Haltung von Frettchen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Haltung von Frettchen

Seit einigen Jahren haben sich die frechen Frettchen zu äußerst beliebten Haustieren entwickelt. Eine ganze Fan-Gemeinde steht inzwischen hinter den quirligen Tieren.
 
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Frettchen sind zwar Haustiere und keine Wildtiere mehr, trotzdem sind sie ihren Vorfahren, den Iltissen, noch sehr ähnlich. Sie brauchen viel Platz zum Spielen und Toben und können richtige kleine Unruhestifter sein. Mülleimer, Blumentöpfe, Kleidungsstücke – nichts ist vor ihnen sicher. Bevor man sich zu einem begeisterten Frettchen-Kauf hinreißen lässt, sollte man sich deshalb unbedingt ein paar Fragen stellen. 
  1. Habe ich genug Zeit für meine Frettchen? Die kleinen Racker brauchen täglich mehrere Stunden beaufsichtigten Auslauf!
  2. Ist meine ganze Familie mit den neuen Mitbewohnern einverstanden? Und was sagt eigentlich der Vermieter dazu?
  3. Habe ich in meiner Wohnung genügend Platz? Pflanzen, Kabel etc. dürfen für Frettchen nicht erreichbar sein!
  4. Kann ich mir die Frettchen leisten? Gehege, Futter und Tierarzt kosten Geld!
  5. Ist meine Nase nicht zu empfindlich? Frettchen haben immer noch einen starken Wildtiergeruch!
  6. Habe ich jemanden, der meine Frettchen versorgt, wenn ich in Urlaub fahre?
Können Sie alle diese Fragen mit „Ja“ beantworten, steht dem Einzug der neuen Freunde nichts mehr im Weg.

Wo kaufe ich ein Frettchen?

Frettchen bekommt man in einigen Zoohandlungen, beim Züchter, bei Vereinen oder im Tierheim. Kauft man die kleinen Kobolde in der Zoohandlung, ist Vorsicht geboten. Nur wenn die Tiere artgerecht gehalten werden und der Verkäufer Ihre Fragen kompetent beantworten kann, sollten Sie Ihre neuen Mitbewohner hier holen. Meist ist es besser, zu einem Züchter zu gehen. Hier können Sie genau sehen, wie die kleinen Wirbelwinde aufgewachsen sind, der Züchter kann Ihnen viel über die artgerechte Haltung sagen und steht Ihnen oft noch nach dem Kauf mit Rat und Tat zu Seite.

Wenn man nicht unbedingt ein Jungtier haben möchte, kann man sich auch bei Frettchen-Hilfen, Vereinen oder Tierheimen erkundigen. Erwachsene Tiere haben oft schlechtere Chancen auf ein Zuhause. Dass sie sich weniger gut einleben und nicht zahm werden, stimmt nicht! Gerade für Frettchen-Einsteiger sind die älteren Tiere oft leichter zu handhaben. Seriöse Züchter, Vereine oder Tierheime werden oft ein Besuchsrecht mit Ihnen vereinbaren. So können sie sichergehen, dass es ihren Schützlingen gut geht. Sehen Sie dieses Angebot nicht als unwillkommene Kontrolle, sondern als Hilfe!

Eins, zwei, drei … viele?

Bevor die kleinen Racker endlich einziehen können, stehen noch zwei weitere Entscheidungen bevor: Wie viele Frettchen hole ich mir ins Haus? Und: Männchen oder Weibchen? Das Wichtigste zuerst: Frettchen sind äußerst gesellige Tiere. Sie lieben es, zusammen zu raufen, zu toben und zu kuscheln. Deshalb darf ein Frettchen NIEMALS alleine gehalten werden! Selbst wenn Sie viel Zeit für Ihren neuen Freund haben, einen Artgenossen können Sie ihm nicht ersetzen. Man sollte sich also mindestens zwei der kleinen Räuber anschaffen.

Am besten hält man sich ein Pärchen. Diese Tiere leben meist einträchtig und harmonisch zusammen. Wird der Rüde rechtzeitig, also etwa mit neun Monaten, kastriert, ist man auch vor unerwünschtem Nachwuchs sicher. Auch zwei Fähen - so nennt man die Weibchen - können oftmals ohne Problem zusammenleben. Rüden hingegen vertragen sich nicht. Hier würde es zu ständigen Kämpfen kommen. Hat man genug Platz, kann man auch mehrere Frettchen halten.

Rüde und Fähe unterscheiden sich kaum. Sie stellen die gleichen Anforderungen an ihr Heim und werden gleichermaßen zahm. Allerdings sind die Männchen meist deutlich größer und riechen strenger während die Weibchen etwas lebhafter sein können.

Endlich ist es so weit!

