Vergesellschaftung von Kaninchen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Vergesellschaftung von Kaninchen

Kaninchen sind Rudeltiere und sollten nur gemeinsam mit Artgenossen gehalten werden. Doch wie wird aus zwei Einzeltieren eine „Freundschaft fürs Leben"?
 
© Foto: Thomas Brodmann / animals-digital.de
Foto: Thomas Brodmann / animals-digital.de
Wenn Sie ein Kaninchen-Pärchen zu sich holen, das sich bereits kennt und friedlich zusammenlebt, sind die Voraussetzungen sehr gut, dass es auch künftig keine ernsthaften Auseinandersetzungen gibt. Problematisch ist es bei einzelnen Tieren, die mit einem fremden Artgenossen oder einer unbekannten Kaninchengruppe vergesellschaftet werden müssen. Nicht alle Charaktere und Geschlechter passen gut zusammen. Die harmonischste Konstellation besteht aus einer Häsin und einem kastrierten Männchen bzw. einer Gruppe von gemischtgeschlechtlichen Tieren. Aber natürlich gibt es auch Häsinnen, die „Freundschaft schließen“, und kastrierte Rammler, die unzertrennlich sind. Entscheidend ist vor allem, dass nicht zwei dominante Kaninchen zusammengesetzt werden. Rangniedrigere Kaninchen verstehen sich untereinander meistens sehr gut.

So wird’s gemacht

Entscheidend für den Erfolg der Zusammenführung ist, dass die Tiere sich auf neutralem Boden begegnen. Keines der Kaninchen darf den Raum bereits als sein Revier abgesteckt haben. Dies kann beispielsweise das Badezimmer bzw. der Flur sein oder besser noch die Wohnung eines Freundes. Planen Sie für die Integration einige Tage ein, bis die Tiere in ihr dauerhaftes Zuhause einziehen können. Der unbekannte Raum sollte den Langohren genügend Ausweichmöglichkeiten und Verstecke bieten. Als Unterschlupfmöglichkeit kommen z.B. zwei Holz- oder Papphäuschen mit je zwei Eingängen in Frage. In dem Zimmer stellen Sie den Kaninchen darüber hinaus mindestens eine Toilette mit Einstreu, Heu und Frischfutter (zur Ablenkung und Beschäftigung) sowie einen gefüllten Trinknapf zur Verfügung. Sind alle Vorbereitungen getroffen, werden alle Tiere gleichzeitig in den Auslauf gesetzt.

Erstes Zusammentreffen

Sobald Ihre Kaninchen sich in ihrer neuen Umgebung relativ sicher fühlen, werden sie aufeinander zugehen und sich beschnuppern. Darauf kann ein Brummen bzw. Knurren folgen, die Tiere springen aufeinander zu und jagen sich unter Umständen gegenseitig. Nicht selten bildet sich kurzzeitig ein Knäuel, sodass sogar Fellbüschel fliegen. Damit die Tiere ihre Rangordnung klären können, sollten Sie hier nicht eingreifen. Nur wenn sie sich ernsthafte (blutige) Wunden zufügen oder eines der Tiere verängstigt schreit, ist es ratsam, (mit dicken Handschuhen bekleidet) dazwischenzugehen. Wenn wieder Ruhe in die Gruppe eingekehrt ist, können Sie den Versuch wiederholen.

Eine erfolgreiche Zusammenführung kann mitunter Tage und Wochen dauern. Geben Sie nicht vorschnell auf und holen Sie sich gegebenenfalls Unterstützung von einem erfahrenen Kaninchen-Halter. Ist die Vergesellschaftung auf neutralem Boden geglückt, d.h. vertragen die Langohren sich über einen Zeitraum von mehreren Stunden (oder besser noch Tagen), können sie in ihr gemeinsames Zuhause einziehen. Das Gehege sollte zuvor gründlich gereinigt und neu eingerichtet werden, sodass das alteingesessene Kaninchen keinen Heimvorteil genießt. Dennoch kann es hier zu erneuten Auseinandersetzungen kommen. Erst wenn die Tiere entspannt nebeneinanderliegen und gemeinsam fressen, war die Integration erfolgreich. (Kathrin Aretz)

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