Steckbrief Südliche Zierschildkröte | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief Südliche Zierschildkröte

Durch die geringe Endgröße ist die Südliche Zierschildkröte ein für den Wohnraum geeigneter Pflegling. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu typischen Merkmalen, Nachwuchs, Lebensweise, Ernährung und Haltung der Südlichen Zierschildkröte.
 
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Typische Merkmale

  • Körperlänge: Panzerlänge: 9 - 14 cm
  • Lebenserwartung: über 40 Jahre
  • Verbreitung: südliche USA
  • Lebensraum: stehende oder nicht zu schnell fließende Gewässer
  • Lebensweise: gesellig, sonnt sich selten
  • Artbestand: geschützt nach EU-Artenschutzverordnung, Anhang B

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Testudines (Schildkröten), Unterordnung: Cryptodira (Halsberger-Schildkröten)
  • Familie: Emydidae (Sumpfschildkröten)
  • Gattung: Chrysemys (Zierschildkröten)
  • Art: Südliche Zierschildkröte (Chrysemys picta dorsalis)

Aussehen


Der flache Panzer ist von oben betrachtet oval und glatt. Verschiedene Farbformen aus den Bereichen Braun, Grau und Grün sind möglich, allen Tieren ist der orange-gelbe Streifen längs der Panzermitte gemein. Die Nähte der einzelnen Panzerplatten des Rückenpanzers sind versetzt zueinander angeordnet. Da es sich bei dieser Art um eine (die kleinste) von vier Unterarten handelt, sollten sowohl der helle Rückenstreifen als auch der zeichnungslose, weiß-gelbe Bauchpanzer vorhanden sein, damit wir es nicht mit den größeren Unterarten oder sogar Bastarden zu tun haben. Die Hinterfüße sind mit kräftigen Schwimmhäuten versehen.
Folgende Unterarten gibt es: Chrysemys picta picta (Nördliche Zierschildkröte), Chrysemys picta bellii (Westliche Zierschildkröte), Chrysemys picta dorsalis (Südliche Zierschildkröte), Chrysemys picta marginata (Gebänderte Zierschildkröte).

Nachwuchs und Aufzucht

Tiere beider Geschlechter sind relativ klar voneinander zu unterscheiden. Während die Weibchen im Durchschnitt eine Panzerlänge von 12 cm erreichen, bleiben die Männchen deutlich kleiner. Weiterhin ist ihr Schwanz länger und dicker, und sie besitzen extrem verlängerte Vorderkrallen. Diese dürfen keinesfalls beschnitten werden, da sie bei der Balz in fächelnden Bewegungen eingesetzt werden, um das Weibchen zu beeindrucken. Daneben versuchen fast alle Männchen, sich bei der Paarung in den Hals des Weibchens zu verbeißen (dies verläuft stets im Wasser). War die Paarung erfolgreich, wird das Weibchen nach ca. 35 Tagen versuchen, die Eier an einer geeigneten Stelle zu vergraben. Wichtig ist es, den Ablageplatz in verschiedene Temperaturzonen zu unterteilen, hierzu bieten sich Heizkabel oder -matten an. Als Substrat hat sich feuchter, nicht tropfnasser Sand bewährt. Beim Überführen der Eier ist äußerste Vorsicht geboten, ein Markieren der Oberseite der Eier, um sie beim Umbetten nicht versehentlich zu drehen, hat sich bewährt. Bei einer Luftfeuchte von 95 Prozent und Temperaturen von 25 bis 30° C schlüpfen die Babys nach durchschnittlich 60 Tagen und verharren so lange im geöffneten Ei, bis der Dottersack restlos absorbiert ist. Die Aufzucht der Jungen erfolgt in kleineren Gefäßen mit relativ flachem Wasserstand. Dieser muss so bemessen sein, das ein umgefallenes Tier sich wieder umdrehen kann. Ein leicht erreichbarer Sonnplatz unter einem Strahler ist ebenso wichtig wie Verstecke unter Wasser. Hierfür eignen sich schwimmende Korkstücke, unter denen die Tiere Deckung finden, sie aber auch als schwimmende Inseln nutzen können. Bei jedem Wasserwechsel wird die Füllhöhe etwas angehoben.

