Steckbrief: Echte Querzahnmolche | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Echte Querzahnmolche

Das mit Abstand bekannteste Tier aus dieser Familie dürfte der Axolotl sein, ein fremdartig anmutender Aquarienbewohner, der ständig im Wasser lebt - eine Lebensweise, die für seine Familie jedoch ganz und gar nicht typisch ist.
 
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Verbreitung

Die Familie der Querzahnmolche wird auch als Breitkopfsalamander bezeichnet. Denn zusammen mit den Echten Salamandern gehören beide zur Überfamilie der Salamanderartigen (Salamandroidae). Um unnötige Verwirrungen zu vermeiden, wird hier der gängige Ausdruck „Querzahnmolche“ benutzt, welcher der Anatomie der Tiere letztlich am nächsten kommt. Die rund 16 Arten sind in einer einzigen Gattung zusammengefasst, die nur auf dem amerikanischen Kontinent vorkommt. Zwei Arten leben in Kanada, sechs in den USA, und die andere Hälfte der Arten teilt sich verschiedene Lebensräume bis in die höheren Lagen Mexikos.

Aussehen und typische Merkmale

Wie der Name bereits erkennen lässt, befinden sich einige der typischen Merkmale der interessanten Tiere im Inneren, genauer gesagt im Maul. Die zwei Reihen runder Zähne sind am oberen Gaumen quer und nicht längs angeordnet. Der Kopf ist daher entsprechend rund geformt. Die Körperlänge der Tiere reicht von wenigen bis zu 30 cm. Der Körper wirkt ebenfalls rund und ist mit vergleichsweise kleinen Beinen ausgestattet. Die Füße enden in kleinen Zehen, manchmal verfügen sie über Schwimmhäute.

Die Haut ist vor Wasserverlust nicht sonderlich geschützt, daher sind alle Familienmitglieder trotz gelegentlicher Aktivitäten an Land auf feuchte Lebensräume angewiesen bzw. stark ans Wasser gebunden. Einige Querzahnmolche sind mehr oder weniger völlig auf dieses beschränkt. Auch Querzahnmolche gehören zu den Amphibien, und diese streifen wie Reptilien und Krebse in bestimmten Abständen ihre Haut ab, um zu wachsen. Allerdings nicht im Ganzen, sondern eher stückweise, was ihnen eine teilweise skurrile Erscheinungsform beschert. Zusätzlich gibt es einige weitere bemerkenswerte Unterschiede in dieser Familie.

Viele Querzahnmolche sehen zwar wie typische Molche aus, mit langen, seitlich flachen Schwänzen und aufgesetzten Augen. Sie entwickeln sich aus einem wasserlebenden Larvenwesen nach einer Metamorphose zum Lungenatmer, ganz ähnlich wie Frösche. Allerdings verlassen manche Querzahnmolche das Wasser nicht nur im Rahmen der Partnersuche, sondern paaren sich auch oft an Land. Sie können bei ungeeigneten Bedingungen abwandern und besiedeln die unterschiedlichsten Süßgewässer. Sie machen dabei auch nicht vor höheren Lagen halt und kommen teilweise sogar in Höhlen oder stark salzhaltigen Bereichen vor.

Doch nicht alle Arten können das Wasser nach Wunsch verlassen, der Axolotl und einige ähnliche Arten verfügen auch im Erwachsenenleben weiterhin über Kiemen, um zu atmen. Das bedeutet, sie können nur dem Wasser Sauerstoff entziehen, außerhalb würde dieses Atmungssystem kollabieren.

Lebensweise und Nahrungsgewohnheiten

Querzahnmolche und andere Salamanderartige sind nicht unbedingt strenge Einzelgänger, führen jedoch ihr Leben weitgehend für sich. Bis auf die Paarungszeit tolerieren sie zumeist ihre Artgenossen, sind aber keine sozialen Gruppentiere. Ihr Sozialverhalten im Erwachsenenalter ist natürlich im Rahmen der Fortpflanzung entsprechend intensiver, teilweise stark ritualisiert und sehr interessant. Bei Arten der gemäßigten Breiten oder gar in kühleren Regionen wie Kanada ist der gesamte Lebenszyklus auf die Jahreszeiten ausgerichtet.

