Steckbrief Chinchilla | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief Chinchilla

Obwohl Chinchillas ziemlich harmlos wirken und bei Gefahr am liebsten das Weite suchen, können sie sich im Notfall durchaus wehren. Wie sich die Tiere wehren, wo sie herkommen, wie sie sich fortpflanzen und kommunizieren, erfahren Sie hier.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Die aktiven Chinchillas brauchen viel Platz.
Steckbrief
  • Körperlänge: 21  30 cm (Schwanzlänge: 16  20 cm)
  • Gewicht: Weibchen: 500  700 g; Männchen: 350 500 g
  • Körper: schlank, kurz, buschiger Schwanz
  • Kopf: breit, mit großen, runden Ohren
  • Fellhaar: dicht, weich und seidig
  • Lebenserwartung: 15  22 Jahre
Systematik
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Nagetiere
  • Familie: Chinchillas
  • Gattung: Eigentliche Chinchillas
  • Art: Langschwanz-Chinchillas
Aussehen

Weibliche und männliche Chinchillas sind sich sehr ähnlich. Lediglich was das Gewicht betrifft haben die Damen einen kleinen Vorsprung. Chinchillas haben einen schlanken Körper, der auf Grund des dichten, flauschigen Felles gedrungen wirkt. Der Schwanz ist zwischen sieben und 14 Zentimeter lang und langen, rauen Haaren besetzt. Der Kopf ist groß und breit. Die großen, runden Ohren sind sehr auffällig. Als nachtaktive Tiere haben Chinchillas auch recht große Augen. Die Hinterbeine sind kräftig und muskulös, die Vorderbeine hingegen sind klein und werden hauptsächlich zum Abstützen und Festhalten von Futter gebraucht. Beim Chinchilla entspringen aus einer Haarwurzel bis zu 60 Einzelhaare, was das Fell der außerordentlich dicht und seidig macht. Es schützt die Nager vor Kälte und ist für das meiste Ungeziefer undurchdringbar. Die Haut der Nager ist sehr dünn. Dadurch sitzt das Fell sehr locker. Werden Chinchillas angegriffen können sie Fell so leicht abwerfen und entkommen.

Herkunft

Die Heimat der Chinchillas ist die Bergwelt der Anden in Südamerika. Die Tiere sind nach den Chinchas Indianern benannt, die in dieser Gegend lebten und die Tiere wegen ihres Fells und ihres Fleisches sehr schätzten. Chinchillas werden im engeren Sinne in zwei Arten unterteilt: die Kurzschwanz-Chinchillas und die Langschwanz-Chinchillas. Die Kurzschwanz-Chinchillas waren in Königs-Chinchillas und kleine Kurzschwanz-Chinchillas eingeteilt. Das Königs-Chinchilla ist jedoch schon völlig ausgestorben und auch das kleine Kurzschwanz-Chinchilla ist heutzutage sehr selten. Das Langschwanz-Chinchilla ist in Freiheit ebenfalls fast gänzlich ausgerottet, wird aber noch von Menschen gehalten. Die Chinchillas, die heute überwiegend als Haustiere gehalten werden, sind eine Mischform aus kleinen Kurzschwanz-Chinchillas und Langschwanz-Chinchillas. Wobei sie eher letzteren gleichen. Chinchillas kamen ab dem 16. Jahrhundert als Pelzlieferanten nach Europa. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert waren Chinchillapelze eine beliebte und teure Rarität.  Seit 1910 versucht man, diese Tiere zu schützen. Tierschützer befreiten viele Chinchillas aus Zuchtfarmen und vermittelten sie als Haustier. Da sie erst seit wenigen Jahrzehnten gezüchtet werden gelten Chinchillas immer noch als Wildtiere.

Nachwuchs und Aufzucht

Weibchen werden zwischen dem sechsten bis achten Lebensmonat geschlechtsreif,  Böckchen zwischen dem vierten und fünften. Das Weibchen wird etwa einmal im Monat „hitzig“, d.h. paarungsbereit und kann dann vom Männchen gedeckt werden. Normalerweise fällt die Hitze in die Monate November bis März, Haustiere sind jedoch oft das ganze Jahr über paarungsbereit. Nach einer Tragzeit von ca. 111 Tagen kommen ein bis sechs Junge zu Welt. Chinchillas sind Nestflüchter und bereits von Anfang an mit Fell, Zähnen und offenen Augen versehen. Die Jungtiere werden sechs Wochen von der Mutter gesäugt und können im Alter von etwa acht Wochen abgesetzt werden. Chinchillas zu züchten ist nicht leicht. Eine Hobbyzucht muss gut überlegt sein. Suchen Sie sich rechtzeitig Abnehmer für den Nachwuchs.

