Gesundheit von Fischen: Warum Lärm lebensbedrohlich ist | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Gesundheit von Fischen: Warum Lärm lebensbedrohlich ist

Im Tiergarten Schönbrunn in Österreichs Hauptstadt Wien untersuchten zwei Wissenschaftler den Einfluss des Klopfens an Aquarienscheiben. Sie kamen zu einem erschreckenden Ergebnis: "Ein guter Teil der Todesfälle in Schauaquarien ist vermutlich auf das Scheibenklopfen der Besucher zurückzuführen."
 
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Lärm kann für Fische lebensbedrohlich sein.

Schallbelastung von Fischen

Im Jahre 1996 wurden die ersten experimentellen Studien zur „Schallbelastung bei Aquarienfischen“ durchgeführt. Dazu versteckten die Wissenschaftler in einem 1000-Liter-Becken ein Unterwassermikrofon, das über einen selbstgebastelten Verstärker mit einem Tonbandgerät verbunden war. Sobald jemand an das Aquarium mit den beiden Rochen klopfte, schaltete sich das Tonbandgerät in Sekundenbruchteilen automatisch an. Die Klopfaktivitäten wurden über einen Zeitraum von vier Wochen registriert. Dabei unterteilte Prof. Kratochvil die registrierten Klopfimpulse in zwei Perioden: Montag 12 Uhr bis Freitag 12 Uhr sowie Freitag 12 Uhr bis Montag 12 Uhr. Nach diesen vier Wochen wurde die Registrierung mit den gleichen Bedingungen fortgesetzt, allerdings mit unterschiedlichen Hinweisschildern. 

„Nur Beklopfte klopfen gegen die Scheibe“

Jeweils zwei Wochen lang wurden folgende drei Hinweisschilder an der Frontscheibe des Aquariums angebracht: „Scheibenklopfen tötet Fische“, „Nur Bekloppte klopfen gegen die Scheibe“ und „Bitte nicht gegen die Scheibe klopfen!“. Dabei kamen sehr unterschiedliche Ergebnisse hervor. Die durchschnittliche Klopfaktivität ohne Hinweisschild hatte 1,8 Schläge pro hundert Besucher betragen, was an Spitzentagen eine enorme Störung bedeutete. Als Erstes befestigten Dr. Schwammer (Zoologischer Abteilungsleiter für Säugetiere und Forschung) das häufig zu sehende Schild mit der Aufschrift „Bitte nicht gegen die Scheibe klopfen!“. Das reduzierte die Klopfaktivitäten immerhin auf 28 Prozent. „Klopfen tötet Fische“ brachte es sogar auf nur noch 18 Prozent der ehemals bis zu 270 Schläge pro Tag. Am erfolgreichsten stellte sich jedoch das Schild „Nur Bekloppte klopfen gegen die Scheibe“ heraus. „Plötzlich versuchten nur noch unter zehn Prozent der ehemals ermittelten Besucher, die Tiere aufzuscheuchen“, so Prof. Kratochvil. 

Hörschaden bei Menschen

Er hält das Klopfen der Zoobesucher an die Scheiben von Aquarien und Terrarien für tollpatschige Versuche, mit den Tieren in Kontakt zu treten oder inaktive Individuen aufzuscheuchen. Für Fische stellt diese Störung jedoch eine besondere Gefahr dar, da der Schalldruck im Wasser viel höher ist als in der Luft. Die Lautstärke typischer Schläge würde in der Luft beim Menschen auf Dauer zu Hörschäden führen. Es ist daher davon auszugehen, dass ein Teil der Todesfälle in Schauaquarien auf das Scheibenklopfen zurückzuführen ist. Das Schwergewicht lag in den Versuchen bei kurzen Serien von zwei bis vier Schlägen, in einem Fall wurde 72 Mal hintereinander geklopft. Diese Befunde sollten Anlass genug sein, dieses Phänomen in zukünftige Planungen von Aquarienanlagen einzubeziehen. Eventuell kommen hierfür schwenkbare Schutzscheiben, welche direkt mit dem Gebäude verbunden sind, in Frage. Obwohl Verbotsschilder recht gute Ergebnisse gebracht haben, sind bauliche Maßnahmen sicherlich der effizientere Weg. Beim eigenen Heimaquarium lassen sich aufgrund der Ergebnisse sicherlich auch die meisten Menschen in Zukunft davon abhalten, an die Scheiben zu klopfen. Das könnte zu einem nicht unerheblichen Teil das Wohlbefinden der Fische fördern.

(Text: Thomas Brodmann)
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