Ernährung von Mäusen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Ernährung von Mäusen

Die richtige Ernährung ist wesentlich für ein gesundes Mäuse-Leben. Doch was ist gesund? Die Auswahl kann bei der Menge der im Fachhandel angebotenen Futtermittel durchaus schwer fallen. Wir haben ein paar Orientierungstipps für Sie.
 
© Foto: E.Stasiak / Fotolia
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Neben der Gehegegröße und -gestaltung ist es vor allem die Ernährung, die eine wesentliche Rolle bei der erfolgreichen Haltung von Mäusen spielt. Verkürzte Lebenserwartung und Gewichtszunahme sind nicht nur die Folgen der zunehmenden Domestikation, sie decken auch die teilweise gravierenden Mängel in der Ernährung auf.

Beim Blick auf die im Handel angebotenen Futtermischungen zeigt sich immer wieder, dass nicht die artgerechte Futterzusammensetzung bei der Zusammenstellung wichtig war, sondern der günstigste Preis der Rohstoffe oder die für den Halter möglichst ansprechende Präsentation. Und so ist der Fettgehalt vieler käuflicher Mischungen deutlich oberhalb des zuträglichen Limits.

Dabei ist die Ernährung von Mäusen recht einfach, wenn man die natürlichen Bedürfnisse beachtet. Eine wichtige Grundlage für die genaue Bedarfplanung bietet dabei das Freileben der Tiere.

Fertigfutter

Der Zoofachhandel bietet inzwischen eine Vielzahl an Futtermischungen für verschiedenste Mäusearten an. Allerdings entspricht die Zusammensetzung dieser Fertigmischungen oft nicht den Bedürfnissen der Tiere. So stellen Sonnenblumenkerne und Pellets meist den Löwenanteil dieser Mischungen dar. Hierdurch ist nicht nur der Fettgehalt der Mischung extrem hoch, auch die genauen Inhaltstoffe der Pellets bleiben unklar, sodass Sie als Halter keinerlei Möglichkeit haben, den genauen Nährwert des Futters zu ermitteln.

Das oftmals angebrachte Argument, das die Gabe von Fertigmischungen sehr einfach sei und die Tiere schließlich das Futter fressen, kann natürlich nicht gelten. Denn wer sich Tiere anschafft, muss die für die Pflege erforderliche Zeit einplanen, ansonsten sollte er lieber eine Dauerkarte für den Zoo kaufen. Und schließlich essen auch Kinder Schokolade meist lieber als Obst, gesund ist dies dennoch nicht.

Es sei aber darauf hingewiesen, dass es inzwischen auch Futtermischungen gibt, die perfekt auf die Bedürfnisse von Mäusen abgestimmt sind. Einige Futtermittelhersteller haben sich sogar ganz auf die artgerechte Nahrung von Exoten (zu denen auch die viele Mäusearten zählen) spezialisiert (z. B. The Pet Factory).

Keimfutter

Die Verfütterung von Keimfutter, also von gekeimten Saaten, wird in der Mäuse-Haltung erstaunlicherweise kaum praktiziert. Dabei hat Keimfutter einige entscheidende Vorteile gegenüber ungekeimten Saaten, denn durch den Keimvorgang verringert sich der Fettgehalt und der Vitamingehalt, der bei trockenen Saaten kaum ins Gewicht fällt, nimmt zu. Vor allem Keimfutter bei dem die Keime gerade durchgebrochen bzw. erst 1 – 2 mm lang sind, stellt eine wertvolle Vitaminquelle dar. Sind die Keime jedoch bereits länger ausgewachsen, nimmt der Gehalt an Vitaminen deutlich ab, zusätzlich werden Bitterstoffe in den Keim eingelagert, sodass er von den meisten Rennmäusen nur noch unwillig gefressen wird.

