Frosch-Familien | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Frosch-Familien

Froschlurche – gemeinhin als Frösche bekannt – sind die erfolgreichste Ordnung unter den Amphibien. Sie haben fast alle Lebensräume erobert, und so können ihre Lebensweisen unterschiedlicher kaum sein.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Es gibt Frösche in der Wüste genauso wie im Regenwald – und Letztere gar unter eisigen Bedingungen.
Einige Arten eignen sich hervorragend für den Lebensraum Aquarium in unseren Wohnzimmern und sind dementsprechend beliebt.

Amphibien – ein Erfolgsrezept der Evolution

Amphibien sind in drei Ordnungen unterteilt, Blindwühlen (Gymnophiona), Schwanzlurche (Urodela) und Froschlurche (Anura). Die Bezeichnung "Amphibien" ist der Lebensweise dieser Wirbeltiere nachempfunden – das heißt, sie können an Land wie im Wasser nicht nur überleben, sondern ihr Dasein am jeweiligen Ort aktiv gestalten. Dazu gehört unter anderem auch, in beiden Elementen atmen zu können. In ihrer Jugend sind Amphibien reine Wassertiere, die in dieser Zeit wie Fische durch Kiemen atmen. Und es gibt eine weitere Gemeinsamkeit, die auch als wasserlebendes Landtier beibehalten wird: die Sinneszellen an den Körperseiten, die dem Seitenlinienorgan der Fische sehr ähnlich sind und hauptsächlich Bewegungen wahrnehmen.
Die Umwandlung der Amphibien vom Wasser- zum Landtier, die sog. Metamorphose, umfasst auch neben der Ausbildung weiterer Gliedmaßen die Gestaltung der Atmungsorgane: Aus Kiemen werden Lungen. Im Grunde lässt sich während der Entwicklung vom Ei zum Frosch oder zum Molch im Zeitraffer der Evolutionsprozess der Landwirbeltiere beobachten. Die amphibische Lebensweise ist so erfolgreich, dass sogar einige ganz andere Tierarten sie sich zu eigen gemacht haben, um zusätzliche Lebensräume für ihre Art zu erschließen. Dazu gehört der bekannte Schlammspringer, ein Fisch auf Beinen sozusagen, der in Mangrovengebieten lebt. Weitere aufregende Beispiele der echten amphibischen Lebensweise finden sich unter den Krebstieren, genauer gesagt, unter den Krabben.

Frösche in aller Welt 

Die Fähigkeit, sich in beiden Elementen zurechtzufinden, bietet für die Tiere umfassende Lebensmöglichkeiten: Es gibt Frösche in der Wüste genauso wie im Regenwald – und Letztere gar unter eisigen Bedingungen. Dort verfügen sie über ein Frostschutzmittel und wachen völlig unbeschadet aus ihrer Froststarre wieder auf! Denn ihnen allen gemeinsam ist die Fähigkeit, widrige Umstände wie z. B. temporäre Eiseskälte oder auch Trockenheit geschützt durch unterschiedliche Strategien zu überdauern. Eine ausgeglichene Lebensart der Frösche in beiden Elementen wie in unseren gemäßigten Breitengraden ist eher die Ausnahme. Die meisten Froscharten leben unter tropischen Bedingungen – und das sehr vielfältig. Kleine Arten nutzen z.B. die Wasserreservoire von Bromelien in Bäumen oder betten ihren Laich in Schaumnester. Andere leben in den untersten Etagen des Waldes im Laub. Einige betreiben Brutpflege – andere nicht.

Die Haut der Frösche

Obwohl Frösche keine offensichtlichen Waffen tragen, verfügen alle Arten über eine äußerst wirksame Verteidigungsstrategie, um sich vor Parasiten und Fressfeinden zu schützen. Die Familien der lateinamerikanischen Pfeilgiftfrösche (Phyllobates) sind die bekanntesten Beispiele. Das von ihnen produzierte Gift (Batrachotoxin) schädigt bereits in kleinen Dosen Nerven- und Muskelzellen, während das Gift der Agakröte (Bufo marinus) auf Menschen eher halluzinogen wirkt und unter Umständen schwere Schäden anrichten kann. Auch Pipiden, also Große Krallenfrösche, Wabenkröten und Zwergkrallenfrösche, sondern zwar ebenfalls Hautgifte ab, die jedoch für Menschen und die meisten anderen möglichen Aquariumtiere völlig harmlos sind.

Die Drüsen für die Produktion der Gifte sowie die der feucht haltenden Substanzen sitzen in der Unterhaut der Frösche. Diese Unterhaut ermöglicht auch einen gewissen Gasaustausch zur Unterstützung der Lungen (Hautatmung). Die Oberhaut besteht aus mehreren verhornten Schichten, die gelegentlich im Rahmen einer Häutung abgestreift werden.

Toben Pipiden in wilden Drehungen und akrobatischen Purzelbäumen plötzlich durch ihr Aquarium, ist dies kein Grund zur Besorgnis, denn sie häuten sich und fressen oft ihre alte Garderobe danach auf. Ihre drei Hornkrallen an den Innenzehen sind bei diesem Vorgang sehr behilflich.

