Durch Tierversuche sterben jährlich Millionen Tiere | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Durch Tierversuche sterben jährlich Millionen Tiere

Jährlich sterben Tiere für wissenschaftliche Zwecke in Labors. In Deutschland ist die Zahl der Versuchstiere in den letzten Jahren zwar leicht zurückgegangen, dennoch sind es immer noch fast drei Millionen Tiere.
 

 

 
Durch Tierversuche sterben jährlich Millionen Tiere © ThoSt / Fotolia
Neues Meldeverfahren, Deutschland in der EU auf Platz 2.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) veröffentlicht alljährlich die Zahlen der Versuchstiere, zuletzt im Dezember 2014. Insgesamt wurden in Deutschland im Jahr 2013 2.997.152 Wirbeltiere in Tierversuchen und für andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Gegenüber dem Jahr 2012 ist das ein Rückgang von 2,7 Prozent. "Wir haben 2013 erfreulicherweise eine Trendwende geschafft. Fast drei Prozent weniger Tiere wurden in Forschungsversuchen verwendet als im Vorjahr. Das zeigt uns die richtige Richtung auf. Wir müssen noch mehr Alternativen zu den Tierversuchen entwickeln", erklärte Bundesagrarminister Christian Schmidt.

Ein Vorhaben, das der Deutsche Tierschutzbund begrüßt. Denn trotz positiver Entwicklungen, wie dem Rückgang der Zahl der Tiere, die für Versuche zur Giftigkeitsprüfung (Toxikologie) eingesetzt werden, könne man nicht von einer Trendwende sprechen, heißt es auf der Homepage zur vorgelegten Statistik. Denn die Anzahl der Tiere, die für die Grundlagenforschung eingesetzt werden, insbesondere die gentechnisch veränderten Tiere, steige weiter an. Fast ein Drittel aller verwendeten Tiere sind gentechnisch manipuliert, bei insgesamt 947.019 Tieren wurde das Erbgut künstlich verändert. "Die unzähligen Tiere, die nicht das von den Forschern gewünschte Merkmal tragen oder aufgrund der Erbgutveränderungen bereits im Mutterleib oder kurz nach der Geburt sterben, sind hier gar nicht erfasst", beklagt der Deutsche Tierschutzbund. "Auch nicht die Tiere, die 'auf Vorrat' gezüchtet werden, aber nie in den Versuch gelangen, sondern einfach getötet werden."

Maßnahmen müssen ausgebaut werden

Deutschland arbeitet verstärkt an Maßnahmen, um die Erforschung tierversuchsfreier Prüfmethoden sowie die Entwicklung von Verfahren, die für die Tiere mit weniger Belastungen verbunden sind, voranzutreiben. Es gibt zum Beispiel die "Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch" (ZEBET), die bereits ihr 25-jähriges Bestehen feierte. Sie wurde gegründet, um den Einsatz von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken auf das unerlässliche Maß zu beschränken und alternative Vorgehensweisen zu entwickeln. "Diese wichtige Arbeit wollen wir in Zukunft weiter verstärken und die ZEBET im Rahmen unserer Tierwohl-Initiative 'Eine Frage der Haltung' weiter zu einem Nationalen Kompetenzzentrum ausbauen", bekräftigte Bundesagrarminister Schmidt. "Auch dann, wenn auf den Einsatz von Tieren in Wissenschaft und Forschung nicht verzichtet werden kann, muss ihr größtmöglicher Schutz gewährleistet werden."

Nach der geltenden Rechtslage dürfen Tierversuche nur durchgeführt werden, soweit sie – zu einem der nach dem Tierschutzgesetz erlaubten Zwecke – unerlässlich sind. Die Verwendung von Wirbeltieren in Tierversuchen oder zu bestimmten anderen wissenschaftlichen Zwecken wird jährlich statistisch erfasst. Rechtliche Grundlage für die Erfassung ist die Versuchstiermeldeverordnung. Die Verwender sind verpflichtet, der für sie zuständigen Landesbehörde bestimmte Angaben wie Art, Herkunft und Zahl der verwendeten Wirbeltiere sowie Zweck und Art der Verwendung zu machen. Die zuständigen Behörden der Länder übermitteln die Angaben an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Dieses führt die Daten aus den Ländern zusammen, berichtet gemäß den EU-rechtlichen Vorgaben an die Europäische Kommission und veröffentlicht die Daten.

Neues Meldeverfahren, Deutschland in der EU auf Platz 2

Seit 2014 müssen die Bundesländer diese erstmals nach den neuen und strengeren Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie melden. Dies soll nach der neu gefassten Versuchstiermeldeverordnung zum ersten Mal nach einem europaweit gemeinsamen Format erfolgen. Inhaltlich werden weitere Betriebe meldepflichtig, zu den einzelnen Verwendungen sind weitere Daten anzugeben, zudem sollen einzelne Angaben weiter differenziert werden. Auch weitere Tierarten, wie etwa Larven, die sich selber ernähren können, müssen künftig erfasst werden, heißt es auf BMEL-Homepage. Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen daher in Zukunft höher ausfallen. Ab dem Jahr 2015 erfolgt aufgrund neuer EU-rechtlicher Vorgaben eine Umstellung der Datenerhebung, die nun eine Excel-Tabelle als Vorlage vorsieht.

Die EU-Kommission legt alle drei Jahre einen Bericht zu Tierversuchen vor, zuletzt im Dezember 2013. 11,5 Millionen Tiere wurden 2011 laut diesem Bericht in der EU verwendet. Zwar sind das eine halbe Million weniger Tiere als noch bei der Erhebung aus dem Jahr 2008, doch der Deutsche Tierschutzbund bezeichnet die Statistik als "Farce", da viele Tiere nicht mit gezählt würden. So seien von den rund drei Millionen Versuchstieren in Deutschland lediglich zwei Drittel in die EU-Statistik erfasst. Trauriger Spitzenreiter im EU-Ranking ist Frankreich, gefolgt von Deutschland, das 2008 noch auf Platz drei lag.

Einige Zahlen aus der Statistik

  • Insgesamt starben 2.997.152 Tiere
  • Davon waren über 87% Nagetiere: 2.199.671 Mäuse, 375.656 Ratten, 24.572 Meerschweinchen und 4.792 Hamster. Hier ist ein Rückgang zur letzten Erhebung zu verbuchen.
  • 7% der Tiere waren Fische (202.685) und 3% Kaninchen (95.653).
    Die Anzahl der Fische hat sich um 22% erhöht.
  • Zudem wurden 12.863 Schweine, 2.542 Hunde, 2.165 Affen und 793 Katzen verwendet.


Quelle: Deutscher Tierschutzbund, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

 

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