Steckbrief: Karakul

Erfahren Sie hier alles über Herkunft, Aussehen und Nutzung der Schafrasse Karakul.
 
© H. Sambraus
So sieht ein Karakul aus.

Steckbrief

  • Herkunft: Arabien, Usbekistan
  • Größe: 70 cm (Bock) bzw. 65 cm (Mutter)
  • Gewicht: 60 - 70 kg (Bock) bzw. 40 - 50 kg (Mutter)
  • Farbe: braun, grau, blaugrau, schwarz
  • Nutzung: Pelz, Fleisch, Wolle

Herkunft

Funde deuten darauf hin, dass Karakul-ähnliche Fettschwanzschafe bereits vor über 4000 Jahren in Arabien gezüchtet und ihre Pelze genutzt wurden. Über Ägypten gelangten sie schließlich nach Usbekistan, wo vor etwa 1.000 Jahren die Zucht gezielt aufgebaut wurde. Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Nachfrage nach den besonderen Pelzen der Karakul-Lämmer stark an. Den Namen „Persianer“ erhielten diese vermutlich durch die Hauptumschlagplätze im Persischen Raum. Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich wurden einige Karakulschafe nach Deutschland eingeführt. Von dort gelangten sie in die deutsche Kolonie Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia. Schnell entwickelte sich hier eine bedeutende Zucht, die bis heute ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft in Namibia ist. Die Pelze nennt man Swakara-Persianer (Südwestafrikanisches Karakul).

Aussehen

Die mittelgroßen Karakulschafe haben meist einen schwarzen Kopf, schwarze, lange Hängeohren und auch schwarze Beine. Die Wolle kann von grau, blaugrau, bräunlich, goldbraun bis schwarzbraun variieren. Böcke sind behornt, die Muttern sind hornlos oder haben kleine Hornstummeln. Die Lämmer werden ganz schwarz oder grau, braun, goldfarben, rosa oder sogar weiß geboren und haben in den ersten Lebenstagen das ganz besondere, gelockte und glänzende Persianerfell.
Karakulschafe gehören zu den Fettschwanzschafen, die im Unterhautgewebe ihres Schwanzes bis zu zehn Kilogramm Fett speichern können. Diese Fettreserve hilft ihnen in den kargen, trockenen Ursprungsgebieten auch, längere Dürreperioden zu überstehen. Das Fett gilt dort als wohlschmeckendes Nahrungsmittel.

Nutzung

Die extrem anspruchslosen und widerstandsfähigen Karakulschafe sind an trockene Steppen und Halbwüsten angepasst. Mit beständig feuchtem Klima kommen sie nicht so gut zurecht. Die Wolle eignet sich zur Herstellung grober Wollstücke wie etwa Teppiche. Der Wollertrag liegt bei etwa zwei bis drei Kilogramm pro Jahr. Das Fleisch hat einen wildähnlichen Geschmack und ist besonders fettarm.
Zur Gewinnung der berühmten Persianer-Felle werden die Lämmer im Alter von ein bis fünf Tagen getötet. Die Muttern bekommen meist nur ein Lamm pro Jahr. Die wertvollste Persianerart, der sogenannte Persianer-Breitschwanz, stammt sogar von etwa drei Wochen zu früh geborenen Lämmern – hier bestehen tierschutzrechtlich erhebliche Bedenken über die tatsächliche Praxis, wie solche Frühgeburten herbeigeführt oder gewonnen werden. Die offizielle Züchterversion führt die Frühgeburten auf widrige Klima- und Nahrungsbedingungen in den Ursprungsgebieten zurück. Tierschützer berichten hingegen von gewaltsam provozierten Aborten bis hin zur Tötung der Muttern.

Zuchtverein

Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände e.V.

Hätten Sie´s gewusst?

Im Jahr 1974 gelangten 8.300.000 Persianerfelle in den Welthandel. Durch einen starken Rückgang der Nachfrage brach vor allem die afrikanische Zucht in den 80er- und 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts fast zusammen, bevor ab 2005 wieder ein deutlicher Anstieg des Pelzhandels am internationalen Markt verzeichnet wurde.
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