Zucht von Groß- und Wassergeflügel | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Zucht von Groß- und Wassergeflügel

Gänse, Enten, Puten und Perlhühner lassen sich hervorragend zur Zucht einsetzen, wenn man die individuellen Bedürfnisse der Tiere bei ihrer Haltung berücksichtigt.
 
Zucht von Groß- und Wassergeflügel © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Kann Groß- und Wassergeflügel gezüchtet werden?

Gänse

Zu Beginn der Zuchtperiode ist bei Gänsen eine künstliche Beleuchtung zweckmäßig, Die Fütterung des Zuchtstammes besteht als Legefutter aus 15  Prozent Kleie, 65  Prozent Getreideschrot, 5 Prozent Soja, 10 Prozent Eiweißkonzentrat, 2 Prozent Futterhefe und 3 Prozent Mineralstoffgemisch. Das Anpaarungsverhältnis besteht bei leichten Rassen 1:6 bis 7, bei mittelschweren Rassen 1:5 bis 6 und bei schweren Rassen 1:3 bis 4.

Die Wahl der Paare

Die Zuchtgans sollte mindestens 2 Jahre, der Ganter 2 bis 4 Jahre alt sein. Paarungsmöglichkeiten auf dem Wasser erhöhen die Befruchtungsrate der Bruteier. Um eine gute Zuchtkondition zu erhalten, werden die Gänse ausreichend mit Vitamin E versorgt. Die zur Brut verwendeten Eier müssen durch Sauberkeit, Größe, Form und Schalenbeschaffenheit den Anforderungen sowohl der natürlichen, als auch der künstlichen Brut entsprechen. Für die Aufbewahrung der Bruteier ist eine Umgebungstemperatur unter 20  Grad, niemals jedoch unter 8 Grad erforderlich. Bis zu 4 Wochen können richtig gelagerte Gänseeier ihre Brutfähigkeit behalten, die relative Luftfeuchtigkeit im Aufbewahrungsraum muss aber 80 bis 88 Prozent betragen.

Brütet die Gans selbst, so kann sie ihre 12 bis 15 Eier bedecken und in 28 bis 32 Tage ausbrüten. Meistens führen die Gänsemütter ihre Küken sicher, d.h. sie kümmert sich selbst ausreichend um den Nachwuchs, so dass der Mensch sich nicht einschalten muss. Bei der Kunstbrut muss in der Vorbrutphase eine relative Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 Prozent gegeben sein. Dreimaliges Wenden pro Tag ist erforderlich. Bei der künstlichen Aufzucht benötigen die Gössel bis zum 3. Lebensmonat (für 8 Gössel) vom 1. Monat bis 1 Quadratmeter, 2, Monat bis 2 Quadratmeter, 3. Monat bis 8 Quadratmeter. Die Temperatur im Aufzuchtraum ist vom ersten Tag mit 26 Grad, bis zum 21. Tag auf 18 Grad zu senken. Neben eiweißhaltigem Pelletfutter nehmen die Küken schon vom 3. Tag an zerschnittenes Grünfutter auf und benötigen eine ständige, saubere Tränke.

Enten

Relativ sichere Selbstbrüter unter den Entenrassen sind Hochbrutflug-, Zwerg- und Smaragdenten. Natürliche Brut ist aber auch mit Hühnerglucken möglich, wenn sie 6 bis 8 Enteneier pro Gelege ausbrüten. Allerdings beträgt die Inkubationszeit bei Enten 28 Tage, so dass nicht selten die Hühnerglucke nach 22 Tagen die angebrüteten Eier verlässt, die dann erkalten und nicht schlüpfen können. Legt man solche Eier in einen Brutapparat, schlüpfen die Küken ohne Probleme. Zu beachten ist, dass die Brutzeit bei Warzlenten 35 Tage beträgt.

Sitzt eine Brutente fest, sollte sie möglichst nicht gestört werden. Sie verlässt aber zur Futter- und Wasseraufnahme regelmäßig das Nest, wobei die Eier naturgemäß abkühlen.Das durch Baden angefeuchtete Gefieder ist ebenfalls kein Problem, sondern trägt zur Befeuchtung und damit zur Schlupffähigkeit der Eier bei. Bei der Kunstbrut beträgt die Bruttemperatur vom 1. bis 24. Tag 37 ,6 bis 37,8 ° C. In der Schlupfphase nach dem 24. Tag soll die Temperatur um 0,3 Grad abgesenkt werden. Bis zum 20. Tag beträgt im Ideal die Luftfeuchtigkeit 50 bis 60 Prozent, danach bis zum Schlupf 75 bis 80 Prozent. Führt die Mutterente die Küken zuverlässig, ist nur für ausreichend Aufzuchtfutter und Schutz vor Beutegreifern (Marder, Iltis, Wiesel , Katzen, Ratten usw, ) zu sorgen. Zwar gehen die wenige Stunden alten Küken schon ins Wasser, sie müssen aber vor Unterkühlung geschützt werden. Das typische Badeverhalten zeigen die Jungenten erst im Alter von 10 bis14 Tagen. Nach der 10, Legewoche löst sich dann die Mutterfamilie auf.

