Listenhunde: Von Geburt an schuldig gesprochen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Listenhunde: Von Geburt an schuldig gesprochen

American Bulldogs gehören zu den "Listenhunden", auch wenn sie total brav sind. Paul ist eigentlich ein ganz normaler Hund, der gerade dem Welpenalter entwachsen ist. Aber Paul ist auch ein Listenhund der Kategorie 2 und damit "gebrandmarkt".
 
Listenhunde: Von Geburt an schuldig gesprochen © Thomas Brodmann / animals-digital.de
American Bulldogs gehören zu den "Listenhunden".
"Ich fühle mich wie ein Schwerverbrecher", stellt Petra G. frustriert fest. Ihr "Verbrechen" hat vier, zugegebenermaßen sehr große Pfoten, und einen unschuldigen, neugierigen Hundeblick. Paul ist ein acht Monate alter Jungspund und hat das Pech, als Listenhund der Kategorie 2 geführt zu werden. Als Petra G. wenige Monate zuvor mit ihrem Lebensgefährten, ihren Pferden und den Hunden Amy und Paul ins nordrhein-westfälische Korschenbroich zog, ließ sie einen hohen Zaun um das Grundstück der Reitanlage ziehen.

Zu jung für den Wesenstest

Um den Reitplatz herum sorgt eine 2,5 Meter hohe, dichte Koniferenhecke dafür, dass niemand hinaus und hinein kann. Nachdem Paul das Grundstück ohnehin nicht verlässt und sein Leben mit den Pferden und anderen Hunden genießt, wiegten sich die Besitzer des American Bulldogs in Sicherheit. Für den Wesenstest war Paul zu jung – mal ganz abgesehen davon, dass sich einzig und allein Frauchens Sofakissen vor ihm fürchten müssen. Es hätte alles so schön sein können. Aber die Idylle endete, als ein Herr vom Ordnungsamt aufgrund einer anonymen Anzeige wegen der Haltung eines Kampfhundes eines Tages nach vielen unfreundlichen Worten mit folgendem Satz entschwand: „Ich werde persönlich dafür sorgen, dass der Hund auf der Reitanlage einen Maulkorb tragen muss.“

Gefährlich durch Umzug?

Um das zu verhindern, legte Petra G. den geforderten Sachkundenachweis ab, ging mit Paul in die Hundeschule und bestellte 200 Meter Wildzaun zur Verstärkung der Hecke. Und das alles, damit ein acht Monate alter, argloser und freundlicher Hund nicht zu einer Gefahr für die Allgemeinheit wird? Über Sinn und Unsinn der sogenannten Listenhunde lässt es sich vortrefflich streiten. Unstrittig ist dagegen, dass Vertreter dieser Rassen und ihre Besitzer oftmals der Willkür der Behörden ausgesetzt sind und sich zu Recht diskriminiert und verfolgt fühlen. "Das geht wirklich an die Psyche", weiß auch Pauls Frauchen.


Text: Ulrike Ulmann

 
Artikel aus Ein Herz für Tiere Ausgabe 11/2014. Jetzt abonnieren!
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