Zuchtformen bei Kaninchen

Alle Kaninchen haben seidig glänzendes Fell - und inzwischen die unterschiedlichsten „Frisuren".
 
© Foto: Eric Isselée / Fotolia
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Eine besonders weiche, samtartige Haarstruktur zeigen Rex-Kaninchen . Das erste Exemplar wurde 1919 in einem kleinen französischen Dorf geboren; der dortige Pfarrer war von dieser Fellart so begeistert, dass er systematisch mit der Zucht begann. 1924 zeigte er auf einer Ausstellung mehrere Tiere, die großes Aufsehen erregten und der neuen Rasse zum Durchbruch verhalfen. Heute gibt es Rex-Kaninchen in ganz unterschiedlichen Farben und Zeichnungen. Die Haare des Rex sind ca. 1,5 cm lang und stehen senkrecht auf dem Haarboden.

In der Mitte des Rückens beträgt die Haarlänge 1,7 - 2 cm; jedes einzelneHaar ist kräftig und darf nicht gewellt oder gelockt sein. Die Grannenhaare sind fein und schließen mit der dichten Unterwolle ab. Innerhalb der Rex-Kaninchen gibt es noch zwei besondere Felltypen; zum einen das Opossum-Rex, das relativ lange Haare hat (ca. 2,5 cm), die vom Körper abstehen und gekräuselte, silbrige Spitzen aufweist, zum anderen das Ast-Rex, dessen Fell gekräuselt straff am Körper anliegt. Beide Rassetypen stammen aus England, werden aber nur noch selten gezüchtet. Rex-Kaninchen sind bekannt für ihr liebes, temperamentvolles Wesen.

Satin-Kaninchen verdanken ihren Namen dem besonders seidigen Glanz ihres Felles. Dieser trat erstmals 1932 als Mutation in einem amerikanischen Wurf Havanna-Kaninchen auf. Als die Tiere 1934 auf einer Ausstellung gezeigt wurden, bekundeten viele Züchter ihr Interesse; die Nachfrage der Pelzindustrie hielt sich jedoch sehr in Grenzen, und so blieb das Satin-Kaninchen bis heute ein reines Liebhabertier.

Die besondere Fellstruktur mit einer Haarlänge von 2,5 - 3 cm vererbt sich gegenüber dem Normalhaar rezessiv; auffallend ist die Haarfülle: Satinkaninchen haben mehr Haare als alle anderen Kaninchenrassen. Die am häufigsten auftretende Farbe ist Elfenbein; sie entstand aus Einkreuzungen von Weißen Neuseeländern. Weitere Farbschläge und Zeichnungen wurden durch Verpaarungen mit anderen Rassen erreicht. Satinkaninchen gelten als sehr gutmütig und ruhig.

Fuchs-Kaninchen entwickelten sich in den 1920e Jahren in der Schweiz aus Kreuzungen zwischen Angora- und Havanna-Kaninchen. Weil damals Fuchspelzmäntel sehr begehrt waren, sollte ein Kainchen mit fuchsähnlichem Fell gezüchtet werden. Dieses Ziel wurde jedoch nie erreicht. Trotzdem erfreute sich das Fuchs-Kaninchen bei Hobbyzüchtern großer Beliebtheit. Obwohl die Rasse sehr unter den Wirren des Zweiten Weltkrieges litt, ist sie heute auf Ausstellungen wieder stark vertreten.

Hier wird vor allem viel Wert auf Struktur und Dichte des Haares gelegt; es sollte glatt und nicht wolligsein. Die dichte Unterwolle stützt das Deckhaar, welches dadurch etwas vom Körper absteht. Die Haarlänge beträgt ca. 5 cm; nur der Kopf, die Ohren und die Läufe sind normal behaart. Fuchskaninchen gibt es in allen Farben, am beliebtesten sind jedoch die weißen Vertreter. Sie benötigen regelmäßige Fellpflege und haben ein sehr ruhiges, ausgeglichenes Wesen.

Angora-Kaninchen zählen zu den ältesten Kaninchenrassen überhaupt;angeblich wurden sie bereits im 15. Jahrhundert in Großbritannien gehalten. Diese Theorie ist jedoch etwas umstritten. Sicher ist, dass britische Seefahrer Angorakaninchen Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich verkauften. Zu dieser Zeit züchtete man die Kaninchen bereits rein unter den Namen „White Turkish Rabbits“ und „English Silk Rabbits“. Erst später wurden sie einheitlich in „Angora-Kaninchen“ umbenannt. 1777 kamen die ersten Tiere nach Deutschland; wegen ihres deutlich kürzeren Fells und der kleineren Ohren sind sie jedoch nicht mehr mit dem heute bekannten Typ zu vergleichen.

Auch in China und Japan blühte der Handel mit Angorawolle, zeitweise war China sogar der weltweit bedeutendste  Wolllieferant. Mit der Zeit bildeten sich verschiedene Angoratypen heraus. So gab es in Großbritannien Rassen, die „nur“ 350 g Wolle jährlich lieferten, während deutsche und französische Tiere bis zu 1 kg abwarfen. Französische Vertreter hatten außerdem ein etwas  härteres, langsamer wachsendes Fell als andere Angoras. Das typische Angorafell soll eine Länge von mindestens 6 cm haben; die weiche Wolle muss überwiegen. Backenbart sowie Ohr- und Stirnbüschel dürfen nicht fehlen. Das Fell, das innerhalb von drei Monaten ca. 8 cm wächst, wird regelmäßig ausgezupft. Zunächst kamen Angora-Kaninchen nur in Weiß vor; weitere Farben entwickelten sich erst im Laufe der Zeit. Die Tiere zeigen ein besonders sanftes, ruhiges Wesen.

Löwenköpfchen tragen eine langhaarige Halskrause, die auch Mähne genannt wird. Das Fell kann hier bis zu 10 cm lang sein. Sie gelten als besonders ruhig und  zutraulich, weshalb sie auch bei Kindern sehr beliebt sind. Löwenkopf-Kaninchen erfreuen sich heutzutage zunehmender Beliebtheit; Vorläufer aller Löwen ist wohl das belgische Bart-Kaninchen.

Kaschmir-Kaninchen stammen aus England; sie entstanden aus einer Kreuzung zwischen Angora-Kaninchen und Holländischen Widderzwergen; charakteristisch ist ihr dichtes, geschmeidiges, ca. 5 - 6 cm langes Fell; die Ohren und der Kopf sind kürzer behaart.

Eine noch junge Fellvariante weist das Teddy-Kaninchen auf; es ist am ganzen Körper (auch im Gesicht) ca. 4 - 6 cm lang behaart; das Fell ist besonders fein und benötigt eine intensive Pflege, da es sonst schnell verfilzt. Löwenkopf-, Kaschmir- und Teddy-Kaninchen kommen in allen Farben vor.

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