Drei schwarze Krallen

Die typischen schwarzen Hornkrallen je an den drei Innenzehen der Hinterfüße sind eines der namensgebenden Merkmale der Gattungen der Krallenfrösche (18 Arten) bzw. der Zwergkrallenfrösche (vier Arten). Sie helfen während der Häutung sowie beim Klettern in der Unterwasservegetation, auch gelegentlich außerhalb des Wassers.

Die Füße der anderen fünf Pipidengattungen können an dieser Stelle ganz unterschiedlich ausgestattet sein. Die Große Wabenkröte (Pipa pipa) ist am Gewässerboden durch ihre sehr flache Körperform gut getarnt. Zusätzlich ist sie mit kleinen Hautlappen bedeckt. Sie hat an den Füßen gar keine Krallen, und ihre Finger sind sehr länglich und erinnern ebenfalls eher an Anhängsel. Die Kleine Wabenkröte (Pipa carvalhoi) präsentiert dagegen ein Erscheinungsbild, das uns eher als typischer Frosch erscheint. Sie hat sehr große Hinterfüße mit entsprechenden Schwimmhäuten und insgesamt nur drei normale Krallen. Unter den Wabenkröten hat besonders die Kleine viele Freunde in der Aquaristik bzw. Terraristik. 

Große Krallenfrösche sind wie Wabenkröten durch ihre Größe mit ihrer räuberischen Lebensweise nichts für das Gesellschaftsaquarium, dennoch werden sie häufig gezüchtet und begeistert in Artaquarien und Aquaterrarien gepflegt. Auch ihre kleineren Verwandten, die Zwergkrallenfrösche, stammen meist aus Nachzuchten und sind bei Aquarianern sehr beliebt: Sie sind kleinwüchsig, fühlen sich im Wasser sehr wohl, und ihre vergleichsweise leise Stimme kann nicht so leicht den Frieden mit den Mitmenschen gefährden. Gelegentlich landen zwar auch andere Arten von Zwergkrallenfröschen als Importe im Handel, doch ist die Bestimmung für den Laien meist sehr schwierig.

Frösche ohne Zunge

Bei den Pipiden wird man während der Fütterung vergeblich darauf warten, dass wie bei Fröschen üblich eine Zunge herausschnellt, um die Beute zu packen. Der Familienname der Pipiden ist nämlich Programm: Sie haben tatsächlich keine Zunge. Und im Übrigen auch keine Zähne. Andere Froschfamilien verfügen ebenfalls über Zungenformen, die zur Bestimmung benutzt werden, z.B. bei der Familie der Scheibenzüngler (Discoglossidae). Doch egal wie geformt und ob vorhanden oder nicht: Die jeweilige Art hat sich dem angepasst. Pipiden saugen ihre Beute so schnell ein, dass es eher als Saugschnappen bezeichnet werden kann. Als Nahrung dienen kleinere Wirbellose wie Insektenlarven, Würmer oder Kleinkrebschen, die meist aus „technischen“ Gründen“ im Wasser verzehrt werden. Das Einsaugen funktioniert im nassen Element natürlich besser.

Paarung in Rückenlage

Die Ordnung der Froschlurche ist in weitere Unterordnungen unterteilt. Der so berühmte Überschlag während der Paarung ist ein Merkmal der Unterordnung Mesobatrachia, zu denen die Pipiden gehören. Es gibt also noch mehr Familien unter den Fröschen, die diese interessanten Paarungs-Loopings praktizieren. Ein weiteres spannendes Detail während der Paarung der Pipiden ist der besonders praktizierte Amplexus. Die Weibchen werden nicht wie sonst bei Fröschen üblich im Nacken bzw. „unter den Achseln“ umfasst, sondern in der Lendengegend. Dieser inguinale Amplexus stellt eine noch sehr ursprüngliche Art dar, die Weibchen zu „umarmen“. Und schaut ein Beobachter während eines Amplexus genau hin, ist erkennbar, dass die Männchen ihre Arme um die Weibchen mit den „Handrücken“ gegeneinander schließen.  

Nicht ganz so „streng aquatil“

Zunächst wurde lange Zeit geglaubt, Krallenfrösche und Zwergkrallenfrösche würden das Wasser so gut wie nie verlassen. Aus ihrem natürlichen Lebensraum war bekannt, dass sie das Wasser nur in Notlagen – wie etwa Austrocknung – verlassen. Vermutlich durch die recht erfolgreiche Haltung in Aquarien wurde das lange nie wirklich hinterfragt. Mittlerweile lassen sich diese Pipiden eher als stark wassergebunden beschreiben, was in menschlicher Obhut unbedingt berücksichtigt werden sollte. Sie benötigen für eine artgerechte Haltung nicht zwingend einen Landteil, doch eine Absenkung des Wasserspiegels im Aquarium ermöglicht den kleinen Amphibien einen Aufenthalt auf Schwimmblättern o.ä., was sie gern nutzen. (Annette Berkelmann)

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