Steckbrief Rote Mangrovenkrabbe | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief Rote Mangrovenkrabbe

Die sonst vorsichtigen Mangrovenkrabben ziehen ein Dasein in lockeren Gruppen vor. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Aussehen, Nachwuchs, Lebensweise, Ernährung und Haltung der Roten Mangrovenkrabbe.
 
Die rote Mangrovenkrabbe © Tribehouse Garnelen/Sascha Treib
Charakteristisch für die rote Mangrovenkrabbe sind die mächtigen, rot gefärbten Scheren

Typische Merkmale

  • Körperlänge: 7 - 8 cm
  • Lebenserwartung: 3 - 4 Jahre
  • Verbreitung: Thailand
  • Lebensraum: Mangrovengebiete, angrenzende Feuchtgebiete, Flüsse, Seen
  • Lebensweise: amphibisch, gesellig
  • Temperatur: 20 - 24° C
  • pH-Wert: nicht unter 6,5
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
  • Ordnung: Zehnfußkrebse (Dekapoda)
  • Familie: echte Krabben (Brachyura)
    GattungPseudosesarma
  • Art: Rote Mangrovenkrabbe (Pseudosesacarma moeshi)

Aussehen

Mangrovenkrabben präsentieren sich kompakt, bei einer Beinspanne von ausgewachsen 6 bis 8 cm. Bei alten Männchen können es auch gelegentlich 10 cm sein. Ihr Panzerdurchmesser kann 2 bis 3 cm erreichen, die Weibchen bleiben erfahrungsgemäß etwas kleiner.

Die vergleichsweise kleinwüchsigen Krabben verfügen über ein Paar gleich große Scheren, die für ihre Körpergröße recht mächtig sind. Sie enden in gelblich gefärbten bis weißen Spitzen, die am Ende noch je eine kleine Kralle besitzen. Das gilt für beide Geschlechter. Die der Männchen sind zwar im Vergleich zum Körper größer, die kleineren der Weibchen dafür im täglichen Gebrauch benutzerfreundlicher. Die Scheren sind kräftig rot gefärbt, was auch für Teile des Gesichtes sowie der Innenseite der Beine gilt. Die Rückenplatte der kleinen Krabben ist dunkelbraun bis braunschwarz gefärbt und zeigt ein feines, individuelles Muster aus Flecken und Linien. Typisch rot-schwarz ist nur Pseudosesarma moeshi gefärbt, die vielen Unterarten, die im Handel erscheinen, zeigen viele Farbvarianten von Orange bis Braun.

Nachwuchs und Aufzucht

Die Geschlechter lassen sich zwar auch an den Scheren unterscheiden, bei juvenilen Krabben aber nicht immer ganz eindeutig. Am sichersten ist ein Blick auf die Unterseite der Tiere, denn hier befindet sich der Brutraum der Weibchen. Dieses Segment in Form einer Klappe nimmt die gesamte Unterseite ein. Das Bauchsegment der Männchen ist deutlich schmaler und reicht nicht bis an die Beinansätze.

Nach wenigen Monaten sind die Krabben geschlechtsreif, und die Männchen bieten sich den Weibchen in teilweise individueller Form im Rahmen einer teils aufwendigen Werbung an. Die Weibchen wählen ihre Partner sehr sorgfältig aus, was bedeutet: Je eine Krabbe beiderlei Geschlechtes bildet nicht unbedingt ein Paar, das für Nachwuchs sorgt. Während der Paarung umklammern sich beide zueinandergewandt, und die Männchen platzieren ihre Spermienpakete im Innern der Weibchen, wo sie bei Bedarf zunächst eingelagert werden können, notfalls auch bis zu zwei Jahre. Das heißt, die Weibchen können auch ohne die Anwesenheit von Männchen ihre Eier befruchten und austragen. Diese Masse der vielen tausend Laichkörner entwickelt sich nach der Befruchtung im Brutraum an der Körperunterseite des Weibchens und wird hier bis zum Schlupf mit sich geführt. Immer wieder gereinigt, sortiert und mit Frischwasser versorgt, werden nach etwa zwei bis drei Wochen noch unfertige Krabben ins Wasser abgegeben.

