Haltung von Ziegen

Früher wurden Ziegen häufig auf engstem Raum und ohne ausreichendes Futter gehalten. Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit sollten Ziegen heute möglichst auf einer Umtriebweide mit entsprechendem Witterungsschutz leben dürfen.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Aufgrund ihrer Robustheit und ihres speziellen Futteraufnahmeverhaltens werden zahlreiche Ziegenrassen mittlerweile auch gezielt in der Landschaftspflege eingesetzt.
Als sogenannte „Kuh des kleinen Mannes“ wurden Ziegen vor allem in Notzeiten dort gehalten, wo für eine echte Kuh kein Platz und auch kein ausreichendes Futter vorhanden waren. Unzählige Ziegen fristeten so ein Dasein in engen, dunklen Verschlägen und mit kärglichstem Futter und gaben dennoch Milch oder lieferten Fleisch. Ihrer Natur entspricht eine solche Haltung selbstverständlich nicht. Es zeigt aber die unglaubliche Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit dieser Tiere.

Weidehaltung

Die natürlichste und beste Haltungsform für Ziegen ist die Weidehaltung. Draußen können die Tiere ihre angeborenen Verhaltensweisen ausleben: Sie sind ständig in Bewegung und suchen sich ihr Futter selbst. Ziegen sind von Natur aus sehr bewegungsfreudig und auch sehr geländegängig, wodurch sie vor allem zur Beweidung steiler Flächen geeignet sind, wo zum Beispiel Rinder nicht mehr gehalten werden können.

Standweide

Bei der Standweide überlässt man einer Ziegenherde eine abgegrenzte Fläche in ausreichender Größe für längere Zeit zur Beweidung. Der Vorteil bei dieser Beweidungsform ist, dass man nur eine feste Einfriedung und einen Witterungsschutz errichten muss. Die großen Nachteile sind jedoch zum einen eine erhebliche Endoparasitenbelastung der beweideten Fläche, zum anderen der radikale Verbiss jeglicher Vegetation durch die Ziegen. Vor diesem Hintergrund muss von dieser Weideform abgeraten werden.

Umtriebweide

Besser und schonender ist die sogenannte Umtriebsweide, bei der den Tieren immer nur ein Teil der Weidefläche zur Verfügung gestellt wird, während sich die bereits beweideten Areale wieder erholen können. Mit einem klug durchdachten Weidemanagement erreicht man so eine deutliche Reduzierung des Wurmbefalls bei seinen Ziegen (die regelmäßige Wurmkur sollte aber dennoch durchgeführt werden). Auch schützt man die Fläche vor der völligen Verwüstung und fördert den Aufwuchs neuen Futters, ohne dass die Weide zu stark verbuscht. Empfohlen wird eine Beweidungsdauer zwischen 10 und 20 Tagen pro Teilweide. Auf einer Fläche von einem Hektar sollten an eher futterarmen Standorten nicht mehr als 15 Ziegen maximal 20 Tage weiden - bei satteren Weiden können es entsprechend mehr Tiere sein. Sofern auf einer Ziegenweide bestimmte Bäume oder Sträucher nicht abgefressen werden sollen, muss man sie mit einem ziegensicheren Zaun sichern!

Gibt es auf der Weide eine natürliche Wasserquelle, etwa einen Bach oder einen kleinen Weiher, so kann diese bei ausreichender Wasserqualität (evtl. Prüfung durch das örtliche Wasserwerk) genutzt werden. Ansonsten ist mittels Selbsttränken oder Wassertrögen die Wasserversorgung der Ziegen sicherzustellen und regelmäßig zu kontrollieren. Bei offenen Wasserbecken muss sichergestellt sein, dass Jungziegen darin nicht ertrinken können, denn auch sie klettern und springen meist auf alles drauf.

Einfriedung

Ziegen sind wahre Ausbruchkünstler und noch dazu äußerst geschickte Kletterer. Eine Weideeinfriedung für Ziegen muss diesen Verhaltensweisen Rechnung tragen. Die für Schafe meist ausreichenden Knotengitterzäune werden von Ziegen bald überwunden und sind daher als Außenzaun nicht geeignet. Besser ist hier ein stabiler, ausreichend hoher Holzzaun, bei dem Pfosten und Querlatten nach Möglichkeit außen angebracht sein sollten, um nicht als Tritthilfe zum Überklettern zu dienen. Innerhalb dieses Festzaunes können dann die einzelnen Weideparzellen mit mehreren Reihen Elektrolitze oder besser mit Elektronetzen variabel abgeteilt werden.

