Haltung von Degus | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Haltung von Degus

Die Begegnung mit einem Degu ist oft Liebe auf den ersten Blick. Vor der Anschaffung als Heimtier gilt es aber, einige wichtige Überlegungen anzustellen, um Enttäuschung vorzubeugen.
 
© Klaus Eppele / Fotolia
Unbedingt klären müsse Sie die Frage, welche Anforderungen Sie an das Heimtier Degu stellen. Allein das niedliche Aussehen ist eine falsche Grundlage und führt zwangsläufig zur Ernüchterung. Folgende Fragen, die Sie sich vor der Anschaffung stellen sollten, helfen ihnen, eine Entscheidung zu treffen:
  1. Habe ich mich ausreichend über die Ansprüche und Bedürfnisse der Degus informiert?
  2. Habe ich ausreichend Zeit, um mich mit den Degus zu beschäftigen?
  3. Ist mir die spezielle Ernährung der Degus vertraut?
  4. Bin ich bereit, regelmäßig Zeit zum Reinigen des Käfigs zu investieren?
  5. Was passiert mit meinen Degus im Urlaub?
  6. Sind die Kosten für Futter, Streu und Gemüse im Haushaltsbudget eingeplant?
  7. Bin ich bereit, die für die Behandlung eines kranken Degus anfallenden Tierarztkosten zu tragen?
  8. Ist mir bewusst, dass Degus keine Kuscheltiere sind?
  9. Bin ich bereit, mindestens zwei Degus anzuschaffen?
  10. Habe ich einen zweiten Käfig, um ein krankes oder verletztes Tier gesondert (Quarantäne) halten zu können?
Nur wenn Sie alle Fragen bejahen können, sind Degus als Heimtiere für Sie geeignet. Und noch ein Tipp: Beziehen Sie auch ihre Familienangehörigen in die Entscheidung mit ein, denn nur wenn diese auch mit der Anschaffung einverstanden sind, ist ein dauerhaftes friedvolles Zusammenleben gewährleistet.

Woher bekommt man Degus?

Degus sind inzwischen als Heimtiere fest etabliert, weshalb sie inzwischen auch in nahezu jeder Zoofachhandlung angeboten werden. Besser ist aber der Kauf direkt beim Züchter. Hier erhalten Sie eine ausführliche und sachkundige Beratung, die selbstverständlich auch in guten Zoofachgeschäften gewährleistet ist. Zudem bekommen Sie beim Züchter auch einen Einblick in die bisherigen Haltungsbedingungen der Degus. Hier gibt es so manchen Tipp für die eigene Haltung, von denen vor allem Neulinge in der Degu-Haltung profitieren. Leider müssen Sie für den Besuch beim Züchter einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen, da dieser nur in den seltensten Fällen in direkter Nachbarschaft wohnt. Kontakte zu Züchtern erhalten Sie über das Internet oder entsprechende Fachzeitschriften, z.B. die Rodentia. Daneben können Sie auch auf Kleintierbörsen wichtige Kontakte knüpfen. Meist sind dies Terrarienbörsen, auf denen aber auch exotische Kleinsäuger angeboten werden. Hier treffen Sie Gleichgesinnte, mit denen Sie ausführlich fachsimpeln können. Und neben den Degus ist es auf solchen Veranstaltungen auch möglich, artgerechtes Zubehör zu erwerben. Der Nachteil liegt darin, dass Sie die bisherige Haltung nicht beurteilen können.

Degus aus dem Tierheim

Mit der zunehmenden Beliebtheit von Degus als Heimtier findet man sie leider auch immer öfter in Tierheimen. Inzwischen hat nahezu jedes größere Tierheim regelmäßig Degus im Bestand. Es lohnt sich also, auch einmal dort nachzufragen, wenn Sie sich Degus anschaffen wollen. Dort bekommen Sie nicht nur Haltungstipps und Ihre neuen Mitbewohner, gleichzeitig können Sie auf diese Weise verstoßenen Heimtieren ein neues Zuhause bieten. Da Degus sehr lärmempfindlich sind, leiden sie unter den Bedingungen im Tierheim sehr. Als letzte Möglichkeit bleibt noch der Blick in den Anzeigenteil der lokalen Tageszeitung, wo auch ab und zu Degus angeboten werden. Meist sind dies ältere Tiere, die aus verschiedensten Gründen abgegeben werden. Mit dem Erwerb dieser Tiere können sie eventuell verhindern, dass sie im Tierheim landen.

Die Auswahl der Tiere

Um von Beginn an Freude an Ihren neuen Mitbewohnern zu haben, sollten Sie – gerade als Anfänger­ – nur gesunde Degus erwerben. Einen ersten Hinweis darüber erhalten Sie beim Blick auf das Geheges bzw. die Verkaufsanlage. Muffig riechende Einstreu oder starke Verunreinigungen sind ein Warnsignal. Nehmen Sie in einem solchen Fall von einem Kauf Abstand nehmen. Schauen Sie auch nach, ob die Tiere ausreichend mit Wasser und artgerechtem Futter versorgt sind. Als Nächstes sollten Sie auf eine ausführliche Beratung Wert legen. Sowohl seriöse Zoofachhändler als auch seriöse Züchter beantworten Ihnen Ihre Fragen gerne und geduldig. Dabei kann man auch den Umgang des Verkäufers mit den Tieren bewerten. Stresst er die Tiere, indem er ständig in das Gehege fasst, um sie zu präsentieren oder lässt er sie weitestgehend in Ruhe? Wichtig: Erwerben Sie niemals ein Tier aus schlechter Haltung aus Mitleid, da der Verkäufer dieses meist sehr schnell durch ein neues ersetzt. Auf diese Weise unterstützen Sie unseriöse Verkäufer. Sind diese Punkte geklärt, gilt es, die in Frage kommenden Tiere aus einiger Entfernung beobachten. Gesunde Degus sind lebhaft und neugierig und laufen nicht verstört umher oder liegen apathisch herum. Haben Sie sich ein Tier aus der Ferne ausgeguckt, sollten Sie es nun einem gründlichen Gesundheits-Check unterziehen. Sind die Augen klar und das Fell glänzend? Trübe, graue Augen weisen auf eine Diabeteserkrankung hin. Zwar können auch Degus mit Katarakt alt werden, hier ist aber auf die Ernährung zuachten. Die Afterregion muss trocken und nicht mit Kot verschmiert sein. Ist der Degu ausreichend ernährt, oder zeichnen sich die Knochen deutlich ab? In diesem Fall handelt es sich entweder um ein altes oder ein krankes Tier. Auch Felllücken sind ein weiterer Hinweis auf ein hohes Alter oder eine Erkrankung bzw. Parasiten.

Das richtige Alter

Zuletzt gilt es noch, das Alter zu erfragen. Erwerben Sie keinen Degu, der jünger als acht Wochen ist, da in diesem Alter die Sozialisation noch nicht abgeschlossen ist. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass das zu frühe Trennen junger Degus von ihren Eltern zu schweren Entwicklungsstörungen führen kann.Als letzten Test vor dem Erwerb können sie den ausgewählten Degu vorsichtig in die Hand nehmen. Im Normalfall wird er versuchen, sich diesem Zugriff durch Flucht zu entziehen. Tut er dies nicht und versucht er, Sie zu beißen, sollten Sie dieses Tier nicht erwerben, da es diese Bissigkeit wahrscheinlich nie ablegen wird. Degus können sehr schmerzhaft beißen. Und denken Sie stets daran: Erwerben Sie immer mindestens zwei Tiere. (Ralf Sistermann)

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