Haltung von Schafen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Haltung von Schafen

Schafe sind Bewegungstiere und brauchen Platz. Doch welche Vor- und Nachteile hat die Haltung auf der Umtrieb- oder Standweide, und wie lassen sich die Tiere am besten vor Nässe und Kälte schützen?
 
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Weidehaltung, Unterstand oder Stall?
Das romantische Bild vom Schäfer, der mit seiner Herde über Land zieht, entspricht zwar der artgemäßen Haltung von Schafen im besten Sinne, macht aber tatsächlich nur einen geringen Anteil an Schafhaltungen hierzulande aus.

Weidehaltung

Schafe sind Bewegungstiere und brauchen Platz. Die Haltung auf einer weitläufigen Weide, wo sie ihr Futter suchen und ihrem Bewegungsbedürfnis nachkommen können, entspricht ihren artgemäßen Ansprüchen. Sie sind recht genügsam und können als Wiederkäuer auch karges Futter noch gut verwerten. Allerdings muss der Nährstoffbedarf mit der Futtermenge, die ein Schaf pro Tag aufzunehmen vermag (etwa zehn Kilogramm Gras), ausreichend gedeckt sein, um Leistungsminderungen zu vermeiden. Je nach Qualität der Weide rechnet man etwa mit einem Hektar für sieben Mutterschafe mit ihren Lämmern. Ist das Futter von minderer Qualität, kann dies entweder durch eine geringere Anzahl an Schafe oder mehr Platz ausgeglichen werden.

Standweide

Bei der Standweide steht den Schafen die gesamte Weidefläche zur Verfügung. Man benötigt nur eine Einzäunung, und der Unterstand oder Stall ist jederzeit erreichbar. Allerdings hat diese Form der Beweidung auch Nachteile. So wird die Weide großflächig durch Kot verunreinigt und Endoparasiten haben leichtes Spiel. Auch wird viel Futter zertrampelt, weil die Tiere selektiv fressen und sich zuerst die schmackhafteren Gräser und Kräuter aussuchen. Zudem ist eine Pflege der Weidefläche oder die Gewinnung von eigenem Heu so nicht möglich.

Umtriebweide

Die Umtriebsweide dagegen ermöglicht zum einen die Gewinnung von Trockenfutter für die vegetationsarmen Jahreszeiten, zum anderen sterben die Eier und Larven von Endoparasiten durch Sonne und Wärme ab, bevor wieder Schafe auf dem Teilstück weiden. Mit einer stabilen Außenumzäunung und flexiblen Innenzäunen wird den Tieren immer nur ein kleiner Teil der Weide zum Abgrasen zur Verfügung gestellt. Optimal ist eine Fläche, die in maximal einer Woche abgegrast werden kann. So vermeidet man auch das selektive Fressen bevorzugter Gräser und Kräuter und das jeweilige Teilstück wird bestmöglich genutzt. Im Frühjahr und Sommer, wenn das Futter schnell nachwächst, werden die Schafe schneller umgetrieben als im Herbst, wenn die Erde längere Ruhephasen zum Nachwachsen des Futters benötigt. Für die Heugewinnung lässt man im Mai/Juni einen Teil der Wiese gar nicht beweiden. Allerdings ist diese Weidepraxis arbeitsintensiv, da die Schafe regelmäßig umgetrieben und die Innenzäune entsprechend umgesteckt werden müssen.

Unterstand oder Stall

Sehr viele, aber doch nicht alle Schafrassen eignen sich für eine ganzjährige Weidehaltung. Grundsätzlich muss den Tieren ständig, das heißt im Sommer wie im Winter, ein witterungsfester Unterstand zur Verfügung stehen. Dieser muss entsprechend der Tierzahl ausreichend groß (etwa zwei Quadratmeter pro Tier) und zumindest dreiseitig geschlossen sein. Bleibt eine Längsseite – möglichst die wetterabgewandte Seite – offen, so haben alle Tiere ständig freien Zugang. Sind alle vier Seiten geschlossen, müssen mindestens zwei Durchlässe vorhanden sein, damit auch rangniederen Tieren der Zutritt nicht verwehrt wird.

Schutz vor Nässe und Kälte

Ein trockener, festgestampfter Boden mit einer dicken Stroheinstreu bietet ausreichend Schutz gegen Kälte und Nässe. Ein an der Zugangsseite überstehendes Dach schützt den Eingangsbereich ebenfalls vor Nässe, zusätzlich hält eine dicke Schicht Rindenmulch den Stallvorplatz trocken. Stehen die Tiere oft und lange auf nassem Untergrund, entwickelt sich leicht die Moderhinke.

Raufe und Trog

Futterraufen mit darunter angebrachten Trögen zum Auffangen heruntergefallenen Raufutters und zur eventuellen Kraftfuttergabe werden zweckmäßig an der hinteren Längswand angebracht. Pro Tier sollten ein halber Meter Raufe und Trog zur Verfügung stehen, um Rangeleien am Futter zu vermeiden. Ständiger Zugang zu frischem Trinkwasser ist zu gewährleisten. Es bietet sich an, am Stall oder Unterstand einen separaten oder zumindest leicht abtrennbaren Raum vorzusehen, der für kranke Tiere oder als Ablammbox genutzt werden kann.

Empfindliche Rassen

Müssen empfindliche Rassen in der kalten Jahreszeit in einem soliden Stall gehalten werden, so sollte ihnen zusätzlich zu den Laufflächen im Stall Zutritt zu einem Paddock oder Laufhof gewährt werden, wo sie sich auch im Winter an der frischen Luft bewegen können. Die Durchlässe können relativ klein bemessen und mittels Kunststoffschürzen verhängt werden, um den Wärmeverlust im Stall gering zu halten. Eine Breite von einem halben Meter und eine Höhe von einem Meter sind ausreichend.

Das Tierschutzgesetz (§ 2)

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. (Heike Pankatz)
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