Typische Krankheiten bei Kaninchen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Typische Krankheiten bei Kaninchen

Kaninchen verbergen Erkrankungen so weit wie möglich. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie erste Krankheitsanzeichen rechtzeitig erkennen und tierärztlich behandeln lassen.
 
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Kaninchen leiden häufig unter Fehlstellungen der Schneide- und/oder Backenzähne.
Der beste Schutz gegen eine Erkrankung sind eine kaninchen-gerechte Unterbringung und Ernährung sowie eine gute Hygiene . Sind diese Haltungskriterien erfüllt, können Kaninchen ein zufriedenes Leben führen und werden etwa acht bis zwölf Jahre alt. Dennoch können Ihre Tiere krank werden oder sich verletzen. In diesem Fall ist es entscheidend, dass Sie erste Krankheitssymptome frühzeitig erkennen und umgehend von einem Tierarzt behandeln lassen. Die folgende Auflistung einiger Krankheiten kann Ihnen helfen, erste Krankheitsanzeichen rechtzeitig zu erkennen.

Abszesse

Unter der Haut von Kaninchen können sich Abszesse bilden, die als Verdickung erkenn- und ertastbar sind. Ursache für Abszesse sind kleine Verletzungen (z.B. durch Rangordnungskämpfe) oder Operationsnarben, in die Bakterien eingedrungen sind. Durch die Bakterien entstehen eitrige Entzündungen, und es bilden sich eitergefüllte Kapseln. Abszesse kommen häufig im Bereich des Halses und Kiefers vor. Kieferabszesse werden i.d.R. durch Zahnfehlstellungen verursacht. Durch überlange Backenzähne entstehen erst Verletzungen und Entzündungen im Rachenraum und schließlich Abszesse.

Ihr Tierarzt kann einen Abszess chirurgisch entfernen oder spalten. Bei der Spaltung wird der Abszess aufgeschnitten und der Eiter durch Herausdrücken entfernt. Anschließend wird die Abszesshöhle täglich gespült, bis der Abszess vollständig von innen nach außen abgeheilt ist. Eine parallele Behandlung mit einem Antibiotikum wird in Absprache mit Ihrem Tierarzt durchgeführt.

Atemwegserkrankungen

Erste Anzeichen für eine Erkrankung der Atemwege sind u.a. häufiges Niesen, Nasenausfluss, Nahrungsverweigerung, eine starke Flankenatmung und Atemnot. Ob es sich um eine Erkältung, den sog. Kaninchen-Schnupfen, oder eine Lungenentzündung handelt, kann nur Ihr Tierarzt beurteilen. Meistens ist eine antibiotische Behandlung nötig, damit die Tiere wieder gesund werden.

Häufige Auslöser von Atemwegserkrankungen sind:
  • Ansteckung durch direkten Kontakt mit einem erkrankten Artgenossen (z.B. einem neuen Partnertier)
  • Zugluft (das Gehege steht z.B. im Durchzug oder direkt am Fenster)
  • Stress (z.B. durch einen Transport, ein zu kleines Gehege, Unruhe innerhalb der Kaninchen-Gruppe, häufiges "Zwangskuscheln“ durch den Halter etc.)
  • Trockene Heizungsluft
  • Eine schlechte Hygiene im Käfig

Augenerkrankungen

Bei Kaninchen treten nicht selten Verletzungen am Auge (der Hornhaut, des Augapfels und des Lides) auf. Ursache können z.B. Rangordnungskämpfe mit Artgenossen und Einspießungen von Stroh/Heu sein. Häufige Erkrankungen des Auges sind Entzündungen des Tränennasenkanals (als Folge von Schnupfenerkrankungen und Zahnproblemen), Abszesse hinter dem Augapfel (verursacht durch Zahnprobleme) und Trübungen des Auges (z.B. bedingt durch Diabetes mellitus oder eine Infektion mit E. cuniculi).

Eine Entzündung des Auges erkennen Sie an milchig-wässrigem Ausfluss und Verklebungen des Fells im Bereich des Auges. Auch ein Hervorstehen oder Anschwellen des Auges ist ein Hinweis auf eine Erkrankung. Handelt es sich um eine infektiöse Veränderung des Auges, wird das Kaninchen mit einem Antibiotikum in Form von Tropfen oder einer Salbe bzw. eines Gels behandelt.