Lebensweise und Verhalten

Nach Tagesanbruch suchen sich Zierschildkröten einen Sonnenplatz, um ihre Aktivitätstemperatur zu erreichen, danach wird mit der Nahrungssuche begonnen. Je kälter das Wasser ist, desto öfter werden Sonn-Phasen eingelegt. An geeigneten Plätzen sammeln sich Dutzende von Schildkröten, hier findet man oft ein Sammelsurium aller in diesem Habitat vorkommenden Arten. In der kälteren Jahreszeit wird eine Winterruhe teils unter Wasser, teils an Land durchgeführt. Bei Anzeichen von Gefahr, auch bei nicht realer, wie dem Überflug eines großen Vogels, lassen sich die Tiere blitzartig ins Wasser fallen, um dann in einiger Entfernung wieder aufzutauchen.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Das Gehör kann bei allen Schildkröten als Sinnesorgan vernachlässigt werden. Gesichtssinn und vor allem der Geruch spielen eine große Rolle. So wird nicht nur Nahrung gefunden, sondern die Weibchen werden, selbst wenn sie außer Sicht sind, eindeutig über den Geruch von den Männchen aufgespürt. Die Stimme spielt in Stresssituationen eine große Rolle; so wird von nicht paarungswilligen Weibchen ein Zischen oder Fauchen ausgestoßen. Dieses Geräusch lassen die Tiere auch dann hören, wenn sie unvermutet ergriffen werden. Das oben erwähnte Fächeln oder Wedeln mit den Vorderextremitäten spielt auch in der Rangordnung eine Rolle, es wurde schon vielfach bei Weibchen untereinander beobachtet.

Ernährung

Südliche Zierschildkröten sind omnivor (allesfressend), geben allerdings tierischer Nahrung bei freier Wahlmöglichkeit eindeutig den Vorzug. Der Anteil der vegetarischen Kost schwankt nach Populationsvorkommen und Jahreszeit. In Menschenobhut kommt eine Vielzahl an Futterangeboten in Betracht, von Algen, Wasserpflanzen, verschiedenen Gemüsesorten und Obst über Fisch (nur aus Süßwasser!), Insekten, Würmer, Tubifex und Fertigfutter jeglicher Coleur bis hin zu Fleisch und (natürlich aufgetauten) Futternagern. Jungtiere scheinen die Aufnahme von Trockenfutter erst lernen zu müssen. Als kleinen Kniff kann man beispielsweise getrocknete Bachflohkrebse (Gammarus), die an der Oberfläche schwimmen, durch kleine Zierfische wie Guppies „lebendig“ erscheinen lassen.

Haltung

Durch die geringe Endgröße ist die Südliche Zierschildkröte ein für den Wohnraum geeigneter Pflegling. Für zwei bis drei Weibchen ist ein Aquaterrarium mit den Grundmaßen 120 x 70 cm ausreichend. Aufgrund der ständigen Paarungswilligkeit der Männchen kann man diese keinesfalls permanent mit ihren Partnerinnen zusammen halten. Ein Becken für ein einzelnes Männchen sollte 80 x 50 cm messen. Wichtig sind verschiedene Wassertiefen und ein fest installierter Sonnenplatz, auf dem ca. 45° C vorherrschen sollten. Auch eine vernünftige UVB-Bestrahlung muss wie ein (manchmal nur temporär angebotener) Eiablageplatz vorhanden sein. Eine undabdingbare Grundregel in der Wasserschildkrötenhaltung ist die Tatsache, dass die Lufttemperatur immer höher sein muss als die des Wassers, da sonst Erkältungen drohen. Eine gute Filteranlage hilft sehr bei der Haltung von Tieren, die sich im Wasser entleeren, aber auch bei klar scheinendem Wasser muss wöchentlich ein Teil gewechselt werden. Der Filter entfernt nur die Schwebteilchen, nicht aber die Nitrate aus den Fäkalien, sodass die Haut und Gesundheit der Schildkröten gefährdet ist, wenn wir nicht stetig sauberes Wasser nachfüllen. Weil unsere Art deutlich weiter südlich vorkommt als viele andere nordamerikanische Wasserschildkröten, müssen bei der Freilandhaltung Klima und vor allem Sonnenscheindauer (je nach Lage) ins Kalkül gezogen werden. Keinesfalls kann die Südliche Zierschildkröte unter unseren Bedingungen im Freien überwintert werden. Schutz gegen Entweichen und vor Fressfeinden muss geboten werden.

Hätten Sie`s gewusst?

Bei einer anderen Unterart der Zierschildkröte, der Westlichen Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii), kommt es nicht selten vor, dass zu spät geschlüpfte Jungtiere bei Minusgraden im Nest überwintern. Der Großteil dieser „gefrorenen“ Tiere scheint dies zu überleben.

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