Verbrauchertipps für Fischprodukte & Schalentiere

Durch die Überfischung der Meere sind die Bestände der meisten Fischarten bedroht. Besonders die beliebten Speisefische, zu denen Lachs, Kabeljau und Thunfisch zählen, sind durch zu hohe Fangquoten und illegale Fangflotten stark dezimiert.
 
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Durch die Überfischung der Meere sind die Bestände der meisten Fischarten bedroht.

Lachs

Lachse sind Wanderfische, die ihre Jugend in den Oberläufen von Flüssen verbringen und später ins Meer abwandern, bis sie zum Ablaichen wieder ins Süßwasser zurückkehren. Der Wildlachs ist akut durch die Überfischung der Bestände und durch die Verbauung der Flusswege (z.B. Stauwehre) bedroht. Um dennoch die hohe Nachfrage nach Lachs zu decken, werden Lachse vermehrt in Aquakulturen gezüchtet. Die Fische werden unter hohen Besatzdichten in Käfigen im Meer zusammen gepfercht. Aus den Käfigen sinken tonnenweise Exkremente und Futterreste, Medikamente und kupferhaltige Mittel, die zur Reinigung der Käfige eingesetzt wurden, auf den Meeresboden und belasten die Küstengewässer.

Aufgrund der erhöhten Krankheitsanfälligkeit der in Gefangenschaft lebenden Tiere wurden viele Antibiotika eingesetzt, um die Erkrankungen in den Griff zu bekommen. Inzwischen wurde der Gebrauch von Antibiotika etwas eingeschränkt - nachdem die Verbraucher gegen die hohe Antibiotika- Belastung protestiert hatten und Impfungen entwickelt worden waren - aber bis heute ist es nicht möglich, in intensiven Farmen darauf zu verzichten.

Zuchtverfahren haben dazu geführt, dass Zuchtlachse im Vergleich zu Wildlachsen schneller wachsen. Infolge der mangelnden Bewegung in den Käfigen ist auch der Fettanteil höher. Wenn Zuchtlachse aus den Aquakulturen flüchten, kann es zu einer Verdrängung der Wildlachse kommen. Zudem können die Zuchtlachse Krankheiten übertragen.

Als Gegenmaßnahme zur Überfischung der Meere ist die Aquakultur nicht geeignet: Um 1kg Lebendgewicht Lachs zu erhalten, müssen 3kg Fisch verfüttert werden. Diese Menge kann nicht allein über Beifänge zusammenkommen. Daher trägt auch die Aquakultur ihren Teil zur Überfischung der Meere bei. Die Bestände des Wildlachses sind durch Überfischung gefährdet. Zuchtlachse bergen Probleme, durch Krankheiten, erhöhten Medikamenteneinsatz und Vermengung mit der Wildpopulation.

Bei der Zucht von Biolachs wird stärker auf geeignete Besatzdichten und Artansprüche der Fische geachtet. Auch ist der Einsatz von Antibiotika und künstlich-synthetischen Farbpigmenten verboten.
  • Wenn Sie Lachs verzehren möchten, sollten Sie in jedem Fall Biolachs kaufen.
  • Kaufen Sie nur ungefährdete Fischarten wie Makrele, Hering und Seelachs.

Kaviar

Kaviar ist der verarbeitete Laich des Störs. Er wird als die weltweit begehrteste und teuerste Delikatesse gehandelt. Das ist einer der Gründe, warum der Stör mittlerweile zu den seltensten Fischen gehört und akut vom Aussterben bedroht ist. Dabei besitzt dieser Fisch mit dem haifischähnlichen Aussehen aufgrund seiner knochigen Struktur und seiner Größe kaum natürliche Feinde - bis auf den Menschen, der seinen natürlichen Lebensraum immer stärker einschränkt und ihm wegen des begehrten Kaviars erbarmungslos nachsetzt. Der Hausen oder Beluga-Stör ist der größte Süßwasserfisch der Erde. Mit 20 Jahren werden die Weibchen zu Produzenten der teuersten Kaviarart, des Beluga-Kaviars. 1 kg der mit blauem Deckel versehenen Sorte kostet etwa 3.000 Euro. Experten gehen davon aus, dass der Beluga-Stör infolge der intensiven Jagd und Raubfischerei in ein paar Jahren ausgestorben sein könnte. Weitere Kaviararten sind der Osietra-Kaviar, der mit gelbem Deckel, und der Sevruga-Kaviar, der mit rotem Deckel vermarktet wird. Der Kaviar wird dem lebenden Störweibchen entnommen, da der Rogen sonst ungenießbar wird. Den Weibchen wird also bei lebendigem Leib der Bauch aufgeschlitzt und der Rogen herausgenommen. Eine tierschutzgerechte Betäubung erfolgt in den seltensten Fällen.

