Legehennen fristen ein beengtes Dasein in Kleingruppen-Käfigen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Legehennen fristen ein beengtes Dasein in Kleingruppen-Käfigen

Seit den 50er-Jahren fordern Tierschützer das Ende der Käfighaltung von Legehennen. In den Kleingruppen-Käfigen haben die Hühner gerade mal 800 Quadratzentimeter Platz, also etwas mehr als eine DIN-A4-Seite.

 

 

 
Legehennen fristen ein beengtes Dasein in Kleingruppen-Käfigen © Charles Taylor / Fotolia
In Deutschland werden 11 Milliarden Eier pro Jahr produziert.
Legehennen fristen ein beengtes Dasein in Kleingruppen-Käfigen. Sie haben dort gerade mal 800 Quadratzentimeter Platz, also etwas mehr als eine DIN-A4-Seite. Seit den 50er-Jahren fordern Tierschützer bereits das Ende der Käfighaltung von Legehennen. 1999 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass Legebatterien gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Die EU erließ eine neue Richtlinie, die die winzigen Gitterkäfige ab dem Jahr 2012 verbietet. Die Weichen für die Abschaffung der Käfighaltung waren gestellt, doch in Deutschland ignorierten die Agrarminister dies lange.

Erst nach einer Klage der Landesregierung Rheinland-Pfalz hat das Bundesverfassungsgericht im Oktober 2010 die Verordnung für die Haltung von Legehennen in Kleingruppen-Käfigen für nichtig erklärt. Ilse Aigner, die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin, hat infolgedessen einen Verordnungsentwurf in den Bundesrat eingebracht, der die Kleingruppenkäfighaltung bis 2035 befristen sollte. Dieser Entwurf scheiterte nach heftigen Protesten des Deutschen Tierschutzbundes und den Bemühungen der Landesregierung Rheinland-Pfalz.

Bemühungen stagnieren

Stattdessen hat der Bundesrat einem Antrag von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zugestimmt, der eine Übergangsfrist bis 2023 vorsieht. Allerdings lehnten die Koalitionsfraktionen diesen Kompromiss ab. Damit gilt das so genannte Länderrecht, so dass seit 1. April 2012 jedes Bundesland selbst über die Zukunft der Legehennen entscheiden kann. Die Situation ist daher etwas paradox. Die Bemühungen, tiergerechte Lebensverhältnisse zu schaffen, sind auf halber Strecke stecken geblieben.

Seit Einführung der Käfige Mitte der 1960er-Jahre kämpft der Deutsche Tierschutzbund dafür, dass die Käfighaltung verboten wird und Legehennen tiergerecht in Freiland-, Boden- und Volierenhaltung gehalten werden. Es gilt als bestätigt, dass die Tiere in der Bodenhaltung mehr Platz benötigen als ihnen die Richtlinien zubilligen. In der drangvollen Enge der winzigen Käfige können sich die Hennen kaum bewegen.

Der erzwungene Bewegungsmangel führt zu gesundheitlichen Schäden wie Fettleber, Fußballengeschwüren und Knochenschwäche. Legehennen können im Käfig ihr arttypisches Verhalten nicht ausleben – wie etwa der angeborene Trieb zu scharren und zu picken. Deshalb richten sie diesen Trieb gegen die Artgenossen. Es entstehen schwerste Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. Nicht zuletzt leiden die Tiere im Käfig an sogenannter Legenot: Weil kein Nest für eine artgemäße Eiablage vorhanden ist, halten sie krampfhaft Eier zurück.

Verbraucher mögen keine Käfig-Eier

Hinzu kommt, dass bereits unterschiedliche Studien gezeigt haben, dass die Verbraucher keine Käfig-Eier mögen. Der Trend geht zu Bio-Eiern und Eiern aus Freilandhaltung, Tendenz steigend. Das Bewusstsein der Bevölkerung für die Herkunft der angebotenen Produkte hat sich in den letzten Jahren geschärft. Ökologisch und Bio darf es mittlerweile gerne sein. Der Markt passt sich an dieses Kaufverhalten an. Im Supermarkt stammten im Jahr 2004 noch gut drei von fünf Eiern aus Käfighaltung, im Jahr 2009 waren es nur noch 17 Prozent. Aktuell stammt fast ein Viertel der Eier im Supermarkt aus gewöhnlicher Freilandhaltung, rund sechs Prozent sind mittlerweile Bio-Eier. Insgesamt konsumieren die Verbraucher weniger Eier, aber dafür vermehrt aus tiergerechter Erzeugung.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund
 

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