Bissiger Hamster | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Bissiger Hamster

Nein, auf die Couch des Psychologen gehören unsere kleinen Hausgenossen nicht. Denn psychische Erkrankungen, wie wir sie vom Menschen kennen, sind meist nicht ihr Problem. Meist ist es die falsche Haltung, die die Tiere ganz „verrückt" macht.
 
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Die Nager wollen beschäftigt sein.
Hamster sind eingefleischte Eigenbrötler und Nachtschwärmer. Stört man den Hamster tagsüber und will gar mit ihm kuscheln, reißt ihm schon einmal der Geduldsfaden und er beißt herzhaft zu. Eine Verhaltensstörung? Wohl kaum – der Hamster handelt in seinen Augen völlig richtig. Bei jedem Tier, das sich auffällig verhält, sollte man sich fragen, ob es tatsächlich „verhaltensgestört“ ist oder ob es sich um ein Verhalten handelt, das zum normalen Verhaltensrepertoire seiner Art gehört. Ein Hamster schätzt keine Gesellschaft und wird daher immer aggressiv reagieren, wenn sich ein anderes Lebewesen, auch ein Artgenosse, in seinem Revier breit macht.

Die Nager wollen beschäftigt sein

Auch ein großer Käfig kann zum langweiligen Gefängnis werden, wenn die Einrichtung den Nagern keine Möglichkeit bietet, sich zu beschäftigen. Gutes Heu dient nicht nur der gesunden Ernährung, sondern auch der Beschäftigung der Tiere. Ihr Bedürfnis zu nagen stillt man am besten mit Zweigen. Man kann Buchen-, Obstbaum und Haselnusszweige verwenden. Die Zweige befriedigen nicht nur ihr Nagebedürfnis, die Tiere können sie auch als Verstecke nutzen. Allerdings sollten die Zweige ungespritzt sein. Vorsichthalber werden sie mit heißem Wasser gut abgebraust. Mehrere Etagen im Gehege sorgen für eine größere Gesamtfläche, für Versteckmöglichkeiten und Aussichtspunkte. Selbstverständlich sollte die Einrichtung stabil sein und keine Verletzungsgefahr in sich bergen. Auch im Zoohandel wird man immer wieder Anregungen finden, wie man seinen Nagern etwas Abwechslung im Alltag verschafft. Doch nicht alles, was angeboten wird, ist gut für die Tiere. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. warnt beispielsweise ausdrücklich vor Hamsterkugeln, aus denen sich die Tiere nicht selbstständig befreien können. Auch die durchsichtigen Röhrensysteme für Hamster sind abzulehnen. Diese Röhrensysteme haben entgegen den Angaben der Hersteller nichts mit dem natürlichen Bau der Hamster zu tun und setzen die Tiere unter Stress. Vor der Anschaffung eines Tieres sollte man sich über dessen Bedürfnisse und Normalverhalten genau informieren. Zu jeder Tierart sind zahlreiche Bücher im Handel erhältlich. Nur dann kann man ihr von Anfang an eine artgerechte Haltung bieten, die sie seelisch und körperlich gesund bleiben lässt. (Barbara Welsch, Tierärztin)

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