Zahnprobleme bei Kleintieren | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Zahnprobleme bei Kleintieren

Tierärzte hatten noch nie so viele Zahnpatienten wie heute. Schuld daran sind verantwortungslose Züchter und falsche Ernährung. Dabei ist die richtige Futterzusammenstellung gar nicht so schwer.
 
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Ein Besuch beim Zahnarzt ist auch für Kleintiere nicht unbedingt angenehm.
Die Zähne der Nager und Hasenartigen wachsen das ganze Leben lang: In drei Monaten kann das Wachstum bis zu zwei Zentimeter betragen. Doch durch die Abnutzung an Fasern des Futters werden die Zähne stets abgeschliffen, was für scharfe und vor allem nicht zu lange Zähne sorgt. Wenn es jedoch durch eine angeborene Fehlstellung oder durch eine falsch zusammengesetzte Fütterung zu einem Missverhältnis von Zahnwachstum und -abrieb kommt, können sich Form und Richtung der Zähne krankhaft verändern. Die Folge davon sind scharfe Zahnhaken, die in die Zunge und Backentaschen schneiden. Der Schmerz verhindert zunächst gründliches Kauen, woraufhin die Tiere Durchfall bekommen und unzerkautes Futter ausspucken. Im Endstadium wird durch die Verletzung der Zunge das Schlucken unmöglich, die Tiere magern ab und verhungern schließlich. Dr. Stefan Gabriel rät bei beginnenden Zahnproblemen, die Tiere unverzüglich tierärztlich untersuchen zu lassen: „Jeder Fastentag schwächt die Tiere und verschlechtert die Genesungsaussichten. So muss trotz moderner Behandlungsmethoden mit etwa 30 Prozent Todesfällen bei zahnkranken Kaninchen gerechnet werden.“

Expertin gibt Tipps

Damit es so weit erst gar nicht kommt, hat uns Chinchilla-Expertin Gisela Lenski eine Liste zusammengestellt, welche Nahrung gut und welche schlecht für Nagetiere allgemein ist. „Prinzipiell sollte die Ernährung aus Pellets, Heu und Wasser bestehen.“ Darauf werden manche Halter sicherlich mit einem Schluchzen reagieren, weil sie das Gefühl haben, die Tiere hätten bestimmt gerne mehr Abwechslung, aber dem ist nicht so. Zwar fressen viele Nager fast alles, was man ihnen anbietet, aber das Wenigste ist für sie bekömmlich.

Haferflocken sind Dickmacher

Haferflocken zum Beispiel sind Dickmacher. Viele Leckereien bestehen zu einem großen Teil aus Zucker – das führt nicht nur zu Gewichtsproblemen, sondern auch zu Verdauungsstörungen. Ebenfalls abzuraten ist wenn sie nicht verordnet wurden von Vitaminpräparaten, denn daraus resultiert häufig Durchfall. Vorsicht auch vor Leckereien wie Rosinen und Cornflakes, die Zucker enthalten, und Mandeln, die Bitterstoffe beinhalten. Nun könnte man auf die Idee kommen, den Tieren gesunden Salat und Kohl anzubieten. Auch falsch! Die Tiere gasen hiervon auf und können qualvoll verenden.

Welches ist das richtige Futter für Kleinsäuger?

Was ist also das richtige Futter? Zuerst einmal stets in großen Mengen Heu. Das sollten Sie allerdings nicht selbst pflücken, weil dessen Gärungsprozess erst nach ca. fünf Monaten abgeschlossen ist. Auch Pellets sollten Sie nicht x-beliebig kaufen und lagern, weil es gerade ein Sonderangebot gab. Pellets müssen von harter Beschaffenheit sein, damit auch sie dem Abrieb der Zähne Rechnung tragen. Oft werden sie leider zu lang gelagert und haben damit Gehaltsstoffe verloren. Achten Sie also auf das Verfallsdatum und einen hohen Anteil an Rohfasern, Rohproteinen und Rohasche.

Kräuter tun den Nagetieren gut

Bedenkenlos können Sie Kräuter wie Brennnesseln, Lindenblüten, Kamille, Ringelblume, Gänseblümchen und Löwenzahn anbieten. All die gesunde Nahrung bringt allerdings wenig, wenn eine Zahnanomalie angeboren ist, wie es durch Inzucht verantwortungsloser Züchter vorkommen kann. Achten Sie darauf unbedingt beim Kauf eines Nagetiers.

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