Nachzuchten von Krabben | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Nachzuchten von Krabben

Krabben haben abhängig vom Grad ihrer Landanpassung unterschiedliche Strategien zur Entwicklung ihrer Nachkommen.
 
© pixabay.com/skeeze (CC0 Public Domain)
Um zum Beispiel Mangrovenkrabben nachzuzüchten, ist einiger Aufwand nötig, denn es müssen Bedingungen wie im Salzwasser geschaffen werden.
Je nach Krabbenfamilie schlüpfen aus den Eiern noch unfertige Larven oder schon nahezu vollständig ausgebildete Minikrabben. So kann sich also die Nachzucht der sympathischen Krabbler als schwierig gestalten oder gelingt bei artgerechter Haltung ohne unser Zutun von ganz allein.

Fast alle Krabben sind importiert

Die überwiegende Zahl der im Handel angebotenen Krabben werden importiert. Früher gelangten sie mehr oder weniger zufällig hierher, mittlerweile werden einige Arten regelmäßig eingeführt, sodass auch Erfahrungen mit Nachzuchten gesammelt und erweitert werden können. Es erscheinen immer wieder neue und interessante Krabbenarten, bei denen sich zuweilen eine leichte und unkomplizierte Nachzucht ergibt.

Größer werdende Landkrabben werden in ihrem Heimatländern häufig als Delikatesse geschätzt und daher regelmäßig in großer Zahl auch für uns als sogenannte Heimtiere gefangen. Oftmals wird der Fang von Weibchen mehr oder weniger begründet nicht gestattet, sodass hier bei uns Nachzuchten dieser Arten selten sind.

Einfache Nachzucht bei terrestrischen Krabben

Krabbenarten, die terrestrisch leben – also weitgehend an Land leben –, haben natürlich auch ihre Fortpflanzung dieser Lebensweise angepasst. Dazu gehören die attraktiven kleinen Vampirkrabben (Geosesarma sp.) mit den auffallend roten Augen.

Die Entwicklung ihrer Nachkommen spielt sich komplett in den Eiern ab, und es schlüpfen fertige kleine Krabben, die sogar schon individuelle Körperzeichnungen erkennen lassen.

In einer artgerechten feuchtwarmen Umgebung bilden die Weibchen in ihrem Brutraum unter dem Bauch einige hundert Eier aus, die etwa einen Durchmesser von einem Millimeter haben. Sie sind somit größer als die, deren Inhalt sich im Meer entwickelt.

Die Mutter trägt sie bis zum Schlupf an der Körperunterseite. Vampirkrabbenweibchen leben während dieser Tragzeit im Vergleich zu anderen Arten sehr versteckt und verschließen sogar gelegentlich ihre Wohnhöhle von innen.

Nach einigen Wochen sehen wir dann – oft überraschend – winzige, zunächst weißliche Krabben im Aquaterrarium herumkrabbeln. Bei guten Bedingungen kann mit bis zu 80 Minikrabben gerechnet werden. Sie sind sofort auf sich gestellt, haben jedoch von den älteren Tieren nichts zu befürchten. Um das Überleben möglichst vieler Knirpse zu gewährleisten, empfiehlt es sich, feines Flockenfutter mit viel fleischlichem Anteil maßvoll auszustreuen. Die Kleinen häuten sich sehr oft, denn auf diese Weise wachsen Krabben (und insgesamt alle Krebstiere).

Vom Planktonwesen zum Landbewohner

Bei vielen anderen Krabbenarten entwickelt sich die nächste Generation im Meer. Auch wenn sie als erwachsene (adulte) Tiere an Land leben, können sie sich nicht zu weit vom Meer entfernen, da sie dorthin zurückkehren müssen, um ihre Eier dem Meer zu übergeben. Dabei müssen einige Arten wie Halloween- und Harlekinkrabben aufpassen, dass sie in der Brandung nicht ertrinken. Mangrovenkrabben leben amphibisch. Das heißt, dass sie zwar nicht ertrinken können, doch gute Schwimmer sind sie nicht.

Die Weibchen tragen in ihrer Bruttasche viele tausend winzige Eier mit sich, die auch Laichkörner genannt werden. Insgesamt durchlaufen die künftigen Krabben zwei Larvenstadien, bevor sie zu Krabben werden.

Entlassen werden vom Weibchen winzige Zoea-Larven, die nach vielen Häutungen in das Megalopa-Stadium übergehen. In diesem ist ihr Hinterteil wie bei Krebsen und Garnelen noch länglich. Es verschwindet erst mit der besonders komplizierten Häutung, wenn die Krabbe ihre Form annimmt. So lassen sich praktisch an jeder einzelne Krabbe die Evolution vom Wasser- zum Landtier sowie die Spezialisierung des Krebstieres zur Krabbe nachvollziehen.

Nachzucht im Aquarium

Um zum Beispiel Mangrovenkrabben nachzuzüchten, ist einiger Aufwand nötig, denn es müssen Bedingungen wie im Salzwasser geschaffen werden. Das Behältnis muss eine gewisse Höhe aufweisen, um auch die Druckverhältnisse wie im Meer anzugleichen. Es muss mit Brackwasser gefüllt sein, das mindestens eine halbe Meerwasserkonzentration aufweist. Das Wasser sollte gut durchlüftet sein sowie eine Strömung haben, damit die Winzlinge nicht zu Boden sinken und sterben. Dieses Plankton aus künftigen Krabben ernährt sich von winzigen Algen, deren Zuchtansätze gelegentlich im Handel zu erwerben sind. Wer möglichst viele Krabben erhalten möchte, muss die Larven nach Größe trennen, denn sie sind kannibalisch. Eine gute Fütterung kann dem jedoch zuweilen entgegenwirken.

Die passende Temperatur beträgt 25° C, und eine Dauerbeleuchtung sollte installiert werden, denn die Algen, von denen sich die Larven ernähren, betreiben Photosynthese.

Nach etwa einer Woche benötigen die Larven festere Kost, zum Beispiel Artemia-Nauplien. Das Megalopa-Stadium wird nach einigen weiteren Häutungen in einem Zeitraum von zirka drei Wochen erreicht.

Mittlerweile haben sich aufgrund der Bedingungen im Aquarium Algen an den Wänden gebildet. Die Megalopas durchlaufen nun eine Metamorphose und werden zu kleinen Krabben, die gern die Algen abweiden und sich an ihnen festhalten. Dies ist der Zeitpunkt, den Wasserspiegel abzusenken, damit die kleinen Krabben die Möglichkeit haben, das Wasser zu verlassen. Sie häuten sich immer noch häufig, um zu wachsen, doch mit zunehmendem Alter werden Häutungen seltener. Junge, also juvenile Krabben häuten sich alle paar Wochen. (Annette Berkelmann)


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