Nachwuchs im Frettchenheim | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Nachwuchs im Frettchenheim

Frettchen-Welpen sind unglaublich putzig, und sie aufwachsen zu sehen, ist ein besonderes Erlebnis. Bei vielen Liebhabern dieser Tiere wird deshalb irgendwann vielleicht der Wunsch nach einer eigenen kleinen Rasselbande aufkommen.
 
© Foto: AFG / Fotolia
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Die Aufzucht junger Frettchen ist äußerst mühsam. Sie kostet viel Geld und noch mehr Zeit. Eine Fähe (Bezeichnung für ein weibliches Frettchen) wirft bis zu 14 Welpen. Wenn Sie diese nicht behalten können, müssen Sie schon im Voraus genügend Interessenten finden. Selbst wenn Sie Abnehmer haben, können sich diese bis zur Abgabe der Tiere wieder umentscheiden. Haben sie noch genug Platz, um die Kleinen, die nicht vermittelt werden konnten, zu behalten? Ist der Nachwuchs erst einmal da, müssen Sie sich in den ersten Wochen intensiv um die Mutter und ihre Kinder kümmern. Zehn Frettchen machen natürlich weit mehr Arbeit als zwei. Auch die Kosten sind nicht zu unterschätzen. Bei der Geburt kann ein Kaiserschnitt nötig sein, und manchmal muss danach die Gebärmutter der Fähe entfernt werden, wenn sie nicht alle Nachgeburten abstoßen konnte. Die Welpen sind in der ersten Zeit sehr anfällig für Krankheiten. Auch hier können Tierarztkosten entstehen. Zudem müssen Sie die Grundimpfung aller Jungtiere finanzieren. Eine ganze Frettchen-Familie braucht natürlich auch jede Menge Futter. Die Kleinen steigen oft schon in der dritten Lebenswoche auf feste Nahrung um. Wenn Sie züchten wollen, brauchen Sie auch mehrere Gehege. Der Rüde muss nach dem Deckakt vom Weibchen getrennt werden, und auch die Welpen brauchen ein eigenes Heim, wenn sie von der Mutter getrennt werden. Haben Sie genug Zeit, Geld und Platz, ist das Aufziehen junger Frettchen eine spannende Sache ,und spätestens wenn die kleinen Racker ihre ganze Wohnung auf den Kopf stellen, werden Sie für ihre Mühen belohnt.

Rüde und Fähe kommen sich näher

Frettchen werden im Alter von neun bis zwölf Monaten geschlechtsreif. Die Weibchen sollten jedoch erst gedeckt werden, wenn sie mindestens zwölf Monate alt sind, damit sie mit dem Nachwuchs nicht überfordert sind. In freier Wildbahn wäre es für Welpen tödlich, wenn sie im Winter das Licht der Welt erblickten. Deshalb waren die Vorfahren der Frettchen nur im Frühling und im Sommer paarungsbereit. Auch die Haustiere richten sich noch nach dieser inneren Uhr. Die Zeit in der die Tiere paarungsbereit sind, wird Ranz genannt. Bei den Fähen schwillt in dieser Zeit die Vulva an, und sie rutsch auf dem Bauch über den Boden, um duftende Markierungen für den Rüden zu hinterlassen. Beim Männchen vergrößern sich in der Ranzzeit, auch Hitze genannt, die Hoden. Wenn Ihr Rüde und Ihre Fähe nicht schon einträchtig in einem Käfig leben, dürfen sie das Männchen zur Paarung keinesfalls einfach zum Weibchen setzen. Die Fähe würde es sofort aus ihrem Revier vertreiben. Die Begegnung sollte daher unbedingt auf neutralem Boden stattfinden. Der Rüde wird sich dem Weibchen im Normalfall sofort nähern und lautstark auf sich aufmerksam machen. Wenn die Fähe mit einem muckernden „Göög, göög“ antwortet, den Schanz aufstellt und mit gespreizten Läufen auf dem Boden hin- und herrutscht, findet sie den Rüden attraktiv und sympathisch. Das Männchen packt seine Partnerin dann am Nacken und umklammert sie mit den Vorderbeinen. Die Paarung findet auf der Seite liegend statt und dauert oft über eine Stunde. Danach sollten Sie Rüde und Fähe sofort wieder trennen.