Wie bei vielen anderen Krabbenarten auch, entwickeln sich die Larven im Meer beziehungsweise nur in Salzwasser zu kleinen Krabben, die dann an Land zurückkehren, um fortan hier ihr amphibisches Leben aufzunehmen. Die Nachzucht gestaltet sich daher schwierig, doch sind zunehmend Erfolge zu verzeichnen mit der Absicht, später die Wildfänge durch Nachzuchten ersetzen zu können.

Lebensweise und Verhalten

Der Lebensraum in den Mangrovengebieten Südostasiens verlangt allen Bewohnern einiges ab. Nicht nur die Gezeiten müssen berücksichtigt werden, sondern auch der wechselnde Salzgehalt. So führen Mangrovenkrabben eine amphibische Lebensweise, wobei sie im Wasser durch Kiemen und an Land durch eine ausgeklügelte Hautatmung ihr Dasein meistern. Außerdem können sie den Salzgehalt des Wassers über die Kiemen regulieren. Die Hauptaufgabe der Mangrovenkrabben ist die Verstoffwechselung von Blättern sowie die Düngung und Lüftung des Schlammes zwischen den Stelzwurzeln der Bäume. Ihre große Zahl und ihre geringe Körpergröße machen sie zur beliebten Nahrung vieler Tierarten. Dementsprechend präsentieren sich die kleinen Ritter bei Gefahr, der sie weder durch Flucht noch durch Tarnung entweichen können, ausgesprochen unerschrocken.

Die sonst vorsichtigen Mangrovenkrabben ziehen ein Dasein in lockeren Gruppen vor. Um das bevorzugte Versteck im Wasser oder um eine Erdhöhle an Land werden kleine Territorien gebildet, deren Grenzen mehr oder weniger eingehalten werden. Denn trotz kleinerer Scharmützel sowie gelegentlicher Unverträglichkeiten sind die flinken Krabben recht gesellig. Sie gelten zwar als dämmerungs- und nachtaktiv, doch sie sind durchaus auch am Tage unterwegs. Ausgedehnte Ruhephasen, die oft allein verbracht werden, wechseln sich mit ausgeprägten Aktivitäten inklusive atemberaubender Kletterkünste ab. Man sucht nach Nahrung, einem Partner, pflegt soziale Bindungen oder renoviert das Eigenheim. Die Erdhöhlen werden architektonisch geschickt gestaltet und hingebungsvoll gepflegt. Ein Rückzugsort ist auch für diese kleinen Krabben wichtig, damit sie ihre Häutung ungestört vorbereiten und im Wasser vollziehen können. Denn auch ihr Leben ist wie das aller Krebstiere von diesem wiederholten und kraftraubenden Ereignis geprägt.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Mangrovenkrabben verfügen über eine komplexe Sprache, die sich aus Klopfzeichen, Gestik sowie chemischen Signalen zusammensetzt. Dies ermöglicht es ihnen zum Beispiel auch unter der Erde zu kommunizieren. Sie können gut sehen und nehmen Erschütterungen jeder Art über Sinneshärchen wahr. Diese befinden sich zusammen mit Geschmacksnerven unter anderem an den Beinen. „Unterhaltungen“ erinnern da manchmal an die Kommunikation von Ameisen, wenn sie sich in mehr oder minder schneller Reihenfolge gegenseitig betrommeln. Durch ihre guten Sinnesleistungen kann das Tempo so atemberaubend sein, dass uns Menschen schnell Details entgehen und wir leicht einen temperamentvollen Austausch als Aggression deuten. Derlei wird meist durch Drohgebärden wie Präsentation der Scheren begleitet oder eingeleitet, was häufig schon ausreicht. Nicht unbedingt herrscht das Recht des Stärkeren, kleinere Individuen wissen sich einfallsreich zu behaupten. Die chemische Kommunikation spielt besonders im Rahmen der Fortpflanzung eine wichtige Rolle. Die winzigen Kotballen dienen nicht nur zur individuellen Unterstreichung des bevorzugten Versteckes, sie werden auch potenziellen Partnern gereicht bzw. in dringenden Fällen sogar regelrecht aufgeklebt.

