Steckbrief Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte

Die eleganten Schwimmer werden in Aquaterrarien mit einem Wasserstand von mindestens 35 cm gepflegt. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu typischen Merkmalen, Nachwuchs, Lebensweise, Ernährung und Haltung der Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Die Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte war eine der zuerst in Gefangenschaft vermehrten Schlangenhalsschildkröten.

Typische Merkmale

  • Körperlänge: Panzerlänge bis 28 cm, meist kleiner
  • Lebenserwartung: 40 - 60 Jahre
  • Verbreitung: südöstl. Australien bis Queensland
  • Lebensraum: Sümpfe und Flussläufe
  • Lebensweise: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Testudines (Schildkröten), Unterordnung: Pleurodira (Halswender-Schildkröten)
  • Familie: Chelidae (Schlangenhalsschildkröten)
  • Gattung: Chelodina (Australische Schlangenhalsschildkröten)
  • Art: Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte (Chelodina longicollis)

Aussehen

Die Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte weist einen flachen Panzer auf, dessen hintere Schilder leicht aufgeschwungen sind. Die Färbung des Rückenpanzers schwankt zwischen Schwarz und Gelblichbraun, der kleine Bauchpanzer ist von hellbrauner Farbe, wobei die Ränder der einzelnen Schilder schwarz sind. Die Weichteile sind braun bis grauschwarz. Der kleine Kopf sitzt auf einem panzerlangen, schmalen Hals. Kopf und Hals zusammen erreichen 65 Prozent der Panzerlänge. Zwischen den fünf Zehen befinden sich deutliche Schwimmhäute, nur die inneren vier haben Krallen. Männchen bleiben etwas kleiner und sind durch den längeren und an der Basis breiteren Schwanz sowie durch den schwach konkaven Bauchpanzer von den Weibchen zu unterscheiden.

Nachwuchs und Aufzucht

Eine Ruhephase im Winter bzw. eine Überwinterung hat sich für die Vermehrung als positiv bis notwendig herausgestellt. Im Herbst erfolgen bereits die Paarungen. Dabei nähert sich das Männchen dem Weibchen von hinten und versucht, oft ohne vorherige Balz, aufzureiten. Mit den Vorderbeinen berührt das Männchen das Weibchen im Bereich des vorderen Rückenpanzers, bis es das Schwimmen verlangsamt. Die Eiablage erfolgt im Frühjahr. Ein Gelege kann aus sechs bis 24 Eiern (durchschnittlich 17,5 bis 19 mal 29 bis 35 mm) bestehen. Innerhalb von 30 bis 60 Tagen kann ein zweites Gelege abgesetzt werden. Die hartschaligen Eier werden in Perlite, Vermiculit oder Sand bei 27 bis 30° C und schwacher Nachtabsenkung (Luftfeuchte nahezu 100 Prozent) in einem Inkubator bebrütet. Nach 65 bis 78 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie werden in Gruppen gemeinsam aufgezogen, wobei die Wassertemperatur bei 25° C liegen sollte.

Lebensweise und Verhalten

Die Tiere leben in langsam fließenden oder stehenden Gewässern wie Sümpfen oder Tümpeln. Die geschickten Schwimmer nehmen regelmäßige Sonnenbäder. Sie fressen bevorzugt tote sowie lebende Fische, Krebse und Mollusken, die sie geschickt durch das unvermittelte Aufreißen des Maules einsaugen. Anschließend wird das dabei aufgenommene Wasser wieder ausgespieen. Die tagaktiven Schlangenhalsschildkröten halten keine Sommerruhe, in den kälteren Teilen ihrer Verbreitung allerdings eine Winterruhe. Die Weibchen sind in der Auswahl des Ablageplatzes ihrer Eier sehr wählerisch, und so kann dieser sich bis zu 90 m vom Gewässer entfernt befinden. Dabei wird die Nestgrube bis zu 60 cm tief ausgehoben. Wanderungen über Land bis zu 500 Meter weit sind bekannt.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Seh- und Geruchsvermögen sind gut ausgebildet und helfen bei der Jagd nach Fischen und Krebsen sowie beim Auffinden der Geschlechtspartner. Daher sind sie erfolgreiche Jäger, nehmen aber ebenso gerne Aas zu sich. Trotz der sorgfältigen Auswahl des Eiablageplatzes scheinen die Weibchen beim Zuschieben der Nestgrube nicht immer vorsichtig zu sein, denn häufig sind einige Eier des Geleges beschädigt.

Ernährung

Tierische Kost stellt den Hauptanteil der Nahrung. Dazu gehören neben lebenden Fischen, die sie geschickt jagen, Fischfilets oder -streifen sowie ganze tote Regenwürmer und verschiedene Insekten. Aufgetautes Frostfutter sollte gut mit vitaminisierten Mineralpräparaten angereichert werden. Das Fressen von geringen Teilen vegetarischer Nahrung findet immer wieder Erwähnung, trifft aber eventuell nur auf einzelne Exemplare zu. Jungtiere fressen in den ersten Lebensmonaten oft nur lebendes Futter.

Haltung

Die eleganten Schwimmer werden in Aquaterrarien mit einem Wasserstand von mindestens 35 cm gepflegt. Da sie äußerst verträglich sind, können sie als Gruppe mit mehreren Männchen und Weibchen zusammen gehalten werden. Ein ausreichend großer Landteil darf nicht fehlen, sinnvollerweise sollte er von den Schildkröten unterschwommen werden können. Ein Wärmespot bietet partiell 35 bis 40° C an, damit sich die Tiere trocknen und sonnen können. Zwischen Frühjahr und Herbst sollte die Wassertemperatur zwischen 25 und 28° C liegen. Eine Überwinterung erfolgt bei etwa 15° C und abgeschalteten Strahlern. Eine Pflege im Freiland ist in den Sommermonaten möglich, denn Glattrücken-Schlangenhalsschildkröten sind bei zeitweilig kühleren Wassertemperaturen nicht sehr empfindlich.

Hätten Sie`s gewusst?

Die Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte war eine der zuerst in Gefangenschaft vermehrten Schlangenhalsschildkröten. Heutzutage werden daher nur in menschlicher Obhut geschlüpfte Exemplare angeboten.

Lesenswerte Links

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren