Kanadas Robbenjagd nimmt einfach kein Ende | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Kanadas Robbenjagd nimmt einfach kein Ende

In Kanada findet nach wie vor die weltweit größte Robbenjagd statt. Jedes Jahr dürfen dort Hunderttausende Meeressäuger getötet werden. Statistiken zeigen aber, dass über 90 Prozent der getöteten Robbe weggeschmissen werden.
 

 

 
Kanadas Robbenjagd nimmt einfach kein Ende © Thomas Brodmann / animals-digital.de
90 Prozent der getöteten Robbe wird weggeschmissen.

Am Sonntag, den 12.4. hat an Kanadas Ostküste offiziell die diesjährige kommerzielle Robbenjagd begonnen, wie die Umweltschutzorganisation IFAW in Hamburg mitteilte. 400.000 Sattelrobben dürfen in den nächsten Wochen laut der vom kanadischen Fischereiministerium (DFO) herausgegebenen Quote getötet werden.

90 Prozent der getöteten Robbe wird weggeschmissen

Trotz jahrzehntelanger Subventionen in Millionenhöhe hat die kanadische Robbenjagd ihren ökonomischen Tiefpunkt erreicht. Seit 20 Jahren versuchen Regierung, Industrie und Lobbyisten vergeblich, zusätzliche Robbenprodukte wie Salami oder Biodiesel auf den Markt zu bringen. Statistiken der kanadischen Regierung zeigen aber, dass über 90 Prozent der getöteten Robbe weggeschmissen werden und die kommerzielle Jagd nach wie vor in erster Linie auf die Felle abzielt. Laut Vorschrift müssen die Kadaver vollständig genutzt werden.

"Die Robbenjagd ist tot. Es gibt keinen Markt mehr für die Produkte aus dieser extrem grausamen und überflüssigen Jagd", so Dr. Ralf Sonntag, Meeresbiologe und Direktor des IFAW-Deutschland. "Die kanadische Regierung muss endlich aufhören, die Steuergelder ihrer Bürger zu versenken. Außerdem sollten für die Robbenjagd die gleichen Gesetze gelten wie für andere Jagden auf Wildtiere auch, wo es Bedingung ist, dass das ganze Tier genutzt wird. Es kann nicht sein, dass 90 Prozent der Kadaver auf dem Eis verrotten, nur weil man an die ohnehin inzwischen fast wertlosen Felle will."

Markt für Robbenfelle eingebrochen

Die kanadische Regierung hat zwei Pelz verarbeitenden Betrieben auch für diese Saison zwei Millionen Dollar an Subventionen zugesagt. Nach Handelsverboten für Robbenprodukte in vielen Ländern (Armenien, Taiwan, Russland, Kasachstan, Weißrussland, Mexiko, USA) sowie in der EU ist der Markt für Robbenfelle in den letzten Jahren eingebrochen. In der vergangenen Saison brachte ein Fell nur noch ca. 27 Dollar ein. Kanada und Norwegen hatten das EU-Handelsverbot für Robbenprodukte vor der WTO angefochten. Der Prozess kostete Kanada ca. 10 Millionen Dollar und endete damit, dass die WTO die Rechtmäßigkeit des Handelsverbotes bestätigte.

In den letzten Jahren wurde die Jagdquote aufgrund der fehlenden Nachfrage nicht annähernd ausgeschöpft. Letztes Jahr wurden 59,318 Tiere getötet, 2013 waren es 97,918. Auch die Zahl der aktiven Robbenjäger ist seit 2006 drastisch zurückgegangen: 2006 waren es noch 5.594, 2008 nur noch 2.964 und letztes Jahr sank die Zahl auf 393.

Quelle: IFAW Internationaler Tierschutz-Fonds


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