Ernährung

Mangrovenkrabben sind Allesfresser, daher sollte das Nahrungsangebot abwechslungsreich sein. Wobei tierische Kost sparsamer gereicht werden sollte, denn zu viele Proteine können zum Beispiel die Häutung negativ beeinflussen. Das dafür notwendige Calcium wird ebenso über die Nahrung aufgenommen und kann zum Beispiel durch Sepiaschalen angeboten werden. Obst, Gemüse und Fertigfutter bieten weitere unzählige Möglichkeiten. Einige Krabben jagen auch selbst: Insekten, kleine Spinnen und besonders Grüne Heupferdchen sind willkommen. Ebenso winzige Organismen in der Erde des Landbereiches – und auch Laub ist wichtiger Bestandteil ihrer Ernährung im natürlichen Lebensraum, dies sollte ihnen in Form von Erlen-, Buchen- und Pappellaub geboten werden. Geeignet sind auch sogenannte Seemandelbaumblätter aus dem Handel. Algen werden wie der Belag auf Wurzeln und Holz hingebungsvoll abgeschabt, er beinhaltet Mikroorganismen, die offenbar für den Stoffwechsel benötigt werden.
Die Krabben finden also auch im Aquaterrarium genügend Essbares, eine tägliche Fütterung ist nicht sinnvoll. Sie fressen auch gern Wasserpest und weiden Moosbälle ab.

Haltung

Aufgrund ihrer amphibischen Lebensweise benötigen die kleinen Krabben außer dem Wasser auch einen geräumigen Landbereich. Sie graben gern aufwendige Erdhöhlen in Ufernähe, nehmen aber auch gern fertige Verstecke unter Korkstücken oder hohlen Ästen nahe dem Wasser an. Sie sind geschickte Kletterer und trotz ihrer geringen Größe recht kräftig, daher muss ihr Aquaterrarium absolut ausbruchssicher sein. Einzelhaltung ist bei den sozialen Krabben unbedingt zu vermeiden. Sie bilden Territorien, die von beiden Geschlechtern verteidigt werden. Es scheint eine Rangordnung zu geben, die besonders für Männchen wichtig ist und durchaus auch handfest ausgetragen wird. Allerdings werden Verletzungen in beider Interesse vermieden. Ist aber der zur Verfügung stehende Raum inklusive von Verstecken zu knapp, scheuen sich die schwerbewaffneten Tiere nicht, ihre Rivalen zu töten. Aus diesem Grund  muss der Raum für alle großzügig bemessen sein, um dauerhafte Kämpfe mit Verletzungen oder gar Toten zu vermeiden. Ein bis zwei Männchen mit zwei bis vier Weibchen können in einem Aquaterrarium von 80 cm Kantenlänge gut miteinander auskommen. Land- und Wasserbereich sollten strukturreich gestaltet werden. Mangrovenwurzeln, Steine und Kork sind willkommene Verstecke, die ganz besonders im Rahmen einer Häutung genügend Schutz bieten.

Die agilen Krabben brauchen es warm, 22° bis 24° C sind ideal. Das Wasser sollte einen mittleren pH-Wert haben und mittelhart sein. Sie können mit vielen Fischarten sowie einigen Garnelenarten vergesellschaftet werden. Kleinere und sehr friedliche Arten werden gelegentlich gejagt und gefressen. Eine gemeinsame Haltung von Mangrovenkrabben und Zwergkrallenfröschen ist nicht möglich. Die Individualität der Tiere ist auch durch charakterliche Eigenheiten erkennbar, die jede Krabbengruppe einzigartig und die Beschäftigung mit den kleinen Zehnfüßern immer wieder spannend macht.

Hätten Sie’s gewusst?

Alle Sesarma-Arten können an Land ihren persönlichen kleinen Wasservorrat mit sich führen, der bei Bedarf –  etwa der Befeuchtung ihrer Erdhöhle – abgelassen werden kann. In erster Linie jedoch dient er der Feuchthaltung der Kiemen und unterstützt die Atmung durch die Haut. In einem Kreislauf rinnt das Wasser das „Gesicht“ hinunter in die Kiemen. Diese werden befeuchtet, und gleichzeitig kann hier der enthaltene Sauerstoff aufgenommen werden. Diese Option verlängert einen Landaufenthalt und ermöglicht eine weitere individuelle Einwirkung auf die Umgebung.

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Foto:   pixabay.com  © macg  (CC0 Public Domain)
Fotos: 
Tribehouse Garnelen/Sascha Treib
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