Zucht von Schafen

Wer Milchschafe hält, muss züchten, sonst gibt´s keine Milch. Gehört zur Herde kein eigener Bock, so muss entweder einer ausgeborgt werden oder das Schaf muss verreisen.
 
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Ist das Lamm geboren, so reißt die Nabelschnur von alleine ab.

Geschlechtsreife

Männliche Schafe nennt man Bock oder Widder, das weibliche Tier heißt Mutterschaf, Aue oder Zibbe. Vor Eintritt der Geschlechtsreife spricht man von Bock- und Kilberlämmern. Während die kleinen Böcke bereits in ihrem ersten Herbst mit drei bis fünf Monaten (je nach Geburtstermin) deutliches Interesse für das andere Geschlecht zeigen und spätestens mit zwölf Monaten deckfähig sind, tritt bei den weiblichen Lämmern die Geschlechtsreife abhängig von der Rasse mit 7 bis 18 Monaten ein. Allerdings sollten die Kilberlämmer zum Zeitpunkt der ersten Belegung etwa 70 bis 80 Prozent ihres Endgewichtes erreicht haben, da sie sonst zu klein bleiben und auch die Lämmer nur ein geringes Geburtsgewicht haben.

Paarungszeit

Die Paarungszeit wird bei Schafen in der Regel durch das Kürzerwerden der Tage im Herbst ausgelöst und dauert etwa von September bis Dezember. Man unterscheidet allerdings je nach Rasse saisonales und nicht saisonales Brunstverhalten. Merinoschafe beispielsweise sind das ganze Jahr über paarungsbereit, wenngleich auch hier die Brunstintensität und auch die Befruchtungsergebnisse im Herbst deutlich höher sind als in den übrigen Jahreszeiten.

Brunst

Eine Brunst dauert beim Schaf etwa 24 bis 36 Stunden, der beste Zeitpunkt für die Befruchtung liegt etwa in der Mitte. Brunstanzeichen können mehr oder weniger ausgeprägt sein. Anzeichen dafür sind Unruhe, häufiges Blöken oder eine Rötung und Schwellung der Scheide, sie können aber auch ganz fehlen. Der Bock erkennt am Urin des weiblichen Tieres dessen Paarungsbereitschaft. Hat keine Befruchtung stattgefunden, erfolgt die nächste Brunst nach zwei bis drei Wochen.

Trächtigkeit

Nach etwa 150 Tagen werden ein bis vier Lämmer geboren. Milchschafe müssen etwa sechs Wochen vor dem Geburtstermin trockengestellt sein. Dazu wird das Schaf immer seltener und weniger gemolken, bis der Milchfluss versiegt und das Euter sich auf die neue Laktationsperiode einstellen kann. Zur Vermeidung von Euterentzündungen kann eine tägliche Massage mit Melkfett beitragen. Da das Lämmerwachstum zu 80 Prozent in den beiden letzten Trächtigkeitsmonaten stattfindet, muss das Muttertier nun durch gutes Futter und eventuelle Kraftfuttergaben unterstützt werden. Rechtzeitig vor dem Ablammen sollte eine Wurmkur durchgeführt werden - über das richtige Präparat berät der Tierarzt. Auch eine Schur des Schwanzes ist sinnvoll, um den Geburtsbereich möglichst sauber halten zu können.

Geburt

Eine abgetrennte Ablammbucht in einer ruhigen Ecke des Stalles wird mit sauberer, trockener Einstreu vorbereitet. Die bevorstehende Geburt kündigt sich durch Unruhe, eingefallene Flanken, Milcheinschuss ins Euter und Schleimabgang aus der Scheide an. In der Regel lammen Schafe alleine und ohne menschliche Hilfe ab. Etwa 20 Minuten nachdem die Fruchtblase zu sehen ist, wird das Lamm geboren. Trägt das Mutterschaf mehr als ein Lamm, so werden diese in der Regel im Abstand von etwa 20 Minuten geboren. Kommt es aber doch zu Schwierigkeiten und Störungen, etwa wenn die Fruchtblase bereits seit einer Stunde zu sehen ist, ohne dass die Geburt weiter vorangeht, so sollte umgehend ein Tierarzt oder erfahrener Schafhalter zu Hilfe gerufen werden, um fachgerechte Geburtshilfe zu leisten.

Die Lämmchen

Ist das Lamm geboren, so reißt die Nabelschnur von alleine ab. Schleim und Blut sollten aus Nase und Maul des Jungtieres entfernt werden. Den Nabelstumpf behandelt man mit Jodtinktur, um Entzündungen und Infektionen zu vermeiden. Ein gesundes Lamm steht bereits 10 bis 20 Minuten nach der Geburt auf den Beinen und sucht das mütterliche Euter. Die wertvolle Kolostral- oder Biestmilch, die nur in den ersten 24 Stunden vom Muttertier gebildet wird, ist ganz wichtig für die Immunabwehr des Lammes, dessen eigenes Immunsystem noch nicht arbeitet. Muss ein Lamm per Hand aufgezogen werden, so gibt man ihm Kolostralmilch vom Muttertier oder einem anderen Mutterschaf der Herde per Flasche.

Bei Bocklämmern, die nicht zur Zucht verwendet werden sollen, muss möglichst frühzeitig die Kastration durchgeführt werden. Bereits mit drei bis vier Monaten zeigen die Tiere sonst geschlechtsspezifisches Verhalten und bringen Unruhe in die Herde. Der Eingriff wird vom Tierarzt vorgenommen.

Bereits nach der zweiten Lebenswoche wird den Lämmern Beifutter (Heu) angeboten, um die Entwicklung des Pansens anzustoßen. Bei Milchschafen werden die Lämmer mit etwa zwölf Wochen abgesetzt, um Milch gewinnen zu können. Dazu trennt man Mutter und Lämmer etwa ab der 5. Lebenswoche zeitweilig, zum Beispiel über Nacht, und weitet die Zeiträume der Trennung nach und nach aus. Bei Fleischschafen, deren Milch ausschließlich dem Lamm vorbehalten bleibt, versiegt der Milchfluss nach etwa drei bis fünf Monaten. (Heike Pankatz)
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