Paarung bei Krallenfröschen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Paarung bei Krallenfröschen

In vielerlei Hinsicht präsentieren sich Zwergkrallenfrösche und Große Krallenfrösche als typische Mitglieder ihrer großen Froschverwandtschaft. Einige Merkmale zeichnen ihre Familie zusätzlich aus.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Das gesamte Geschehen kann mehrere Tage dauern.

Das Vorspiel

Die Grundlagen der Fortpflanzung sind nahezu identisch, denn beide Arten gehören zur Familie der Pipiden, der Zungenlosen. Zwergkrallenfrösche werden häufiger in der Aquaristik gepflegt, daher wird hier ihre Paarung als Beispiel im Detail beschrieben. Bevor es tatsächlich zur Befruchtung der Eier kommt, haben männliche wie weibliche Zwergkrallenfrösche einiges zu tun. Möglicherweise nach einem Wasserwechsel mit etwas kühlerem Wasser fällt Unruhe unter den Fröschen auf, und die Weibchen werden zunehmend fülliger – sie bilden einen neuen Laichansatz aus. Sie schwimmen verstärkt herum, ihre Ruhepausen können kürzer werden. Spätestens wenn alle beginnen zu quaken, steht fest, dass sie sich die nächsten Tage intensiv der Arterhaltung widmen werden. Wer von uns Aquarianern die Nachzucht selbst erleben möchte, sollte schon einmal beginnen, eine geeignete Kinderstube einzurichten.  

Werbung um die Weibchen – die Aufregung steigt

Die Männchen sind besonders ruhelos und schwimmen herum. Je mehr von ihnen sich den vorhandenen Raum teilen, umso mehr stehen sie „unter Strom“. Ihre Rufe ähneln mehr einem langgezogenen und leisen Zirpen – wenn sie tiefer und abgehackter klingen, ist es eher ein Ausdruck der Abwehr. Die stämmigen Ärmchen fest auf den Boden gedrückt, tun die Männchen allen Artgenossen ihre Anwesenheit kund: selbstbewusst aufgerichtet und so laut es ihnen ihr kleiner Körper ermöglicht. Die Damen rufen zwar ebenfalls, wirken zunächst aber eher unbeteiligt. Sie lassen sich nicht bitten, als richtige Frösche müssen sie einfach gepackt werden.

Meist geht es in der Dämmerung und besonders nachts zur Sache, da sind die Augen der Beteiligten im Dunkeln recht nutzlos. Nun spielen der Geruch und besonders die Sinneszellen am Körper der Frösche eine zentrale Rolle, da sie Bewegungen wahrnehmen. Beim kleinsten Anzeichen schnellen die Männchen herum – jederzeit bereit, ein paarungswilliges Weibchen zu ergreifen. Oftmals ist es jedoch nur der Nachbar, und beide sind sich über den Status ihres Gegenübers im Klaren: Rivalen müssen in jedem Fall vertrieben werden! Es passiert also durchaus, dass zwei Männchen frontal aneinandergeraten, sich aufrecht wie Känguruhs umklammern und sich gegenseitig die Köpfe nach hinten biegen, bis einer aufgibt, sich losreißt und das Weite sucht.

Nicht alle machen mit

Die kleinen Froschkönige müssen blitzschnell zupacken, wenn sie zum Zuge kommen wollen, da sind Irrtümer programmiert: Noch nicht geschlechtsreife Artgenossen oder Frösche beiderlei Geschlechtes werden versehentlich von vorn umklammert. Durch abgehackte Rufe und leichtes Zucken der Hinterfüße machen diese auf den Irrtum aufmerksam, und man trennt sich bald wieder. Meist noch junge Weibchen wollen mit der ganzen Aufregung nichts zu tun haben – vorläufig jedenfalls. Da die Frösche nun hauptsächlich über die Bewegung kommunizieren, hängen sich die unwilligen Weibchen still in die dichte Vegetation und sind somit völlig „unsichtbar“.

Doch selbst wenn es einem Männchen gelingt, ein paarungsbereites Weibchen passend zu erwischen, macht sie es ihm nicht immer leicht und versucht vielleicht sogar, ihn loszuwerden. Dabei ist sie nicht zimperlich und versucht, sich unter Wurzeln zu verkriechen oder ihn sonstwie abzustreifen. Aber so schnell lässt ein Frosch nicht locker! Seine Arme sind dicker und kräftiger als die der Weibchen, und die Natur hat noch zusätzlich vorgesorgt, damit er nicht verletzt wird: Der Rücken der Weibchen hat eine leichte, längliche Mulde, in die der Kopf eines klammernden Männchens genau hineinpasst. Vielleicht trennen sie sich doch noch einmal, und er packt ein anderes Weibchen; möglich auch, dass sie sich mit ihm am Hals noch einen Snack gönnt. Doch schließlich lässt das Männchen so lange nicht mehr los, bis auch die Dame bereit ist, ihren Teil für die nächste Generation beizusteuern.

Paarung mit Überschlag – ein Markenzeichen

Nicht nur die berühmten „Turnovers“ der Zwergkrallenfrösche sind etwas Besonderes. Die Art und Weise, wie die Männchen klammern, gilt als sehr ursprünglich. Denn die Weibchen werden nicht, wie sonst bei Fröschen üblich, am Nacken bzw. „unter den Achseln“ umfasst, sondern in der Leistengegend. Diese noch sehr urtümliche Art der Umklammerung wird auch inguinaler Amplexus genannt.

Ist der Griff gefestigt, schwimmen beide gemeinsam an die Wasseroberfläche, drehen sich auf den Rücken und geben so ihren Beitrag zur Erhaltung der Art ab. Das Weibchen entlässt rücklings rudernd ihre Eier in Portionen zu drei bis zehn Stück, der männliche Frosch befruchtet sie gleichzeitig. Anschließend  treiben sie dann als winzige dunkle Punkte in einem geleeartigen Zusatz einfach an der Wasseroberfläche und bleiben ggf. an Schwimmblättern und aus dem Wasser ragenden Pflanzenteilen haften. Der abgesenkte Wasserspiegel in menschlicher Obhut bedeutet also auch im Rahmen der Paarung artgerechte Haltung.

Danach drehen beide Frösche sich ohne loszulassen wieder um und tauchen bis zum nächsten Mal ab. Auf diese Weise gibt das Weibchen mehrere hundert Eier ab, die dann vom männlichen Frosch befruchtet werden.

Das gesamte Geschehen kann mehrere Tage dauern, bis die Weibchen alle Eier abgegeben haben und sie befruchtet worden sind. Zwergkrallenfrösche betreiben ebenfalls keinerlei Brutpflege – im Gegenteil: Nach so einer anstrengenden Nacht sind die Eier willkommene Stärkung, die sich leicht abschlürfen lässt. Die nächtliche Paarung macht durchaus Sinn, denn am Tage wäre eine so schutzlose Darbietung der hellen Unterseite der Tiere im natürlichen Lebensraum eine zu deutliche  Einladung an alle Beutegreifer, die Froschschenkel lieben. (Annette Berkelmann)
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