Störe stehen inzwischen unter Artenschutz, doch obwohl die Produktion auf dem legalen Markt rückläufig ist, ist die Gesamtnachfrage ungebrochen. Sie wird durch Raubfischerei und illegalen Kaviar-Handel gedeckt. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion gibt es keine staatlichen Fang- und Exportkontrollen mehr. Wie der Drogenhandel verheißt der Kaviarhandel höchste Gewinnspannen. Schätzungen zufolge stammen bis zu 95% des Stör-Rogens in Westeuropa aus illegalen Quellen. Der weitaus größte Teil des gehandelten Kaviars stammt nicht vom Stör, sondern von Lachs, Meeresforelle (größerer Durchmesser der Eier, orangerote Farbe), Hecht, Karpfen oder Seehasen. Um ihn vom exklusiven Stör-Kaviar zu unterscheiden, sind Bezeichnungen wie „Kaviarersatz“ oder „falscher Kaviar“ geläufig.

Tragen auch Sie mit dazu bei, dass der Stör nicht ausstirbt und auch andere Tierarten nicht gefährdet werden:
  • Kaufen Sie keinen von Stören gewonnenen Kaviar (Beluga = blauer Deckel, Osietra = gelber Deckel, Sevruga = roter Deckel). Bedenken Sie, 95% wurden illegal gefangen.
  • Vermeiden Sie auch den Rogen, der von anderen Fischen stammt, da die Gewinnung der Fischeier mit Qualen für den Fisch verbunden ist.

Hummer

Die Hauptfangzeit des europäischen Hummers ist der Sommer. Um dennoch das ganze Jahr über ein gleichbleibend starkes Angebot an Hummern bereitstellen zu können, werden die Tiere „gehältert“. Das bedeutet, dass die im Sommer gefangenen Hummer monatelang mit zusammengeklebten Scheren, ohne Nahrung, in Behältnissen dahinvegetieren. Beim Verzehr ist ein derart gehälterter Hummer daran zu erkennen, dass das Fleisch nicht mehr vollständig seinen Scheren- und Schwanzpanzer ausfüllt.
Die Nachfrage nach Hummer ist in Europa so groß, dass der Bestand des europäischen Hummers nicht ausreicht. Darum wird zu 80% amerikanischer Hummer aus Kanada oder den USA importiert. Die lebenden Tiere werden in Kisten transportiert, die zum Teil nur mit Holzwolle oder Stroh ausgelegt sind. Nur bei langen Transporten werden die Tiere in chemisch präpariertes Wasser verbracht. Schaum vor den Mundwerkzeugen deutet darauf hin, dass die Tiere unter Sauerstoffmangel gelitten haben. Transportschäden wie gebrochene Beine oder geknickte Antennen sind durchaus üblich.

Zur Schlachtung werden Hummer lebendig in kochendes Wasser geworfen, in dem ihr grausamer Todeskampf mehrere Minuten dauert. Viele traditionelle Fangregionen sind wegen der großen Nachfrage fast „leergefischt“. In Norwegen und Amerika werden aufgrund dessen Versuche unternommen, Hummer anzuzüchten und dann in den Meeren auszusetzen.

Bitte unterbinden Sie das große Leiden, dem Hummer ausgesetzt werden:
  • Kaufen oder verzehren Sie keinen Hummer! Hälterung, Transport, Tötungsmethode und die bedrohten Bestände sind Gründe genug, um auf andere Nahrungsmittel auszuweichen, die wirkliche Delikatessen sind.
(Deutscher Tierschutzbund)
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