Blasen-/Nierenerkrankungen

Erste Anzeichen für Blasen- und Nierenerkrankungen sind u.a.:
  • Stärkeres Häufigeres Urinieren
  • Schmerzen beim Urinieren (das Kaninchen nimmt eine gekrümmte Haltung ein oder gibt Schmerzenslaute von sich wie z.B. Mahlen mit den Zähnen)
  • Übel riechender Urin
  • Häufigeres Lecken/Putzen des Anogenitalbereichs
Mögliche Erkrankungen sind z.B. eine bakterielle Infektion der Blase und/oder Niere und Blasengrießsteine. Bei einer Infektion wird das erkrankte Tier antibiotisch und mit einem Schmerzmittel behandelt; es sollte warm gehalten werden und viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Blasengrießsteine werden wird i.d.R. durch ein Überangebot von Kalzium (z.B. durch zu viel Trocken- oder stark kalziumhaltiges Frischfutter) verursacht und müssen meist operativ entfernt werden.

E. Cuniculi/Encephalitozoonose

Bei der Encephalitozoonose handelt es sich um eine Erkrankung mit dem Erreger Encephalitozoon cuniculi (E. cuniculi). Vermehrer des Erregers und primäre Ansatzorte sind das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), die Nieren (eine Erkrankung geht mit Nierenversagen und Veränderungen des Nierengewebes in Form einer chronischen Entzündung einher) und die Linsenkapsel des Auges. Klassische Symptome erkrankter Tiere sind z.B. eine Kopfschiefhaltung, der Verlust des Gleichgewichtsinns oder eine Lähmung der Hinterläufe.

Der Erreger E. cuniculi kann mittels eines Bluttests nachgewiesen werden. Allerdings weist etwa die Hälfte aller als Heimtiere gehaltenen Kaninchen Antikörper gegen E. cuniculi auf, und nur ein Teil davon erkrankt daran. Da die Erreger mit Kot und Urin ausgeschieden werden, können sich gesunde Tiere über kontaminierte Einstreu und Futter infizieren. Erkrankte Kaninchen können bislang nicht geheilt werden. Bei frühzeitiger tierärztlicher Behandlung kann die akute Erkrankung jedoch so weit zurückgedrängt werden, dass die Tiere symptomfrei leben können. Manche Kaninchen behalten allerdings lebenslang eine leichte Schiefhaltung zurück.

Eine Infektion mit E. cuniculi wirkt sich auf das zentrale Nervensystem und auch Organe wie Leber, Milz, Herz, Lunge, Darm und Augen aus. Klassische Symptome sind z.B. eine Kopfschiefhaltung, der Verlust des Gleichgewichtsinns und eine Lähmung der Hinterläufe. Eine Erkrankung mit E. cuniculi kann mittels eines Bluttests nachgewiesen werden. Bei einer rechtzeitigen Behandlung durch den Tierarzt ist eine Heilung möglich. Manche Tiere behalten allerdings lebenslang eine leichte Schiefhaltung zurück. Etwa die Hälfte aller als Heimtiere gehaltenen Kaninchen weist Antikörper gegen E. cuniculi auf, doch nur ein Teil davon erkrankt daran. Die Kaninchen scheiden den Erreger mit Kot und Urin aus. Andere Tiere können sich dann über kontaminierte Einstreu und Futter infizieren.

Fell- und Hautveränderungen

Erste Krankheitssymptome, die Haut und Fell betreffen, sind:
  • Fellverlust
  • Verfilzungen und Verfärbungen des Fells
  • Rötungen der Haut
  • Bildung von Schuppen oder Krusten
  • Juckreiz
Hierbei kann es sich z.B. um eine parasitäre Erkrankung durch Milben, Pilze, Läuse und, Flöhe, Milben und Pilze handeln. Hauptursache von Hauterkrankungen ist mangelnde Hygiene im Gehege.

Magen-Darm-Erkrankungen

Kaninchen leiden häufig an Störungen des Magen-Darm-Traktes. Bei einer Verstopfung setzen die Tiere nur noch kleine Kotkügelchen oder überhaupt gar keinen Kot ab. Die Tiere stellen das Fressen ein und zeigen Schmerzen an. Durchfallerkrankungen sind zu erkennen an breiigem/flüssigen Kot und einer kotverklebten Anogenitalregion.
Häufige Ursachen für Störungen des Magen-Darm-Traktes sind: 
  • Eine falsche Fütterung, d.h. eine rohfaserarme, zu fett- oder kohlenhydratreiche Nahrung
  • Schnelle Futterumstellungen
  • Zahnprobleme
  • Virusinfektionen, Bakterien oder Parasiten (Kokzidien, Wurmbefall)

