Gesundheit von Kamelen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Gesundheit von Kamelen

Kamele gehören zwar zu den Huftieren, haben aber gar keine Hufe – oder doch? Nicht nur Kontrolle und Pflege der Finger- und Zehenglieder, sondern auch Zahnpflege ist bei Kamelen wichtig.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Normalerweise sind Lamas und Alpakas sehr widerstandsfähig und wenig krankheitsanfällig.

Was ist ein Schwielensohler? 

Das, was bei uns Menschen Mittel- und Ringfinger bzw. mittlerer und vierter Zeh sind, hat sich bei den Paarhufern zu tragenden Gliedern ausgebildet, auf denen das ganze Körpergewicht ruht. Daumen bzw. dicke Zehen fehlen diesen Tieren völlig. Die übrigen jeweils zwei Finger und Zehen sind entweder stark zurückgebildet (z.B. bei Schweinen, Rindern und Schafen) oder ganz verschwunden (bei Kamelen und Giraffen). Nahezu alle heute lebenden Huftiere sind sogenannte Zehenspitzengänger, das heißt sie fußen nur auf den Spitzen der letzten Finger- bzw. Zehenglieder, welche rundherum von Huf umkleidet sind.

Die Kamele dagegen, welche zu den Paarhufern gehören, treten mit den Sohlenflächen der beiden letzten Finger- bzw. Zehenglieder auf. Dabei sitzen die nagelartigen, kleinen Hufe vorne an den Füßen, und die auftretenden Sohlenflächen sind mit dicken, federnden Schwielen gepolstert. Je nach Bodenbeschaffenheit des Haltungssystems nutzen sich die Hufe nicht ausreichend ab und müssen dann etwa alle zwei bis drei Monate beschnitten werden. Fußsohle und Hufe sollen flächig auf dem Boden fußen. Eine regelmäßige Kontrolle ist daher wichtig. Jungtiere sollten frühzeitig an die Hufpflege gewöhnt werden.

Zahnpflege muss sein

Erwachsene Kamele haben oben keine mittleren Schneidezähne, sondern eine feste Gaumenplatte. Die unteren sechs Schneidezähne stehen schräg nach vorne und rupfen zusammen mit der äußerst beweglichen, geteilten Oberlippe das Futter. Beim Vikunja haben diese unteren Schneidezähne offene Wurzeln und wachsen ständig nach. Unter natürlichen Bedingungen nutzen sich die Zähne bei der Futteraufnahme dauernd ab, bei Tieren in Gefangenschaft muss der Abrieb, vor allem bei Zahnfehlstellungen, kontrolliert und gegebenenfalls mit speziellen Zahnraspeln korrigiert werden.

Werden Kleinkamele krank?

Normalerweise sind Lamas und Alpakas sehr widerstandsfähig und wenig krankheitsanfällig. Da sie jedoch oft von Darmparasiten befallen werden, sollte jedes Tier zwei- bis viermal jährlich mit entsprechenden Präparaten (evtl. nach vorheriger Kotuntersuchung vom Tierarzt) entwurmt werden. Zum Schutz vor Tetanus und anderen bakteriellen Infektionen gibt es Impfungen. Inwieweit zusätzliche Impfungen, zum Beispiel gegen Tollwut, sinnvoll sind, sollte mit dem Tierarzt vor Ort geklärt werden.

Krankheitssymptome

Ist ein Tier krank, merkt man es ihm oft erst recht spät an. Umso wichtiger ist die tägliche Kontrolle durch den Tierhalter bzw. Betreuer. Gesunde Lamas und Alpakas tragen den Kopf hoch und wirken aufmerksam und interessiert. Bei einem kranken Tier hängt der Hals durch, der Kopf ist auf Höhe des Widerristes und das Tier wirkt teilnahmslos und frisst schlecht oder gar nicht. Die normale Körpertemperatur liegt zwischen 37,5 und 38,9 Grad Celsius. Bei Abweichungen sollte der Tierarzt hinzugezogen werden. Durch das dichte Fell kann der Ernährungszustand nur durch Fühlen festgestellt werden – bei normal genährten Kleinkamelen fühlt man die knöchernen Wirbelfortsätze entlang des Rückgrades gut. Fühlt man sie nicht mehr, ist das Tier zu fett. Fühlt man sie deutlich herausstehend, ist es zu dünn.

Kranke Tiere separieren

Erkrankte Tiere sollten bis zur Abklärung der Ursache zum Schutz der anderen Tiere von der Herde separiert werden. Beruhigend für das betroffene Tier wirkt der Blickkontakt zur Herde, daher ist es sinnvoll, in unmittelbarer Nähe der Weide eine separate Unterbringungsmöglichkeit zu installieren.

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