Weidehaltung von Eseln | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Weidehaltung von Eseln

Eine saftige Weide mit frischen Gräsern ist für einen Esel nicht immer ideal, da die reichhaltige Nahrung schnell zu Übergesicht führt. Besser ist ein Wiese, auf der Disteln, Kräuter und anderes rohfaserhaltiges Futter wächst.
 
Weidehaltung von Eseln © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Stehen Esel längere Zeit auf feuchtem Untergrund, so kommt es zu Hufschäden wie etwa der Strahlfäule.
Ursprünglich leben Esel in heißen, trockenen Wüstengebieten mit spärlicher Vegetation. Ihr Verdauungssystem ist darauf ausgelegt, mit kärglichster Nahrung den Stoffwechselbedarf zu decken. So wird schnell klar, dass in unseren Breiten mit frisch-saftigen Weiden und teils lang anhaltend nasskaltem Wetter die Haltungsbedingungen für Esel nicht immer optimal sind.

Geeignete Weideflächen

Eine frische, satt mit Klee und Gräsern bewachsene Weide führt bei Eseln leicht zu Übergewicht (hierzulande leiden weit mehr Esel an Über- als an Unterernährung!) und dadurch bedingten Leberschäden und Huferkrankungen. Besser ist eine Wiese, auf der auch gerne Disteln, Kräuter, Kamille und anderes rohfaserhaltiges Futter stehen dürfen. Geeignet für Esel ist aber auch eine bereits einmal gemähte Wiese oder eine zuvor von Rindern abgegraste Weide. Flächenmäßig rechnet man etwa 0,5 Hektar (= 5000 m²) Weidefläche pro Esel und Jahr, um den Futterbedarf zu decken. Davon müssen den Tieren mindestens 500 Quadratmeter Wiese( für maximal fünf bis neun adulte Esel) ständig zur Verfügung stehen. Größere Flächen werden entsprechend unterteilt, so kann in den nicht genutzten Bereichen der Aufwuchs nachwachsen, und auch morastig getretene Bereiche können abtrocknen und sich erholen. Eine Entmistung der Weide in regelmäßigen Abständen empfiehlt sich auch zur Bekämpfung von Parasiten.

Witterungsschutz

Stehen Esel längere Zeit auf feuchtem Untergrund, so kommt es zu Hufschäden wie etwa der Strahlfäule. Es ist also dafür zu sorgen, dass die Tiere jederzeit trockenen Untergrund aufsuchen können (etwa befestigte Flächen innerhalb der Weide oder vor dem Stall oder Witterungsschutz). Auch der Futterplatz sollte überdacht und trocken sein, denn das Fell von Eseln durchnässt sehr leicht. Auch Frost und Kälte wird von Eseln nicht so gut vertragen. Für die ganzjährige Weidehaltung muss den Tieren ständiger Zugang zu einem zugfreien, winddichten Witterungsschutz oder Stall auf bzw. an der Weide gewährt werden. Hier ist für einen trockenen Untergrund zu sorgen, auf dem sich alle zusammen gehaltenen Esel (oder andere vergesellschaftete Tiere) gleichzeitig ablegen und auch ausweichen können. Als Richtwert gilt eine Mindestfläche von der 2fachen Widerristhöhe zum Quadrat pro Esel (Beispiel: ein 120 Zentimeter großer Esel benötigt 2,4 x 2,4 = 5,76 Quadratmeter), mindestens jedoch fünf Quadratmeter pro Esel. Die lichte Höhe des Stalles muss mindestens der doppelten Widerristhöhe des größten gehaltenen Esels entsprechen. Als Einstreu kommen Stroh oder auch Holzspäne in Betracht. Eine regelmäßige Entmistung ist auch hier zur Vermeidung von Parasiten und Krankheiten notwendig. Damit alle Tiere der Herde jederzeit Zugang zum Stall haben, sollten mindestens zwei Eingänge vorhanden sein, da sonst ein ranghohes Tier anderen den Weg versperren kann.

Der Wasserbedarf

Ständiger Zugang zu Trinkwasser auf der Weide ist selbstverständlich. Sofern fließende Gewässer von ausreichender Qualität (evt. Wasseranalyse durchführen lassen) vorhanden sind, können Esel daran gewöhnt werden. Da sich an solchen Naturtränken schnell morastige Randbereiche bilden, die für den empfindlichen Eselhuf extrem schädlich sind, sollte aber anderen Tränkeeinrichtungen, wie etwa Wasserfässern mit Selbsttränke, der Vorzug gegeben werden. Diese müssen täglich auf Funktionalität und Sauberkeit überprüft werden. Der Wasserbedarf wird je nach Leistung und Außentemperatur mit acht bis zehn Litern je 100 Kilogramm Körpergewicht pro Tier berechnet.

Geeignete Umzäunung

Der Einfriedung einer Weide für Esel gebührt besonderes Augenmerk. Esel sind wahre Ausbruchkünstler, selbst Dornenhecken stellen für sie kein Hindernis dar. Holzzäune werden gerne benagt oder als Scheuerbalken genutzt, bis sie eines Tages umknicken. Empfehlenswert ist eine Einzäunung mittels breiter Elektrobänder mit mindestens 2.000, aber höchstens 10.000 Volt Spannung. Je nachdem, welche anderen Tiere noch auf der Weide gehalten werden, können auch andere Zaunarten zum Einsatz kommen, die aber entsprechend eselsicher zu machen sind. (Heike Pankatz)

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