Myxomatose

Die Myxomatose wird durch ein Leporipoxvirus hervorgerufen. Dieses Virus wird über infizierte Artgenossen, kontaminiertes Grünfutter und Insekten (Stechmücken, Kaninchen-Flöhe) übertragen. Eine Erkrankung tritt vom Frühjahr bis Herbst auf. Symptome der Myxomatose sind Schwellungen im Kopfbereich mit Schluck- und Atembeschwerden. Eine gezielte Behandlung ist nicht (oder nur in Einzelfällen) möglich. Da die Überlebenschancen gering sind, müssen die Tiere aus tierschützerischen Gründen eingeschläfert werden. Nur eine Impfung schützt die Tiere gegen eine Erkrankung! Kaninchen sollten daher im Frühjahr (ab dervierten Lebenswoche) geimpft werden. Zur Grundimmunisierung werden die Kaninchen vier Wochen nach der Erstimpfung erneut geimpft. Danach erfolgt die Impfung im halbjährlichen Turnus.

RHD

Die RHD (Rabbit Hemorrhagic Disease) ist eine virale Infektionskrankheit. Der Erreger wird durch den Kontakt mit erkrankten Tieren, kontaminiertes Grünfutter, stechende Insekten und verseuchte Gegenstände (Schuhe, Kleidung etc.) übertragen. Typische Symptome sind plötzliche Apathie, Inappetenz, Atemnot, blutiger Nasenausfluss und blutiger Urin. Meist verläuft die RHD aber so rasant, dass der Halter keine Symptome feststellt. I.d.R. versterben die Tiere an hochgradigen inneren Blutungen, ohne dass äußerliche Veränderungen aufzuweisen sind.

Eine Behandlung gegen RHD ist nicht möglich. Eine Erkrankung verläuft immer tödlich. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Kaninchen (auch bei Wohnungshaltung) regelmäßig geimpft werden. Bei Jungtieren und Tieren, die zum ersten Mal geimpft werden, ist eine Grundimmunisierung sinnvoll. Bei Jungtieren kann eine Erstimpfung ab der sechsten Lebenswoche durchgeführt werden. Eine zweite Impfung wird etwa drei bis vier Wochen nach der Erstimpfung vorgenommen. Die Impfung gegen RHD wird einmal jährlich wiederholt.

Tumoren

Umfangsvermehrungen an Kopf und/oder Hals, des Magens, der Gebärmutter, im Anogenitalbereich etc. sind für den Halter nicht immer sofort erkennbar. Bei einer Umfangsvermehrung kann es sich um einen Abszess, aber auch um einen Tumor handeln. Besonders häufig sind Gebärmuttertumoren. Eine tumoröse Vergrößerung der Gebärmutter lässt sich bei Häsinnen ab einem Alter von etwa vier Jahren beobachten. Aber auch jüngere Weibchen erkranken an Gebärmuttertumoren. Lassen Sie Ihre Häsinnen daher bei jedem Tierarztbesuch (z.B. beim Impfen) vorsorglich untersuchen (durch Abtasten, Ultraschall und/oder Röntgenaufnahmen der Gebärmutter). Als Prophylaxe raten einige Tierärzte inzwischen zur frühzeitigen Kastration von Häsinnen. Die Kastration eines weiblichen Kaninchens sollte allerdings nur von einem erfahrenen Tierarzt durchgeführt werden.

Zahnerkrankungen

Kaninchen leiden häufig unter Fehlstellungen der Schneide- und/oder Backenzähne. Ist beispielsweise der Oberkiefer etwas verkürzt, stehen die unteren vor den oberen Schneidezähnen. Bei dieser Zahnstellung ist kein Abrieb der Zähne möglich, sodass die Zähne weiterwachsen. Bei einer Fehlstellung der Backenzähne wiederum entwickeln sich scharfe Spitzen, die zu Verletzungen im Maul führen. Fehlgestellte Zähne und Spitzen können von einem Tierarzt gekürzt und abgeschliffen werden. Zahnanomalien sind häufig erblich bedingt. Aber auch eine falsche Fütterung kann Zahnprobleme begünstigen. Um Erkrankungen der Zähne vorzubeugen, sollten Sie Ihren Tieren viel rohfaserreiches Futter (Heu zur freien Verfügung und strukturiertes Grünfutter) sowie Frischfutter und wenig Trockenfutter anbieten.

Erste Anzeichen für Zahnprobleme können sein:
  • Die Tiere nehmen bevorzugt weiches Futter auf oder stellen die Nahrungsaufnahme völlig ein
  • Übermäßiges Speicheln beim Fressen
  • Tränen der Augen
  • Allgemeine Anzeichen für Unwohlsein und Schmerzen (z.B. Apathie)
(Kathrin Aretz)

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