Autos als tödliche Hitze-Falle für Hunde im Sommer | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Autos als tödliche Hitze-Falle für Hunde im Sommer

Alle Jahre wieder – im Sommer leiden Hunde in Autos. Wie kann es sein, dass noch nicht auch der Letzte begriffen hat, dass es Tierquälerei ist, den Hund in einem sich überhitzenden Auto einzusperren?
 
Autos als tödliche Hitze-Falle für Hunde im Sommer © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Autos als tödliche Hitze-Falle für Hunde im Sommer!
Bereits bei einer Außentemperatur von knapp unter 20 Grad wird es für einen Hund im Auto gefährlich. Davon, dass dies schnell tödlich endet, ganz zu schweigen. Das Auto wird im Schatten abgestellt, doch dass die Erde sich dreht, kalkulieren einige nicht ein. Und so steht der Wagen Minuten später in der Sonne.

Um die Gefahr zu veranschaulichen, lassen sich Menschen für Kampagnen in Autos einsperren. Die Versuchsanordnung: sommerliche Außentemperatur, Sonnenschein und das Fenster einen Spalt offen. Nach relativ kurzer Zeit, sagen wir mal, einer halben Stunde, geben diese dann schweißgebadet auf. Für den Hund ist es aber viel schlimmer, er kann nicht schwitzen, so wie wir, und wäre bereits tot! Und: Die Tierquälerei hätte schon viel früher eingesetzt, dem Hund wäre schlecht, er hätte Angst – Todesangst.

Wenn Menschen die Situation wirklich nachvollziehen wollen, dann käme diese Versuchsanordnung seiner Realität am nächsten: Einen Menschen einwickeln in Frischhaltefolie – perforiert, also mit kleinen Löchern, denn auch ein Hund hat eine gewisse, wenn auch geringe Hautatmung – dann einen Pelzmantel darüber. Nur Gesicht, Hände und Füße bleiben frei. Statt der Folie wäre auch lange Unterwäsche aus Kunstfasergemisch geeignet, sodass kaum Verdunstungskälte durch Schweiß entstehen kann. Derart ausgestattet bleibt kein Mensch auch nur Minuten in einem Auto, selbst wenn die Fenster halboffen sind. Das wäre aber ein halbwegs vergleichbares Szenario zu dem, was einige ihren Hunden antun. Bitte, um Himmels Willen – probieren Sie es nicht aus. Es wäre zu gefährlich und könnte, Sie ahnen es, tödlich enden!

Der Körper versagt

Die Hunde erleiden einen Hitzschlag. Dabei steigt die Körpertemperatur und es kann zu Schwindel, Übelkeit und Bewusstlosigkeit kommen. Es droht ein Hitzekollaps, im schlimmsten Fall ein Hirnödem mit Schwellungen und Flüssigkeitseinlagerungen im Gehirn. Zudem können Teile des Gewebes so geschädigt werden, zum Beispiel der Nieren, dass der Hund kaum eine Überlebenschance hätte, wenn er noch lebend befreit werden konnte.

Bei 42 Grad gerinnt Eiweiß. Das Innere eines Autos kann sich in wenigen Minuten, je nach Außentemperatur und Sonneneinstrahlung, schnell weit darüber erwärmen. Der Hund versucht, den Temperaturanstieg seines Körpers auszugleichen durch Hecheln und Transpiration über die Pfoten. Die kühlende Wirkung setzt in jedem Fall erst etwa 20 Minuten nach Beginn ein. Doch der eingesperrte Hund hechelt in einem brütend heißen Wagen, verliert dabei zusätzlich noch sehr viel Flüssigkeit, und steht mit den Pfoten auf warmen Polstern. Was bringt das? Richtig: fast nichts.

Was Sie tun können

Wenn Sie einen Hund im Auto sehen, der stark hechelt, vielleicht jault oder aber apathisch wirkt, versuchen Sie, den Besitzer ausfindig zu machen. Sollte dies nicht binnen kurzem möglich sein, rufen Sie die Polizei. Ist zu befürchten, dass sie nicht rechtzeitig eintreffen wird, können vielleicht nur noch drastische Maßnahmen helfen.

Das Einschlagen der Scheibe ist grundsätzlich Sachbeschädigung, doch es gibt Ausnahmen bzw. Rechtfertigungsgründe, zum Beispiel wenn man im Interesse des Tierhalters handelt. Juristisch heißt dies „Handeln mit mutmaßlicher Einwilligung des Verletzten“ (Anm.: dessen Rechte verletzt werden). Zulässig ist sie dann, wenn die Notsituation des Tieres nicht anders abgewendet werden könnte. Dies muss aber derjenige, der die Scheibe zerstört, nachweisen. Insofern kann nur jedem geraten werden, sich einen oder mehrere Zeugen dafür zu suchen, dass Versuche, den Halter ausfindig zu machen, fehlgeschlagen sind bzw. aus zeitlichen Gründen keine andere Möglichkeit blieb, um den Hund zu retten. Leider müssen die Aufmerksamen von uns oft für andere mitdenken. Danke!

Text: ANNETTE HACKBARTH

 
Artikel aus Ein Herz für Tiere Ausgabe 06/2015. Jetzt abonnieren!
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