Dem Öl verfallen: Die USA riskieren unsere Umwelt und töten Wale | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Dem Öl verfallen: Die USA riskieren unsere Umwelt und töten Wale

Die Gier nach Öl treibt den Menschen dazu, auch die Arktis plündern zu wollen. Naturkatastrophen werden dabei einfach in Kauf genommen. Wale nutzen den Schall wie Menschen ihre Augen. Die riesigen Detonationen sind für sie ein Drama.
 
Dem Öl verfallen: Die USA riskieren unsere Umwelt und töten Wale © pixabay.com/tpsdave (CC0 Public Domain)
Neueste Studien beweisen, dass der Lärm der Öl-Vermessungen Meeressäuger schädigt.
Das sogenannte "Schwarze Gold" Öl ist nach wie vor einer der Hauptenergielieferanten weltweit. Doch die Quellen sind endlich, und einige wenige Länder und Firmen haben Besitzansprüche auf die bereits vorhandenen.

Das sensible Ökosystem der Arktis blieb wegen ihrer dauerhaft eisigen Decke bisher verschont, obwohl man davon ausgeht, dass etwa 22 Prozent der weltweit noch unentdeckten Öl- und Gasreserven dort schlummern. Die Betonung liegt auf "bisher". Seit die Arktis durch den Klimawandel zugänglicher wird, bemüht sich Shell um die Erlaubnis, nach Öl und Gas zu bohren. Jetzt haben die USA dem Energieriesen die Erlaubnis erteilt. Ein Aufschrei aller Umweltschutzverbände geht um die Welt: "Diese Entscheidung stellt das große Ölgeschäft über die Menschen und setzt die Tier- und Pflanzenwelt der Arktis – und die Gesundheit unseres Planeten – aufs Spiel", kommentierte beispielsweise die Umweltschutzorganisation Earthjustice. Susan Murray von der Organisation Oceana warnt: "Es gibt keine bewährte Methode, einer Ölpest im eisigen arktischen Wasser zu begegnen." Doch damit nicht genug. Während Shell bereits angefangen hat, in der Tschuktschensee zu bohren, vermisst der Konzern außerdem per seismischer Untersuchungen (mit Unterwasser-Schallkanonen) den restlichen Meeresgrund nach Ölvorkommen.

Kommunikation per Schall

Neueste Studien beweisen, dass der Lärm dieser Vermessungen Meeressäuger schädigt: Ihre Fähigkeit zu kommunizieren wird unterbunden, ihr Tauchverhalten, ihre Nahrungsaufnahme und ihre Migrationsmuster werden gestört, und sie können ihr Gehör verlieren. Es reicht, dass ein Wal sich im Umkreis von einem Kilometer von einer Sprengoperation befindet, und er verliert sein Gehör zeitweise. Meeressäugetiere, vor allem Wale, nutzen Schall wie Menschen ihre Augen. Wale reagieren manchmal schon auf seismischen Lärm, der sich Tausende Kilometer weit weg befindet, indem sie ausweichen. Oft ist dies aber nicht möglich.

Meeressäuger sterben qualvoll

Hinzu kommt, dass dieses Ausweichverhalten zu anderen Problemen führen kann. So haben sich vor Grönland in den Jahren 2008 und 2010 drei große, ungewöhnliche Einschlüsse von Narwalen ereignet. Wegen seismischer Aktivitäten auf ihrem eigentlichen Herbstwanderweg hielten sich die Wale länger als gewohnt in ihrem Sommer-Küstengebiet auf. Als sie dann später als gewohnt weiterzogen, hatte sich bereits Eis gebildet. Tausende Narwale wurden im winterlichen Eis gefangen und starben. Und dies sind nur einige Beispiele der Studie. Auch auf andere Meerestiere, von Beutetieren bis zu Fischlarven, haben die lauten Geräusche lebensbedrohliche Auswirkungen. Es ist eine Schande, dass trotz dieses Wissens Bohrungen und seismische Untersuchungen genehmigt werden. Wie lange wird der Mensch noch brauchen, bis er begreift, dass die Plünderung der Natur nur kurzfristig Gewinn bringt? Möchten Sie helfen, unterstützen Sie zum Beispiel die Kampagne von Greenpeace: www.greenpeace.de/themen/arktis 

Text: ANNA RAITHEL

 
Fotos: 
pixabay.com/tpsdave (CC0 Public Domain)
Artikel aus Ein Herz für Tiere Ausgabe 11/2015. Jetzt abonnieren!
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