Katzenelend auch in Deutschland | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Katzenelend auch in Deutschland

Wer immer noch denkt, herrenlose Tiere gäbe es nur im Ausland, der irrt. Die Zahl verwilderter Katzen in Deutschland geht in die Millionen – auch weil unvernünftige Katzenhalter ihre Tiere nicht kastrieren lassen. Wenn sie Glück haben, landen die Katzen im Tierheim und finden dort ein dauerhaftes Zuhause.
 
Katzenelend auch in Deutschland © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Katzen, die auf der Straße geboren werden, haben meist ein kurzes, von Qualen bestimmtes Leben.
Abgemagert, von Krankheit und Verletzungen gezeichnet und dennoch immer fluchtbereit. Das Leben als Straßenkatze ist purer Kampf ums Überleben – und das jeden Tag aufs Neue. Ignoranten führen da gerne das Argument an, die Tiere können doch Mäuse fangen.

Ohne Hilfe aufgeschmissen

Ein bequemer Gedanke, wenn man sich aus der Verantwortung ziehen möchte. Tatsache ist jedoch, dass Katzen ohne die Hilfe des Menschen schlicht und ergreifend aufgeschmissen sind. Es sind Haustiere, vom Menschen über Jahrhunderte hinweg domestiziert. Katzen, die auf der Straße geboren werden, haben meist ein kurzes, von Qualen bestimmtes Leben. Aber sie leiden stumm, verkriechen sich in ihrem Leid. Zu oft sterben sie unbemerkt einen unschönen Tod. Allein in Berlin leben nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen an die 40.000 bis 100.000 Straßenkatzen. Wenn die Katzen als Welpen ins Tierheim kommen, haben sie noch eine gute Chance, ein Zuhause als umsorgte Hauskatze zu finden. Bei älteren und scheuen Tieren gehen diese Möglichkeiten gegen null. Aber wie kann der Kreislauf von Geburt, Elend und Tod gestoppt werden? Der Deutsche Tierschutzbund, seine angeschlossenen Tierheime und andere Organisationen sind sich einig: Das Problem und das damit verbundene Leiden lässt sich nur durch Kastrationen von Streunern und Besitzertieren mit Freigang eindämmen.

Kastration für Freigänger

"Wir brauchen eine Verpflichtung für alle Katzenhalter, deren Tiere Freigang haben, diese kastrieren zu lassen. Dafür kämpfen wir, doch solange keine bundesweite Regelung in Sicht ist, sollten die Kommunen ihre Möglichkeiten nutzen und selbst aktiv werden", erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Und noch ein Tipp für unbelehrbare Gemüter, die es niedlich finden, wenn ihre Katze Junge bekommt: Geht ins nächste Tierheim, das wie alle Tierheime in Deutschland jedes Jahr mit niedlichen Katzenbabys förmlich überflutet wird.

Die Stadt Paderborn war Vorreiter für eine Kastrationspflicht für frei laufende, privat gehaltene Katzen und tatsächlich zeigt sich jetzt nach einigen Jahren, dass die Zahl der Jungtiere auf den Straßen zurückgeht. Würden noch mehr Kommunen und Städte nachziehen, würde gar im Tierschutzgesetz diese Kastrationspflicht verankert, könnte das Problem der jährlichen Katzenschwemme in den Tierheimen vielleicht eines Tages der Vergangenheit angehören.

Text: ULRIKE ULMANN

 
Artikel aus Ein Herz für Tiere Ausgabe 07/2014. Jetzt abonnieren!
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