Unterstand oder Stall

Ziegen sind mit Ausnahme der eisigen Polregionen praktisch auf der ganzen Welt verbreitet. Sie sind extrem robust und können sich an nahezu jedes Klima anpassen. Viele Ziegenrassen eignen sich daher auch für die ganzjährige Freilandhaltung. Dennoch benötigen auch diese Tiere einen Witterungsschutz, der sie im Sommer vor starker Hitze und direkter Sonnenbestrahlung, und im Winter vor Regen, Schnee und stürmischem Wind schützt. Um Rangeleien am Eingang zu vermeiden, sollten immer mindestens zwei Stallzugänge vorhanden sein. Zweckmäßig befinden sich diese auf der wetterabgewandten Seite oder werden mit speziellen Plastikschürzen winddicht verhängt. Ein vorgezogenes Dach über dem Stallvorplatz schützt den Zugang vor Nässe und Moderbildung. Empfehlenswert ist eine befestigte Fläche vor dem Stall, die auch bei anhaltend feuchter Witterung nicht von den Tieren zertreten wird.

Innerhalb des Stalles muss wiederum die Kletterfreudigkeit der Ziegen bedacht werden. Elektrische Leitungen, Lampen und Schalter müssen absolut unerreichbar angebracht sein. Ein Futtertrog oder eine Heuraufe sind gerne genutzte Kletterhilfen. Ziegen benötigen einen größeren Individualabstand als Schafe, vor allem wenn sie Hörner haben. Pro Tier sollten mindestens 60 Zentimeter am Futtertrog zur Verfügung stehen. Wassereimer oder Wassertröge müssen möglichst so an der Stallwand befestigt werden, dass sie nicht von den Tieren umgestoßen werden können. Auch hier ist es wichtig darauf zu achten, dass kleine Ziegen nicht hineinhüpfen und darin ertrinken können.

Klettermöglichkeiten

Die Begriffe „Kapriolen“ und „Kapriziös“ leiten sich von „Capra“, dem lateinischen Namen der Ziege, ab! Im täglichen Umgang mit seinen Ziegen versteht man diesen Zusammenhang schnell: Vor allem Jungtiere sind ständig in Bewegung, vollführen die wildesten Sprünge, deren Richtung nie vorhersehbar scheint, und erklettern wirklich alles, was auch nur annähernd dazu geeignet ist. Auch erwachsene Ziegen klettern gerne, um von erhöhten Standorten aus ihre Umgebung zu erkunden.

Will man den Tieren etwas Gutes tun, so bietet man ihnen auf der Weide - bei empfindlicheren Rassen sogar im Stall - entsprechende Klettermöglichkeiten an. Das können etwa große Felsblöcke, dicke Baumstämme, große Strohballen, hölzerne Bänke oder auch Tische sein. Auch leicht angeschrägte, niedrige Flachdächer von Weideunterständen werden gerne als Aussichtsplattform genutzt. Der Fantasie des Besitzers sind hier kaum Grenzen gesetzt – man muss nur ausreichend Abstand vom Zaun halten, sonst ist die Kletterpartie gleich der Weg in die Freiheit und zu Nachbars Blumenbeet!

Einsatz in der Landschaftspflege

Aufgrund ihrer Robustheit und ihres speziellen Futteraufnahmeverhaltens werden zahlreiche Ziegenrassen mittlerweile auch gezielt in der Landschaftspflege eingesetzt. Dabei sind sie vor allem für die Erstpflege von stark verbuschten Flächen geeignet, da sie eher längeres, schon verholztes Gras dem Grünbewuchs vorziehen und Büsche und Bäume bis in eine Höhe von etwa zwei Meter von Trieben, Blättern und Zweigen befreien. Für Grünflächen mit nur geringer Verbuschung (unter 20 Prozent) eignen sich dagegen eher Schafe.

Das Tierschutzgesetz (§ 2)  Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. (Autor: Heike Pankatz)
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