besonders in den Wochen nach der Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit häufen sich die Unfälle. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat sieben Tipps für alle Verkehrsteilnehmer.
 
© Deutsche Wildtier Stiftung/T. Martin
Jedes Jahr sterben Tausende Tiere durch Unfälle auf deutschen Straßen, vorwiegend Rehe.
Wildunfälle passieren im Bruchteil einer Sekunde: Gerade ist die Straße noch frei – und plötzlich läuft völlig überraschend ein Wildtier vor das Auto! Der Zusammenprall - zum Beispiel mit einem Rothirsch - mit über 200-Kilo-Lebendgewicht kann für die Insassen und das Tier tödlich ausgehen. Die Gefahr, mit einem Wildtier zu kollidieren, nimmt im Herbst deutlich zu! Gerade wenn die Uhren im Oktober wieder auf die Winterzeit zurückgestellt werden, steigt das Risiko für Wildunfälle. Abends wird es früher dunkel. Der Feierabend-Verkehr verstärkt sich gerade in der Dämmerung. "Genau dann sind Wildtiere besonders aktiv. Sie haben eine biologische Uhr im Kopf", erklärt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. "Sie verlassen bei Einbruch der Dämmerung ihre Deckung und gehen auf Nahrungssuche. Nur wenn Sie am Steuer richtig reagieren, können Sie das Schlimmste verhindern."

Sachschaden jährlich rund 500 Millionen Euro

Besondere Vorsicht gilt auf Straßen, die durch Wälder führen oder entlang von Waldrändern. Die Statistik belegt: Jährlich verenden in Deutschland etwa 220.000 Wildtiere im Straßenverkehr, davon über 190.000 Rehe. Dabei wurden rund 3.000 Menschen verletzt und 27 Menschen getötet. Die Versicherungen beziffern den Sachschaden auf eine halbe Milliarde Euro. Und in der Statistik taucht nur das so genannte Schalenwild, also Rehe, Rot- und Damwild und Schwarzwild auf! Hasen, Füchse, Dachse oder gar Haustiere sind nicht erfasst. 
 
Die Deutsche Wildtier Stiftung rät allen Verkehrsteilnehmern:
  1. Erkennen Sie Gefahren-Zonen: Neben den Warnschildern „Achtung Wildwechsel“ sind Unfallschwerpunkte oft durch blaue Reflektoren an Begrenzungspfählen gekennzeichnet. Häufig werden Orte, an denen Wildunfälle passiert sind, durch farbige Dreibeine markiert.
  2. Fahren Sie bremsbereit. Behalten Sie die Straßenränder im Auge, reduzieren Sie das Tempo. 
  3. Machen Sie sich klar, worauf achten müssen: Tier-Silhouetten oder reflektierende Augenpaare bedeuten Gefahr! 
  4. Halten Sie ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug.
  5. Wenn ein Tier auftaucht, bremsen Sie so stark, wie es der nachfolgende Verkehr zulässt. Blenden Sie die Scheinwerfer ab. 
  6. Hat bereits ein Tier die Straße überquert, rechnen Sie mit Nachfolgern! 
  7. Ausweichmanöver können zu schwersten Unfällen führen. Lässt sich eine Kollision nicht vermeiden, halten Sie das Steuer fest und bleiben Sie auf Ihrer Fahrbahnseite. 

Unbedingt die Polizei informieren

Kommt es trotzdem zu einem Wildunfall, halten Sie an, markieren Sie die Unfallstelle mit Warndreieck und Warnblinker und informieren Sie die Polizei. "Die schaltet den zuständigen Jäger oder Förster ein und stellt für die Versicherung eine Wildschadensbescheinigung aus", sagt Andreas Kinser. "Verwundete Tiere nicht anfassen! Berührungen sind ein zusätzlicher Stressfaktor für das Wild und können Panik auslösen." Totes Wild darf nie mitgenommen werden. Das erfüllt den Tatbestand der Wilderei.

Ist das Tier nicht am Unfallort auffindbar, muss der Autofahrer trotzdem die Polizei informieren und die Unfallstelle so gut wie möglich beschreiben. "Ein angefahrenes Tier schleppt sich selbst mit gebrochenem Rückgrat noch viele Meter weiter, um dann nach Tagen qualvoll zu verenden", erklärt Kinser. "Mit einem dafür ausgebildeten Jagdhund kann der Jäger das Wild aufspüren und von einem langen Leiden erlösen."

 
© Deutsche Wildtier Stiftung
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