Steckbrief: Australischer Flusskrebs/Yabby | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Australischer Flusskrebs/Yabby

Australische Flusskrebse haben als Speisekrebse weltweit große Bedeutung. Die Aborigines (australische Einheimische) nutzten den Yabby bereits vor 28.000 Jahren. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Aussehen, Nachwuchs, Lebensweise, Ernährung und Haltung des Australischen Flusskrebs/Yabby.
 
© pixabay.com/christianabf (CC0 Public Domain)
Das ist kein Australischer Flusskrebs. Haben Sie welche? Dann schicken Sie uns doch ein Foto!

Typische Merkmale

  • Körperlänge: 15 - 25 cm, Weibchen sind kleiner
  • Lebenserwartung: 4 - 5 Jahre, bei guter Pflege wesentlich mehr
  • Verbreitung: Australien
  • Lebensraum: langsam fließende, trübe und verkrautete Gewässer
  • Lebensweise: zurückhaltend, dämmerungs- und nachtaktiv, meist friedlich
  • pH-Wert: 7,5 bis 9

Systematik

  • Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
  • Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
  • Familie: australische Flusskrebse (Parastacidae)
  • Gattung: Cherax
  • Art: Australischer Flusskrebs (Yabby) (Chearx destructor destructor )

Aussehen und typische Merkmale

Die häufig blauen Krebse – mit oder ohne weiße Musterung – wurden mithilfe des Menschen weit über Australien hinaus als Speisekrebse verbreitet. In Spanien soll sogar bereits eine eigenständige Population existieren. Mit der Zeit wurden auch Aquarianer auf die „Bläulinge“ aufmerksam, und fortan wurden die australischen Flusskrebse als erste exotische Krebse für die Aquaristik importiert. Die intensive blaue Farbe ist unterschiedlich stark ausgeprägt, einige ältere Tiere tragen zusätzlich an den Gelenken kräftige rote Stellen.

Nachwuchs und Aufzucht

Die Nachzucht ist recht einfach, die Aufzuchtaquarien sollten gut eingefahren und nicht steril sein. Bei guten Bedingungen ist eine Vermehrung zwei- bis dreimal jährlich möglich. Eine Geschlechterunterscheidung gelingt erst bei einem Blick auf die Unterseite: Bei den Männchen ist neben den beiden Gonopoden auch der sogenannte Ischiumhaken erkennbar, mit dem sich die Männchen während der Paarung am Bauch des Weibchens befestigen. Das Weibchen produziert ja nach Konstitution 500 bis 1.000 Eier, die es nach der Befruchtung an ihren Hinterleib heftet und diesen anschließend krebstypisch umschlägt. Während der zirka dreiwöchigen Betreuung lebt das Weibchen sehr versteckt und ist sehr störungsanfällig. Die schlüpfenden Laven sind noch mit der Mutter verbunden und benötigen noch zwei weitere Häutungen, um zu kleinen fertigen Flusskrebsen zu werden. Nachdem sie nun nur noch wenige Tage beschützt und geführt werden, gehen sie schließlich ihre eigenen Wege.

Lebensweise und Verhalten

Der Name „destructor“ ist etwas irreführend, denn ein Zerstörer ist der Australische Flusskrebs für gewöhnlich nicht. Ihre Jagdgelüste erschöpfen sich weitgehend in Insektenlarven und Schnecken. Sie sind untereinander friedlich und leben paarweise oder in kleinen Gruppen, solange jeder genug Ausweichmöglichkeiten und ausreichend Futter bekommt. Dann können sie bei entsprechend ausgeprägter Sympathie für den jeweiligen Artgenossen selbst auf kleinem Raum zusammen eine Höhle bewohnen. Andererseits können ältere Männchen gelegentlich zu etwas unverträglichen Einzelgängern werden. Die blauen Krebse leben zwar recht zurückgezogen, lassen sich aber dennoch gut beobachten. In der Dämmerung verlassen sie ihr Tagesversteck oder ihren bevorzugten Sitzplatz und begeben sich auf Nahrungssuche. Australische Flusskrebse sehen sich in ihrer natürlichen Umgebung schon mal mit Austrocknungen oder sinkenden Wasserspiegeln konfrontiert, sie können daher auch ohne Wasser mit feuchten Kiemen eine gewisse Zeit außerhalb des Wassers problemlos überstehen, etwa um andere Gewässer aufzusuchen.

Ernährung

Laub ist für alle Krebstiere unverzichtbar, so auch für die mittelgroßen und robusten  Australier. Sonst können sie mit spezieller Krebsnahrung gefüttert werden. Die Kleinen nehmen auch kleines Frostfutter und gelegentlich Fischflocken. Vitamine und Spurenelemente sollten ebenfalls regelmäßig gegeben werden. Besonders im Hinblick auf eine erfolgreiche Häutung ist eine proteinarme Ernährung sinnvoll, und es muss bedacht werden, dass auch diese Krebse im Grunde nur kleine Mengen fressen und eher auf ständiger Diät leben. Vor einer Häutung wird die Nahrungsaufnahme meist eingestellt.

Haltung

Junge Krebse können bereits zu zweit oder dritt (ein Männchen) in einem Aquarium mit 60 cm Kantenlänge leben, auf Dauer ist aber ein geräumiges Aquarium mit 100 cm Kantenlänge für eine kleine Gruppe der friedlichen Krebse empfehlenswert. Trotz großer Temperaturanpassungen der Tiere von 1 bis 35° C sollte dies nicht dazu verleiten, diese Extreme als Haltungsbedingungen anzusehen. Die optimalen Wohlfühltemperaturen liegen zwischen 20 und 28° C. Der pH-Wert darf recht hoch sein, eine Vergesellschaftung mit Fischen aus diesen Bereichen, wie z. B. Cichliden ist kein Problem. Allerdings sollten keine Schleierformen oder Skalare darunter sein. Viele Lebendgebärende eignen sich ebenfalls als attraktive Mitbewohner.

Der Wasserstand braucht nicht allzu hoch zu sein, die Hygiene sollte nicht steril sein, mit einigen Mulmecken und etwas dämmrigen Verhältnissen fühlen sich die schönen Krebse wohl. Das Wasser muss sauerstoffreich sein, eine gute Filterung ist für die verschwenderisch fressenden Krebse sinnvoll. Belastungen des Wassers müssen durch regelmäßige Wasserwechsel vermieden werden. Besonders auf Kupfer und Pestizide reagieren die sonst so robusten Tiere sehr empfindlich. Pflanzen sollten reichlich vorhanden sein, gelegentlich wird daran geknabbert, aber kaum der Bestand gefährdet. Laub, Wurzeln und Lochsteine bieten die nötigen Versteckmöglichkeiten.

Hätten Sie’s gewusst?

Australische Flusskrebse haben als Speisekrebse weltweit große Bedeutung. Die Aborigines (australische Einheimische) nutzten den Yabby bereits vor 28.000 Jahren. So ist auch der Name ihrer Sprache entnommen und dem Englischen angepasst.


Foto:  pixabay.com  ©  christianabf  (CC0 Public Domain)
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