In Plastikflaschen abgefüllt - so werden Vögel geschmuggelt | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

In Plastikflaschen abgefüllt - so werden Vögel geschmuggelt

Lebende Tiere werden wie Spielzeug in Wasserflaschen gepresst, um sie über die Grenze zu bringen. Unvorstellbar? In Indonesien haben Schmuggler dies mit Vögeln - Gelbwangenkakadus und Papagein - gemacht. Was für eine Tierquälerei!
 
In Plastikflaschen abgefüllt - so werden Vögel geschmuggelt © pixabay.com/PublicDomainImages (CC0 Public Domain)
In Plastikflaschen abgefüllt - so werden Vögel geschmuggelt!
Wir verstehen nicht, wie unsere Steuer funktioniert. Oder warum es immer mehr TV-Sender gibt, aber immer weniger gutes Fernsehen. Oder wieso das Wetter am Montag immer besser ist als sonntags. Die Welt (und das Leben) ist in vielen Dingen undurchschaubar. Doch manchmal braucht es nur ein einziges Bild, um zu erkennen, dass etwas gut ist. Oder schlecht. Verabscheuungswürdig. Unerträglich.

Bedrohte Tierart

Wir sehen Bilder einer skurrilen Pressekonferenz in Indonesien, wo Zollfahndern ein grausamer Fund gelang: Ein Schmuggler hatte versucht, 21 Gelbwangenkakadus und einen grünen Papagei per Schiff über die Grenze zu bringen. Lebendig eingepfercht in Plastikflaschen! Wie der 37-Jährige sie dort hineinbekam? Es muss ungefähr so gewesen sein wie beim Weihnachtsbaum, der durch einen Trichter gepresst wird, um ihn dann im Netz transportieren zu können. Eine Folter für die Vögel. Verlängert wurde ihr Leiden dann auch noch durch die Polizei: Die Tiere wurden nicht etwa direkt nach dem Fund aus ihrer Billig-Zwangsjacke befreit – sie wurden in ihrem Gefängnis erst noch der Presse präsentiert. Fast schon ein Wunder, dass alle überlebten. Doch viele haben solch ein Glück nicht. Der illegale Handel mit Wildvögeln ist ein florierendes Geschäft. Experten schätzen, dass alleine auf der indonesischen Insel Halmahera jährlich über 10.000 Wildvögel für den Schwarzmarkt gefangen werden. 40 Prozent von ihnen sterben, bevor sie beim Kunden landen. Doch das hält die Schmuggler nicht ab, denn die Preise sind enorm. Jeder Einzelne der armen Vögel in den Plastikflaschen hätte umgerechnet 900 Euro gebracht. In freier Wildbahn gibt es übrigens nur noch rund 7000 Gelbwangenkakadus.

Schmuggeln lohnt sich

Bei uns ist es kaum besser. Nach illegalem Handel mit Wildvögeln wurden vor vier Jahren zwei Deutsche verurteilt. Der Richter sprach von „mafiösen Strukturen“. Das Verfahren kostete damals rund 100.000 Euro, die beiden Angeklagten bekamen jeweils zwei Jahre Haft auf Bewährung. Welche Strafe der 37-jährige Schmuggler aus Indonesien erwartet, ist nicht bekannt. Gut möglich, dass er schon die nächsten Plastikflaschen präpariert. Die Welt ist nicht zu verstehen.

Text: MARCO HEINRICH


 
Artikel aus Ein Herz für Tiere Ausgabe 07/2015. Jetzt abonnieren!
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