Alle Mitglieder der Salamanderartigen sind räuberisch, das heißt, sie leben carnivor. Je nach Art sind dies Insektenlarven, Kleinkrebschen, Schnecken, kleine Frösche oder Fische. Meist wird das Maul recht voll genommen – Hauptsache, das Ganze ist irgendwie reinzukriegen, notfalls auch etappenweise. Querzahnmolche halten sich – wie es sich für die Familie gehört – meist im Verborgenen auf und ergreifen ihre Beute überfallartig. Viele von ihnen führen ein bodennahes Leben im Wasser und gehen selten, einige gar nicht an Land.

Fortpflanzung

Während der Paarung gibt das Männchen Spermienpakete an das Weibchen ab, mit deren Hilfe die Eier im Innern befruchtet werden. Viele Querzahnmolche und andere verwandte Arten tun dies an Land. Das Männchen legt ein klebriges Spermienpaket am Boden ab und führt seine Partnerin unter ritualisierten Bewegungen darüber hinweg, sodass das Paket am Weibchen hängen bleibt. Die Eier werden dann nach der Befruchtung unter feuchten oder nassen Bedingungen bzw. im Wasser abgelegt.

Die daraus schlüpfenden Larven verfügen über Kiemen und können nur im Wasser existieren. Wie Frösche auch, durchlaufen sie mehrere Entwicklungsschritte. Allerdings umgekehrt wie bei Fröschen erscheinen bei den (künftigen) Molchen die Vorderfüße zuerst, erst anschließend kommen die hinteren Gliedmaßen dazu. Nach einer weiteren, tiefgreifenden Umwandlung (Metamorphose) entwickeln sich die Kiemen zurück und Lungen entstehen – auch wenn die Tiere fortan ihre Zeit zumeist im Wasser verbringen.

Neotonie

Arten, zu denen auch der Axolotl gehört, werden im Grunde nie erwachsen. Bei ihnen findet man das Phänomen der Neotonie, das übrigens bei vielen Schwanzlurchen verbreitet ist. Neotonie bezeichnet die Geschlechtsreife noch im Larvenstadium: Der Axolotl hat immer Kiemen, wie die Büschel im Nacken deutlich erkennen lassen. Er durchläuft also keine Metamorphose, wird aber dennoch geschlechtsreif und pflanzt sich fort. Dies ist auf einen angeborenen Schilddrüsendefekt zurückzuführen. Führt man dem Wasser die entsprechenden Substanzen zu und unterzieht das Tier außerdem einer Hormonbehandlung, kann auch der Axolotl Lungen bekommen und sogar das Wasser verlassen. Die Tiere werden dann nach vier bis fünf Jahren geschlechtsreif. Aber falls niemand diese Aufgabe übernimmt, kann er auch problemlos in diesem Larvenstadium geschlechtsreif werden und sich in seinem angestammten Wasser fortpflanzen.

Eine weitere verwandte Art des Axolotls hat diese faszinierende Möglichkeit nicht. Der europäische Grottenolm lebt ebenfalls dauerhaft im Larvenstadium, auch bei ihm kommt es zu keiner abschließenden Metamorphose. Zwar aus demselben Grund wie beim Axolotl, allerdings hilft es nichts, seinem Lebensraum die fehlende Substanz zuzuführen: Er bleibt immer ein blinder Höhlenbewohner mit einem unglaublich fein entwickelten Tastsinn, der auf Kiemenatmung angewiesen ist. Es würde auch kaum Sinn machen, denn sein Tastsinn und alle anderen Sinnesorgane sind auf ein Dasein in völliger Dunkelheit ausgerichtet, er würde vermutlich an Land außerhalb seines angestammten Lebensraumes nicht zurechtkommen. (Annette Berkelmann)

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