Sind die Frettchen gewählt und das Gehege artgerecht eingerichtet? Stehen das gewohnte Futter und Wasser bereit und ist die Wohnung „frettchensicher“? Dann nichts wie los! Jetzt können die kleinen Kobolde endlich einziehen. Für den Heimweg besorgt man sich am besten eine Transportbox, wie es sie für Katzen und kleine Hunde in jedem Zoofachhandel gibt. Legen Sie die Transportbox mit Zeitung aus, falls die Tiere ein Geschäftchen verrichten müssen, und knüpfen Sie ein altes Handtuch in Form einer Hängematte in die Verstrebungen. Auch ein Napf mit Wasser ist wichtig, vor allem wenn der Heimweg etwas länger dauert.

Zu Hause angekommen, setzen Sie die Transportbox direkt vor dem Käfig oder Gehege ab und lassen die Frettchen alleine in ihre neue Behausung laufen. Manchmal kann es etwas dauern, bis sie sich aus der Box heraustrauen, haben Sie Geduld! Für die nächsten paar Stunden brauchen die Tiere vor allem eines: Ruhe. Die Frettchen wollen jetzt erst einmal ihre neue Umgebung erkunden, das ist äußerst spannend und aufregend. Lärm und ungewohnte, streichelnde Hände würden die Tiere jetzt nur verschrecken. Natürlich können Sie ihre neuen Mitbewohner ruhig beobachten und leise mit ihnen sprechen. Schon bald werden die kleinen Racker anfangen, ihre Umgebung zu erkunden, ein bisschen am Futter knabbern und ein Nickerchen halten. 

So werden Frettchen zahm

Wie so viele Haustiere sind auch Frettchen bestechlich! Wollen Sie Ihre neuen Freunde handzahm machen, so funktioniert das am besten mit Futter. Wenn die kleinen Kobolde sich nach ein bis zwei Tagen ein wenig eingelebt haben, können Sie anfangen, den Tieren Leckerbissen aus der Hand anzubieten. Am Anfang reicht es völlig, wenn sich die Frettchen nur schnell das Futter stibitzen und Sie nicht weiter beachten. Reden Sie mit den Tieren, aber versuchen Sie nicht sofort, sie zu streicheln. Nach einigen Tagen werden die Frettchen schon vertrauensvoll auf Ihre Hand klettern und das Futter dort vernaschen. Sie haben sich an Ihre Stimme gewöhnt und gemerkt, dass aus Ihrer Hand nur Gutes kommt. Nun können Sie beginnen, die Tiere vorsichtig zu streicheln und zu kraulen.

Es kann passieren, dass die kleinen Rabauken Sie am Anfang zwicken, also achten Sie auf Ihre Finger! In einer Familie sollten sich von Anfang an alle Mitglieder mit dem Frettchen beschäftigen. So lernen sich alle gut kennen. Es kommt immer auf den Charakter jedes einzelnen Fettchens an, wie lange es dauert, bis es sich gerne von Ihnen streicheln und hochnehmen lässt. Geben Sie jedem Tier die Zeit, die es braucht! Haben die Frettchen sich gut eingelebt und an Sie gewöhnt, dürfen sie die ersten Ausflüge in die Wohnung unternehmen.

Vergesellschaftung von Frettchen

Wenn Sie schon ein oder mehrere Frettchen besitzen und ein neues Tier zu den vorhandenen setzen wollen, müssen Sie sehr vorsichtig vorgehen. Neulinge werden meist erst einmal nicht sehr herzlich begrüßt. Damit das Zusammenleben möglichst reibungslos beginnt, gehen Sie am besten Schritt für Schritt vor. Setzen Sie das neue Tier in einen Käfig und stellen Sie diesen direkt an das Heim Ihrer alteingesessenen Tiere. So können sich die Strolche erst einmal durch ein schützendes Gitter kennenlernen und sich an den Geruch des jeweils anderen gewöhnen.

Ein erstes Treffen findet am besten in einem großen, neutralen Raum statt. Es darf kein Raum sein, in dem eines der Frettchen schon sein Revier markiert hat. Außerdem sollten Flucht- und Versteckmöglichkeiten vorhanden sein. Beobachten Sie Ihre Tiere beim ersten Zusammentreffen genau. Kleine Rangeleien sind völlig normal, werden dem Neuankömmling jedoch blutige Wunden zugefügt, müssen Sie eingreifen und die Tiere trennen. Geben Sie jedoch nicht gleich auf und versuchen Sie es am nächsten Tag noch einmal. Wenn die Tiere einige Tage gemeinsam Freilauf hatten und sich friedlich verhalten, dürfen sie in einen gemeinsamen Käfig ziehen. Bevor es jedoch so weit ist, müssen Sie alle Gegenstände aus Ihrem Käfig entfernen und am besten durch neue ersetzen. Reinigen Sie den Käfig sehr gründlich und richten Sie ihn komplett anders und neu ein. So hat keines der Tiere einen Heimvorteil, und die kleinen Racker werden bald harmonisch zusammenleben. (Alexandra Frankh)


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