Wie oft müssen Kaninchenbabys trinken | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wie oft müssen Kaninchenbabys trinken

Einmal trinken am Tag ist genug. Und sollte eine Kaninchen-Mutter ihre Jungen tatsächlich des Öfteren die Zitzen anbieten, dann handelt es sich um eine Verhaltensstörung – Das war zumindest die Ansicht von Experten. Heute ist man schlauer.
 
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Wie oft sollen Kaninchen am Tag trinken?
Mehrmaliges Säugen beim Kaninchen kann nicht nur arttypisch sein, es gibt auch individuelle Unterschiede zwischen den einzelnen Tieren – dank mehrjähriger Studien von Prof. Dr. Steffen Hoy vom Institut für Tierzucht und Haustiergenetik können Kaninchenbesitzer fortan beruhigt sein: Mit ihren Tieren ist alles in Ordnung, auch wenn sie ihre kleinen Mümmelmänner so oft trinken lassen, wie sie wollen. Um die Untersuchungen möglichst großflächig anzulegen und in einem natürlichen Umfeld durchführen zu können, richteten die Wissenschaftler in der Forschungsstation zwei 150 qm große, ausbruchssichere Freigehege mit Kunststoff- und Tonröhren als Unterschlupf ein.

Außerdem bezogen sie nicht nur Haus-, sondern auch Wildkaninchen in die Studien mit ein. Über den Wurfboxen wurden Infrarotkameras angebracht, die zusammen mit Infrarotstrahlern ein für die Kaninchen nicht sichtbares Licht abgaben und 24 Stunden lang Aufzeichnungen machten. Die Boxen der Wildkaninchen wurden abgedichtet, damit wie in einem normalen Karnickelbau auch tagsüber Dunkelheit herrschte.

Mehrfache Säugung ist normal

Wie die Auswertung der Aufzeichnungen ergab, wird die mehrfache Säugung nicht, wie vielfach angenommen, durch eine Unterbringung der Kaninchen in (zu) engen Boxen provoziert. Im Durchschnitt säugten die Wildkaninchen (elf Würfe von sechs Häsinnen) ihre Jungen 1,28-mal in 24 Stunden, die Hauskaninchen (acht Häsinnen mit 15 Würfen) mit 1,12 Mal etwas seltener. Sowohl Haus- wie auch Wildkaninchen stillten am häufigsten in der zweiten und am wenigsten in der vierten Woche.

Je öfter die Jungen bei der Mutter „auftankten”, desto mehr verkürzte sich die Dauer des Trinkens. Die Gesamtdauer des Säugens war mit 237 Sekunden beim Hauskaninchen und 228 Sekunden pro Tag beim Wildkaninchen beinahe identisch. Beide gaben ihren Jungen auch überwiegend nachts zu trinken: Wildkaninchen zu 84%, Hauskaninchen zu 86%.

Unterschiede zwischen Haus- und Wildkaninchen

Während die Hauskaninchen jedoch vor allem zwischen 19 und 21 Uhr aktiv waren, tranken die Wildkaninchen erst nach Mitternacht. Die Unterschiede im Säugeverhalten hängen für Prof. Dr. Steffen Hoy mit dem Licht-Dunkel-Wechsel zusammen, der für das Hauskaninchen als Zeitgeber fungiert: „Wenn es dämmert, bekommt die Häsin eine biologische Information, die Jungen zu säugen. Möglicherweise geschieht das durch Hormone oder Nervenreize aus dem mit Milch gefüllten Gesäuge“. Das nächtliche Füttern bei Wildkaninchen ist biologisch zweckmäßig, weil sie so die Luft- und Bodenfeinde nicht auf die Jungen aufmerksam machen.

Während Hauskaninchen auch tagsüber draußen herumlaufen, sind die Wildkaninchen am Tag fast überwiegend im Bau und gehen erst in der Dämmerung nach draußen, um zu koten und zu fressen. „Kaninchen-Halter sollten das bei der Haltung ihrer Tiere im Auge behalten“, rät Prof. Hoy. „Manche sperren z.B. nachts die Muttertiere von den Jungtieren weg. Das ist ein Eingriff in die natürlichen Verhaltensabläufe. Daher sollten Eltern ihren Kindern auch erklären, dass ihre Kaninchen abends Ruhe brauchen, vor allem wenn sie Junge haben. (Saskia Brixner)

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