Das hat Cecil nicht verdient: Wut über Tod des Löwen verpufft schnell | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Das hat Cecil nicht verdient: Wut über Tod des Löwen verpufft schnell

Für einen amerikanischen Zahnarzt war es wie Sport, den Löwen Cecil zu erschießen. Doch das Morden stoppte dann nur kurz, denn der Aufschrei in den Medien und die Wut im Internet sind kurzweilig und verpuffen schnell.
 
Das hat Cecil nicht verdient: Wut über Tod des Löwen verpufft schnell © Image courtesy of khunaspix at FreeDigitalPhotos.net
Löwe Cecil war das Symbol des ganzen Landes Simbabwe.
Ein Aufschrei ging um die Welt, als der berühmte Löwe Cecil im Juli vom amerikanischen Großwild-Hobbyjäger Walter Palmer umgebracht wurde. Tatsächlich war der Zahnarzt ein perfektes Ziel für die Jagd nach der Jagd, als der Täter plötzlich selbst zum Abschuss freigegeben wurde.

Shitstorm wird es gerne genannt, wenn über Facebook und Co. eine mediale Treibjagd auf einen Menschen ausgerufen wird. Geholfen wird dadurch leider niemandem. Über die Frage der Schuld muss keiner lange nachdenken. Die Bilder von Dr. Palmer sprechen eine überdeutliche Sprache: Dummdreist grinsend hockt er neben den von ihm getöteten Schwarzbären oder Löwen. Wer dabei kein Gefühl von Abscheu empfindet, braucht dringend Nachhilfe in Sachen Menschlichkeit. Umgerechnet 45.000 Euro soll er für die Jagd bezahlt haben. Durch einen Trick lockte er den 13-jährigen Löwen, das Symbol des ganzen Landes Simbabwe, aus den Grenzen des Nationalparks, wo nicht gejagt werden darf. Dann verwundete er ihn mit Pfeil und Bogen; erst Stunden später beendete ein Schuss die Qualen des Löwen. Natürlich bahnt sich Schadenfreude den Weg, wenn anschließend die weltweite Empörung dafür sorgt, dass dieser Mann abtauchen muss und sein Ferienhaus beschmiert wird.

Die Wut im Internet ist kurzfristig und verpufft

Aber wem hilft das? Langfristig? Wir gewöhnen uns momentan an, unsere Wut kurzfristig abzulassen. Ein Kommentar auf Facebook, ein paar Likes für Leute, die unsere Gefühle vielleicht noch besser (oder krasser) ausdrücken als wir – das war’s. Unser Gewissen ist beruhigt. Wir stehen auf der richtigen Seite und haben unsere Meinung vertreten. Und ein paar Tage später ist alles vergessen, weil der nächste Skandal unsere Aufmerksamkeit beansprucht. Und dann passieren eben Dinge wie in Simbabwe. Unter starkem öffentlichen Druck wurde die Großwildjagd nach Cecils Tod umgehend verboten. Nur einen Monat später wurde sie dann wieder erlaubt. So schnell kann wirklich nur im Internet Gras über eine Sache wachsen.

Text: MARCO HEINRICH

 
Artikel aus Ein Herz für Tiere Ausgabe 10/2015. Jetzt abonnieren!
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