Bei der künstlichen Aufzucht müssen die Küken in einem trockenen und zugluftfreien Abteil mit reichlich Einstreu untergebracht werden, der von der Futter- und Tränkestelle etwas getrennt ist, damit der Bodengrund nicht zu schnell durch Spritzwasser verschmutzt. Ausreichendes Licht ist für die Raumorientierung und die Wachstumsbeschleunigung der Küken erforderlich. In den ersten Tagen verabreicht man das Futter auf Futterbrettern mit erhöhtem Rand, bevor dann Tröge aufgestellt werden. Durch die Zunahme des Körpergewichtes bis zur vierten Lebenswoche um das Zwanzigfache. Bei der künstlichen Aufzuchtbenötigen Entenküken ein hochwertiges Alleinfutter in Pelletform, dessen Presslinge aber nicht mehr als 3 mm Durchmesser haben dürfen. Zusatzfütterung in Form von gekochtem Reis, Gersten- und Maisschrot, altbackenes Weißbrot in Magermilch oder Molke eingeweicht, Weizenkleie, gedämpften Kartoffeln, feingehacktes Grünzeug, Wasserlinsen, dicksaure Milch, Quark und ab der 3. Woche kleine Getreidekörner sorgen für Abwechslung.

Puten

Putenzucht kann im Verhältnis von 1 Hahn mit bis zu 20 Hennen, betrieben werden. Die Verpaarung von 1:10 oder 1:15 sichert jedoch bessere Befruchtungsraten. Die Zuchtstämme werden im Dezember zusammengestellt. Der Legebeginn liegt ohne künstliches Lichtprogramm- im Februar/März. Die durchschnittliche Befruchtungsrate liegt bei ca. 80 Prozent. Die Naturbrut entspricht dem gut erhaltenen, natürlichen Bruttrieb der Henne.  Zur Förderung der Brutlust kann die Henne in einem zunächst verschlossenen Brutnest auf vorgewärmte Eier gesetzt und regelmäßig gefüttert und getränkt werden. Die Gelegegröße sollte nicht mehr als 15 Eier umfassen. Die Brutzeit beträgt 27 - 29 Tage. Die Putenglucke führt danach sicher ihre Küken. Bei der Kunstbrut sind folgende Temperaturverhältnisse zu beachten: Vorbrutphase: 1. - 24 . Tag, Temperatur 37, 5 Grad, relative Luftfeuchtigkeit 5 - 55 Prozent, tägliches Wenden mindesten 3 mal. Kühlung vom 15 . bis 18, Tag täglich für die Dauer von 5 Minuten, 19 . bis 24. Bruttag - 10 Minuten. Während der Schlupfbrutphase: Temperatur 37,2 Grad, Luftfeuchtigkeit 80 bis 85 Prozent. Bei der künstlichen Aufzucht ohne Putenglucke muss die Temperatur in den ersten Tagen 35 bis 37 Grad betragen. Pro Woche kann dann die Temperatur um1,5 bis 3 Grad abgesenkt werden.

Perlhühner

Perlhuhnzucht beginnt mit der Zusammenstellung der Zuchtstämme, ähnlich wie bei Hühnern. Dem Hahn können bis zu 5 Hennen zugesellt werden. Diese beginnen regulär im April mit der Legetätigkeit, die sich meistens ohne Unterbrechung bis in den Herbst hinein fortsetzt. Dann kann eine Eizahl von 80 bis 100 pro Henne zusammenkommen. Im Freilauf leben die Hennen oft unter Büschen oder an versteckten Plätzen außerhalb des Stalles, so dass die Nester täglich entleert werden müssen, um Bruteier zu sammeln. Nur selten brütet die Henne selbst, Manchmal bevorzugt der Hahn einzelne Hennen, so dass dann nicht alle Eier befruchtet sind. Das entspricht der ursprünglich monogamen Veranlagung der Wildform. Zur Kunstbrut verwende man möglichst frische, unbeschädigte Eier, die während der Aufbewahrung kühl gelegen haben und täglich mindestens einmal um die eigene Achse gedreht worden sind. Die Brutzeit beträgt durchschnittlich 27 Tage.

Die frischgeschlüpften Küken sind anfangs etwas empfindlich gegen Nässe und Kälte. Sie benötigen in der ersten Woche eine Temperatur von 34 Grad unter der Wärmequelle. Nach 4 Wochen kann diese auf 20 Grad abgesenkt werden. Die natürliche Brut und Aufzucht durch Perlhennen oder Hühnerglucken bedarf der sorgfältigen Unterbringung in einem geschützten, kleineren Auslauf mit trockenem Schutzraum. Nach dem Schlupf bleiben Küken in solcher Aufzucht 24 Stunden nach dem Schlüpfen unter der Glucke, ohne Futter zu erhalten. Nach 15 bis 20 Tagen können sie dann mit der Bruthenne ins Freie. Während der Aufzucht ist die Verabreichung von Mehlwurmlarven und getrockneten Insekten wachstumsfördernd. (Dr. Horst Schmidt)

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