Lebensweise und Verhalten

Chinchillas sind nachtaktiv und sehr gesellig. Diese Lebensweise muss unbedingt berücksichtig werden. Tagsüber schlafen die kleinen Strolche und brauchen viel Ruhe. Erst in den Abendstunden werden sie wach. Dann sind sie sehr aktiv und bewegungsfreudig. Beim täglichen Freilauf hüpfen und springen sie ausgelassen durch die Wohnung und erkunden neugierig ihre Umgebung. Mit dem so genannten Probebiss wird dabei alles auf Fressbarkeit geprüft. Da Chinchillas Nager sind, ist natürlich kaum ein Möbelstück vor ihnen sicher. Erst wenn sie älter werden, werden Chinchillas ruhiger und gemütlicher. Die kleinen Racker sind nur in Gesellschaft glücklich. In freier Wildbahn lebten Chinchillas in Rudeln zusammen, im Käfig brauchen Sie mindesten einen Artgenossen zum spielen und kuscheln. Chinchilla sind Dauerausscheider. Sie verlieren ihren Kot, wo sie sich gerade aufhalten und legen sich selten ein „Kloeckchen“ im Käfig an. Daher ist es kaum möglich diese Tiere zur Stubenreinheit zu erziehen.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Chinchillas kommunizieren über Laut- und Körpersprache. Chinchilla-Babys geben dem Muttertier durch ein lautes Quietschen zu verstehen, dass sie gesund sind. Untereinander „unterhalten“ sich gerade Jungtiere ausgiebig mit einem leisen Fiepen. Durch hustenartiges Bellen wird Unmut geäußert, währen ein schriller Schrei zur Warnung dient. Auch durch grunzen und Quäken verständigen sich die Tiere. Neben den Lauten ist die Körperhaltung ein wichtiges Kommunikationsmittel. So quetscht sich ein verängstigtes Chinchilla in eine Ecke währen ein fröhliches Tier ausgelassen umher springt. Zwei kleine Nager, die sich gerade erst kennen lernen beschnuppern sich vorsichtig. Der Geruchssinn der Chinchillas ist stark ausgeprägt. Die Tiere orientieren sich stark an Gerüchen. So können Sie Reviermarkierungen und paarungsbereite Artgenossen „erriechen“. Die großen, seitlich am Kopf liegenden Augen ermöglichen den nachtaktiven Tieren ein weites Blickfeld, Entfernungen können jedoch schlecht abgeschätzt werden. Mit ihren großen, beweglichen Ohren können Chinchillas sehr gut hören. Sie nehmen Tönen war, die für das menschliche Gehör zu leise sind. Ein wichtiges Sinnensorgan sind auch die langen Tasthaare, mit denen die Tiere besonders in der Dunkelheit ihre nähere Umgebung genauer wahrnehmen können.

Haltung

Die aktiven Chinchillas brauchen viel Platz. Ein Käfig für zwei Tiere muss mindestens 150 cm x 80 cm x 150 cm groß sein. Besonders die Höhe ist wichtig, da Chinchillas gerne auf erhöhten Brettern sitzen und einen Überblick haben. Besser wäre es, die Tiere in einem eigenen Zimmer unterzubringen. Zur Grundausstattung des Käfigs gehören neben den Sitzbrettern ein Schlafhäuschen, Äste zum nagen und Klettern und ein Sandbad. Egal wie groß der Käfig ist, Chinchillas brauchen jeden Tag mehrere Stunden Freilauf um ihrem Bewegungsdrang nachzukommen. Damit den Tieren nicht langweilig wird, können Sie mit Kartons, Röhren und Tüchern einen spannenden Spielplatz kreieren. Chinchillas brauchen jeden Tag ein ausgiebiges, trockenes Bad für die Fellpflege und das Wohlbefinden. Chinchillas sind sehr gesellig und dürfen nie einzeln gehalten werden. Mindestens einen Artgenossen brauchen sie zum Glücklichsein.

Hätten Sie's gewusst:

Obwohl Chinchillas ziemlich harmlos wirken und bei Gefahr am liebsten das Weite suchen, können sie sich im Notfall durchaus wehren. Wenn es keinen anderen Ausweg mehr sieht stell sich das Chinchilla drohend auf die Hinterbeine und attackiert den Angreifer mit einem gezielten Urinstrahl. Auch Menschen, die sich ohne Vorwarnung in einen Chinchilla-Käfig beugen, können so eine unfreiwillige Gesichtswäsche erhalten.


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