Aus zwei werden viele

War der Deckakt erfolgreich, verwandelt sich das Frettchenheim nach 40 bis 42 Tagen in ein Tollhaus. Die Welpen werden nackt, blind und hilflos geboren. In der ersten Zeit ist es wichtig, dass Sie die kleine Familie so wenig wie möglich stören. Kontrollieren Sie einige Stunden nach der Geburt, ob tote Babys unter dem Wurf sind, und entfernen Sie diese gegebenenfalls. Die nächsten drei Wochen sollten Sie das Nest jedoch in Ruhe lassen. Die Fähe hält es meist selbst sauber, indem sie Kot und Urin ihrer Kinder frisst, und kann aggressiv werden, wenn sie sich gestört fühlt. In den ersten drei Wochen ernähren die Welpen sich ausschließlich von Muttermilch. Hat die Fähe besonders viel Nachwuchs geboren, müssen Sie sie eventuell unterstützen, indem Sie die Zwerge mit Katzenaufzuchtsmilch zufüttern. Auch die Mutter muss besonders nahrhafte Kost bekommen, solange sie säugt. Nach drei Wochen zeichnen sich bereits die Fellfarben der Frettchen ab, und die Augen öffnen sich langsam. Jetzt sollten Sie beginnen, sie mit gehacktem oder püriertem Fleisch und Vitaminzusätzen zu füttern. Auch das Häuschen muss jetzt gereinigt werden, denn die Mutter frisst den Kot nicht mehr. Bei den Welpen erwacht jetzt langsam der Entdeckergeist. Auf wackeligen Beinen werden sie den Käfig erkunden. Immer unter den wachsamen Augen ihrer Mutter, versteht sich. Nun können Sie auch vorsichtig damit beginnen die Kleinen an hre Hand zu gewöhnen. Mit vier bis fünf Wochen sind die Augen vollständig geöffnet, und die kleinen Strolche können schon feste Nahrung zu sich nehmen. Jetzt sind sie auch schon voller Tatendrang und werden den Käfig auf den Kopf stellen. Sobald sie einigermaßen handzahm sind, dürfen sie erste Ausflüge in die gesicherte Wohnung machen. Im Alter von acht Wochen werden sie nicht mehr von der Mutter gesäugt und können von ihr getrennt werden. Auch die erste Impfung steht jetzt an. Es ist aber noch zu früh, sie an die neuen Besitzer weiterzugeben. Noch zwei weitere Wochen sollten sie bei den Geschwistern bleiben dürfen.

Nachwuchs? Nein, danke!

Um Frettchen artgerecht zu halten, müssen sie in einer Gruppe von mindestens zwei Tieren leben. Rüden und Fähen verstehen sich am besten. Wenn Sie vor ungewolltem Nachwuchs sicher sein wollen, schafft die Kastration Abhilfe. Der richtige Zeitpunkt für diesen Eingriff ist die eintretende Geschlechtsreife des Rüden. Wenn sie anfangen, ihr Revier zu markieren, sollten Sie einen Termin beim Tierarzt machen. Ist das Männchen erst einmal kastriert, lebt es meist friedlich mit seiner Partnerin zusammen, ohne sie zu bedrängen. Auch bei Weibchen kann eine Kastration manchmal sinnvoll sein. Bei Fähen, die nicht gedeckt werden, kann es zu einer Dauerranz kommen. Das ist eine Blutgerinnungsstörung, die durch Östrogenüberschuss entsteht, sich schleichend entwickelt und tödlich enden kann. (Alexandra Frankh) Haltung :
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