Bürokratie in Tierschutzvereinen. Was ist wichtig? | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin
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Bürokratie in Tierschutzvereinen. Was ist wichtig?

Ganz egal ob ein Verein im direkten Tierschutz aktiv ist, Kaninchen züchtet, fischt oder einer gemeinsamen sportlichen Leidenschaft frönt – ein Verein ist ein gesetzlich verankertes Konstrukt. Im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist eine Definition zu finden, die den Verein als Personenvereinigung beschreibt.
 
Was bei Vereinen zu beachten gibt © Pixabay.com/Bairyna (CC0 1.0)
Wer einen Tierschutzverein gründe,t muss sich auch um Steuern und Buchhaltung kümmern

Bürokratie in Tierschutzvereinen. Was ist wichtig?

Ganz egal ob ein Verein im direkten Tierschutz aktiv ist, Kaninchen züchtet, fischt oder einer gemeinsamen sportlichen Leidenschaft frönt – ein Verein ist ein gesetzlich verankertes Konstrukt. Im BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist eine Definition zu finden, die den Verein als Personenvereinigung beschreibt. Die Macht im Verein haben die Mitglieder selbst. Sie regulieren die Satzung, sie managen ihre ureigene Aufgabenerfüllung. Ein Verein ist dann per Gesetz „rechtsfähig“, wenn er wirtschaftlich ausgerichtet ist oder im Vereinsregister steht. Diese Eintragung ist am Kurzzeichen „e.V.“ zu erkennen, wie auch das Beispiel des Tierschutzvereins DsN e.V. zeigt. Daneben gibt es eine Vielzahl von Tierschutzvereinen auf Bundeslandebene . Das Pendant zum rechtsfähigen Verein ist die GbR, die Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Kaum vorstellbar, aber wahr: Auch ein Verein muss Steuern bezahlen. Und damit einher geht eine ganze Reihe an Bürokratie.

Diese Steuer- und Buchhaltungskniffe muss ein Verein kennen

„Vereine unterliegen ohne Rücksicht auf ihre Rechtsform der Körperschaftsteuer, wirtschaftliche Vereine auch der Gewerbesteuer. Vereine unterliegen mit ihrem unternehmerischen Bereich der Umsatzsteuer; auch die Mitgliederbeiträge sind dann der Umsatzsteuer zu unterwerfen, wenn sie für ein Leistungsangebot gezahlt werden, dass der Verein seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt (z.B. der Fall bei Sportvereinen); allerdings sind dann ggf. auch Steuerbefreiungen zu beachten. Unabhängig davon kann der Erwerb von Gegenständen aus anderen Mitgliedsstaaten der EU für den Verein Umsatzsteuer auslösen (Erwerbsteuer, Halbunternehmer)“, so heißt es in Gablers Wirtschaftslexikon . Möglich wird die korrekte Besteuerung eines Vereins allerdings nur, wenn auch die Buchhaltung ordentlichen Regeln folgt.





Obgleich die Ambitionen des Tierschutzvereins durchweg positiv sind, muss der Verein vor allem in punkto Buchhaltung und Steuern noch zusätzliche Herausforderungen meistern.

 

Vor diesem Hintergrund muss sich auch der Tierschutzverein an diese Regeln halten:

  • Buchhaltung. Um den Verein rechtssicher und gemäß den Angaben des Finanzamtes zu führen, empfiehlt sich die Verwendung eines Buchhaltungsprogramm s. Inhaltlich untermauert werden die in der Buchhaltung dokumentierten Ausgaben und Einnahmen durch entsprechende Belege, die sowohl wohl sortiert als auch in erfasster Form vorliegen sollen. Zu Kontierung hilft ein Blick in das Kontierungslexikon für Vereine und gemeinnützige Organisationen. Unterschieden wird dabei in den Vereinskontenrahmen SKR 49, der für Vereine und Stiftungen zu nutzen ist, und in den Vereinskontenrahmen SKR 99, der als Spezialkontenrahmen der Gemeinnützigkeit gilt. Der klassische Kontenrahmen aus dem gewerblichen Bereich trägt die Nummer SKR 03. Eine Verpflichtung zur Buchung nach diesen Buchungsrahmen gibt es nicht, wohl aber eine Empfehlung. Daneben ist es wichtig, ein sogenanntes Bestandsverzeichnis zu führen, das aufzeigt, welche weiteren Werte vorhanden sind. Je nachdem, wie groß der Tierschutzverein ist, entscheidet sich, ob der Verein eine einfache Buchhaltung in Form einer Einnahmenüberschussrechnung, kurz EÜR, anfertigen muss oder gar eine doppelte Buchführung inklusive Jahresabschluss. Um diese Entscheidung zu treffen, sind die Aufzeichnungen zur Einnahmen- und Ausgabenstruktur des Vereins nötig. Wer als Verein einen Jahresumsatz von über 600.000 Euro oder einem Jahresgewinn von über 60.000 Euro schreibt, muss eine Bilanzierung anfertigen. Besonders kompliziert ist die Buchhaltung in einem gemeinnützigen, von der Umsatzsteuer befreiten Verein. 
  • Gemeinnützigkeit. Einerseits birgt die Gemeinnützigkeit eines Vereins viele Vorteile. Wie bereits beschrieben, ist der gemeinnützige Verein von der Umsatzsteuer befreit. Der Verein darf Spendenbescheinigungen ausstellen. Auch Zuschüsse gibt es häufig nur für Vereine mit dem Status der Gemeinnützigkeit. An die Buchhaltung werden spezielle Anforderungen gerichtet: In der EÜR müssen Einnahmen und Ausgaben nach ideellem Bereich, Zweckbetrieb, wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb und Vermögensverwaltung gegliedert sein. Alle Mittel müssen einem bestimmten Zweck dienen. Diese zweckgebundenen Mittel müssen zeitnah Verwendung finden. In den ersten drei Jahren ist ein Verein nur „gemeinnützig auf Probe“. Das heißt auch, dass erst nach dieser Zeit geprüft wird, ob die Gemeinnützigkeit gegeben ist. Ist das nicht der Fall, folgt die Aberkennung – und die rückwirkende Nachforderung der Steuern.
  • Rechenschaftsbericht. Die transparente Wiedergabe aller Ausgaben und Einnahmen ist die inhaltliche Bestimmung des Rechenschaftsberichts. Ein Recht auf Einsicht in den Rechenschaftsbericht hat die Mitgliederversammlung, jedoch nicht jedes einzelne Mitglied.
  • Steuern. Von Steuerzahlungen befreit sind all die Vereine, die gemeinnützig agieren. Sie dürfen nicht im Sinn haben, einen Gewinn zu erzielen. Auch keiner kommerziellen Tätigkeit dürfen sie nachgehen. Gemeinnützige Vereine müssen keine Gewerbesteuer, keine Körperschaftssteuer und keine Umsatzsteuer bezahlen. Von Letzterer sind sie dann befreit, wenn der Umsatz die Kleingewerbe-Regelung-Grenze von 17.500 Euro im vorangegangenen Jahr und 50.000 Euro im kommenden Jahr nicht übersteigt.
  •  Verantwortlichkeit. Der Vereinsvorstand ist derjenige, der die Mitglieder in der Versammlung über Einnahmen und Ausgaben informiert. Eben diese Information benötigt auch die Finanzverwaltung. Kassenprüfer werden bestellt, um die Finanzen des Jahres minutiös zu prüfen. Gibt es keine Beanstandungen, erfolgt die Entlastung der Vorstandschaft.
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Abbildung 1: pixabay.com © rdelarosa0 (Creative Commons CC0)
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