Stierkampf in Spanien: Tierquälerei als Kulturgut? | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Stierkampf in Spanien: Tierquälerei als Kulturgut?

Traurig: Spanien erklärt den Stierkampf zum "immateriellen Kulturgut". Damit steht das unfaire Spektakel auch noch unter besonderem Schutz. Doch der Stierkampf ist ein blutiges, in den Augen vieler Spanier fragwürdiges Spektakel.
 
Stierkampf in Spanien: Tierquälerei als Kulturgut? © pixabay.com/Life-Of-Pix (CC0 Public Domain)
Stierkampf in Spanien: Tierquälerei als Kulturgut?
Für den Tierschutz in der EU ist das ein schmerzhafter Schlag in die "Breitseite". Obwohl die Mehrheit der spanischen Bevölkerung gegen das blutige Töten in einem vollkommen ungleichen Kampf mit immer gleichem Ausgang ist, wurde auf Grundlage eines Volksbegehrens, bei dem Stierkampf-Anhänger 600.000 Unterschriften gesammelt hatten, dieses fatale Gesetz verabschiedet. Nun kann dem grausamen Treiben in Spanien kein Riegel mehr vorgeschoben werden. Und das, obwohl nur 14 Prozent der Bevölkerung den Stierkampf befürworten. Selbst das Verbot der ach so "schützenswerten Tradition" in der autonomen Region Katalonien konnte das Parlament in Madrid offensichtlich wenig beeindrucken.

Die Stiere werden vor dem Kampf häufig ausgehungert

Einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes zufolge erleiden jedes Jahr etwa 30.000 Tiere in einer spanischen Stierkampfarena einen qualvollen und vorbestimmten Tod. Dabei werden den Tieren bereits im Vorfeld der rund 2000 jährlich stattfindenden Veranstaltungen schwere Verletzungen zugefügt. Damit sich der Stier nicht wehren kann, werden oft die Hörner bis auf die empfindlichen Nerven abgeschliffen. Durch tagelangen Futter- und Wasserentzug werden die Tiere vor dem Kampf geschwächt. Wie gesagt, das Ende ist vorprogrammiert, und da ist es offensichtlich üblich, mit "kleinen Tricks und Kniffen" ein wenig nachzuhelfen.

Keine harmlose Urlaubsattraktion

Außerdem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass pro Jahr an die 3000 Pferde als "Kollateralschaden" aufgrund ihrer beim Stierkampf erlittenen Verletzungen notgeschlachtet werden müssen. Wie eingangs erwähnt, gilt der Stierkampf in Spanien seit November 2013 nicht nur als „immaterielles Kulturgut“, sondern das Gesetz sieht zudem geeignete Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung des Stierkampfes vor.

So soll ein Antrag auf Aufnahme in die Unesco-Liste des immateriellen Weltkulturerbes der Menschheit gestellt werden. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, reagierte mit den Worten: "Nur ein generelles Verbot wäre zeitgemäß und akzeptabel, dafür setzen wir uns bei den zuständigen Instanzen ein." Eine Bitte an alle Spanientouristen: Unterlassen Sie einen Besuch dieses blutigen Spektakels. Stierkampf ist keine harmlose Urlaubsattraktion, er ist hochgradige Tierquälerei.

Text: ULRIKE ULMANN

 
Artikel aus Ein Herz für Tiere Ausgabe 01/2014. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren