Steckbrief Vampirkrabbe | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief Vampirkrabbe

Vampirkrabben brauchen Kontakt zu Artgenossen und wie alle Mitglieder ihrer Familie Platz, um ihre kleinen Territorien zu etablieren. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Aussehen, Nachwuchs, Lebensweise, Ernährung und Haltung der Vampirkrabbe.
 
© pixabay.com/WikiImages (CC0 Public Domain)
Das ist keine Vampirkrabbe. Haben Sie eine? Dann schicken Sie uns doch ein Foto!

Typische Merkmale

  • Körperlänge: gut 2 cm Carapaxbreite
  • Lebenserwartung: ca. 4 Jahre
  • Verbreitung: Ostasien, vermutlich Sulawesi
  • Lebensraum: Feuchtgebiete im Landesinneren, teilweise auf Bäumen
  • Lebensweise: terrestrisch (an Land lebend) in lockeren Gruppen, nachtaktiv
  • Temperatur: 20 - 27°C

Systematik

  • Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
  • Ordnung: Zehnfußkrebse (Dekapoda)
  • Familie: Mangrovenkrabben (Sesarminae)
  • GattungGeosesarma
  • Art: Vampirkrabbe (Geosesrma sp.)

Aussehen

Besonders auffällig an den kleinen Krabben sind ihre orangefarbenen bis roten Augen, die den exotischen Eindruck noch dadurch verstärken, dass sie auf Stielen angelegt sind. Die Beine und auch die Krallen sind im Vergleich zu anderen (Mangroven-) Krabbenarten recht lang. Die Färbung kann rot, blau und lila sein und sehr individuell ausfallen. Die Beine wirken oft bläulich, die Scheren und der Rückenpanzer eher rötlich, gelegentlich helllila. Die meisten Krabben tragen einen großen Fleck auf dem Rücken, der fast reliefartig oder zusätzlich aufgesetzt wirkt. Einzig das „Gesicht“ wirkt bräunlich.

Nachwuchs und Aufzucht

Vampirkrabben gehören zu denjenigen Mangrovenkrabbenarten, die relativ weit an das Landleben angepasst sind, was ein Vorteil bei der Nachzucht ist, Die Folge dieser Anpassung ist nämlich die gewonnene Unabhängigkeit vom Meer, in dem bei anderen Arten erst mit der Zeit aus Larven kleine Krabben werden.

Die Eier der Vampirkrabben sind größer (bis zu 1 mm) als die der Artgenossen. In ihnen findet die gesamte Entwicklung des Nachwuchses statt, sodass fertige kleine Krabben schlüpfen. Bis dahin führen einige Weibchen gern eine besonders versteckte Lebensweise und vermeiden Kontakt mit anderen.
Krabbentypisch ist dagegen der breite Brutraum in Form eines halbrunden Bauchsegmentes. An der Form sind auch die Geschlechter zu unterscheiden: Die Männchen tragen ein schmaleres Bauchsegment.

Vampirkrabben werden noch nicht allzu lange im Zoohandel angeboten, daher ist vieles aus ihrem Leben noch relativ unbekannt. Die feuchtwarmen Bedingungen, unter denen die Vampirkrabben gepflegt werden, sagen ihnen offenbar zu, denn die Fortpflanzung der kleinen Krabben geschieht hier von ganz allein. Viele der kleinen Krabben werden erwachsen, sodass von einer erfolgreichen Nachzucht gesprochen werden kann.

Lebensweise und Verhalten

Vampirkrabben gelten als friedlich, denn sie setzen ihre Scheren meist als Werkzeuge und Essbesteck und nicht als Waffen ein, zumindest nicht gegen Artgenossen. Die besonders flinken Zehnfüßer halten sich zwar hauptsächlich in ihrem kleinen Revier auf – sind also sehr ortsgebunden –, dennoch pflegen sie gern direkten Körperkontakt. Oft sitzen sie gemeinsam über- oder nebeneinander zusammen. Obwohl eher dem Land verbunden, verbringen einige Individuen auch gerne Zeit im Wasser. Sie gelten als nachtaktiv, doch gelegentlich heißt es auch, Vampirkrabben seien insbesondere in den frühen Morgenstunden aktiv und gut zu beobachten.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Wie alle Mangrovenkrabben haben auch die kleinen blauen mit dem stechenden Blick ein ausgeprägtes und vielfältiges Sozialverhalten mit vielen individuellen Facetten. Sie kommunizieren mit Klopfzeichen, blitzschneller Gestik und vermutlich auch mit anderen optischen und chemischen Signalen. Allerdings scheinen sie Menschen gegenüber eher schreckhaft zu sein und ziehen sich bei unserer Annäherung schnell zurück. Aber auch Vampirkrabben sind Mangrovenkrabben, also recht intelligent und unerschrocken – zumindest wenn es ums Fressen geht, sind sie zu direktem Kontakt mit uns bereit und nehmen Futter gelegentlich direkt an.

Ernährung

Krabben sind Allesfresser, doch die Vorlieben gegenüber fleischlicher und pflanzlicher Nahrung sind schwankend. Das gilt artübergreifend sowie individuell. Vampirkrabben scheinen offenbar mehr fleischliche Kost zu bevorzugen (carnivor). Sie jagen auch selbst und stürzen sich blitzschnell auf potenzielle Beute. Pflanzliche Kost wird oft angeboten, aber kaum genommen.
Beobachtungen zufolge ziehen sie zur Nahrungssuche nicht durch die Gegend, sondern nehmen eher auf, was sie zufällig finden beziehungsweise ihnen über den Weg läuft. Frostfutter wie Mückenlarve, Cyclops und Gammarus finden großen Anklang, wie auch kleine Fische, Muschelfleisch und Garnelen. Selbst erbeuten können sie Insekten wie Fliegen, Spinnen und Würmer. Da auch sie sich häuten müssen, muss die Kalkversorgung über die Nahrung gesichert sein, wie zum Beispiel durch Auslegen von Sepiaschalen oder Teilen davon. Regelmäßige Vitamingaben vervollständigen die Ernährung.

Haltung

Vampirkrabben brauchen Kontakt zu Artgenossen und wie alle Mitglieder ihrer Familie Platz, um ihre kleinen Territorien zu etablieren. Es ist also immer eine Pflege in Gruppen erforderlich, denn die Weibchen wählen ihre Partner sehr sorgfältig aus, daher sollten sie in der Überzahl sein. 40, besser 60 cm sollte ihr Aquaterrarium schon groß sein. Denn es muss strukturreich eingerichtet sein und, um klettern zu können, gerne auch mit hängenden oder rankenden Pflanzen und Moosen versehen. Obwohl sie Landkrabben sind, scheinen die Vorlieben für Wasser und Land unterschiedlich ausgeprägt. Daher kann der Wasserteil kleiner als der Landbereich ausfallen, sollte aber trotzdem großzügig und leicht für die Knirpse zugänglich sein. Feuchtwarm und ausbruchssicher ist ebenfalls ein Kriterium, auch bei so kleinen Krabben. Da ist umso mehr darauf zu achten, denn aufgrund der geringen Körpergröße ist schnell ein Fluchtweg gefunden.

Hätten Sie’s gewusst?

Eine weitere attraktive kleine Krabbe aus dem Formenkreis der Vampirkrabben ist die Mandarinenkrabbe. Sie macht von sich reden durch ihre auffällig orange Färbung ohne große Farbvariationen. Auch ihre Pflege dürfte derjenigen der Vampirkrabbe ähnlich sein. Bei beiden Arten sind jedoch noch viele geheimnisvolle Schleier zu lüften, was die Beschäftigung mit diesen kleinen Krabblern besonders reizvoll macht.

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