Wichtig bei der Keimfuttergabe ist vor allem die langsame Gewöhnung der Tiere an dieses Futter sowie der maßvolle Umgang damit. Zu hohe Keimfuttergaben oder eine zu rasche Umstellung können zu Verdauungsproblemen mit schweren Durchfällen führen und dadurch ist der Vorteil des Keimfutters zunichte gemacht.

Geeignete Saaten

Zum Herstellen von Keimfutter sind alle ungeschälten Saaten geeignet. Hirse, Sonneblumenkerne (durch den verringerten Fettgehalt während des Keimvorgangs können sie hier bedenkenlos eingesetzt werden) und Weizen sind idealen Saaten zum Keimen. Nicht geeignet sind geschälte Saaten, da diese verschleimen und hierdurch die Gefahr der Verpilzung sehr hoch ist, außerdem sind sie nicht mehr keimfähig.

Da die verschiedenen Saaten unterschiedliche Keimzeiten haben, empfiehlt es sich, nur Einzelsaaten keimen zu lassen, weil bei Mischungen ansonsten bei einigen Körnern der Keim bereits lang ausgewachsen ist, während er bei anderen Saaten gerade erst durchbricht. Gänzlich ungeeignet sind Futtermischungen, die Pellets enthalten, da diese im Wasser zerfallen und den idealen Nährboden für Pilze und sonstige Krankheitserreger darstellen.

Die Zubereitung von Keimfutter

Für die Herstellung von Keimfutter benötigt man ein Sieb, dessen Durchmesser sich an der Menge des herzustellenden Keimfutters orientiert und einen Eimer oder eine Schüssel, in den das Sieb eingehangen werden kann. Es hat sich bewährt, Materialien aus Plastik zu verwenden, da andere Materialien dauerhaft Schaden nehmen könnten. Vor allem Siebe aus Stahl fallen über kurz oder lang dem Rost anheim, auch wenn ein Aufkleber versichert, dass sie garantiert rostfrei sind.

Der erste Schritt zur Herstellung von Keimfutter ist das Waschen der Saaten. Dieses muss gründlich erfolgen, um eventuelle Schalenreste sowie im Körnergemisch enthaltenen Dreck vollständig auszuwaschen. Spülen Sie deshalb zunächst die Saaten etwa 2-3 Minuten unter lauwarmem Wasser durch. Ist das Wasser zu warm, kann es zu Schädigungen der Keimanlagen kommen. Anschließend müssen die Körner für 8 Stunden quellen. Hierzu wird das Sieb mit den Körnern in die Schüssel gehangen und diese mit Wasser gefüllt, bis die Körner komplett unter Wasser sind.

Nach Ablauf dieser maximal acht Stunden wäscht man die Körner erneut durch, lässt das Wasser abtropfen und hängt das Sieb mit den Körnern anschließend wieder in die Schüssel. Füllen Sie ca. 1 – 2 cm Wasser in die Schüssel, um zu verhindern, dass die Saaten komplett austrocknen. Keinesfalls dürfen die Saaten jedoch direkt mit dem Wasser in Kontakt kommen, da es ansonsten schnell zu Fäulnis kommen kann. Durch eine Abdeckung über der Schüssel werden die Körner vor Staub geschützt. Die Körner müssen nun im Sieb zwischen 24 und 48 Stunden bei möglichst konstanter Temperatur keimen. Etwa alle zwölf Stunden sollte das Futter unter fließendem Wasser abgespült werden, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Sobald die Keime durchgebrochen sind und eine Länge von 1-2 mm erreicht haben, ist das Keimfutter zur Verfütterung bereit. Die Dauer des Keimvorgangs hängt dabei von der Raumtemperatur und den verwandten Saaten ab.

Grünfutter

Grünfutter darf als wichtige Vitaminquelle auf keinen Fall bei artgerechter Ernährung fehlen. Betrachtet man das natürliche Nahrungsspektrum der meisten Mäusearten, so stellt man fest, dass kaum Obst auf ihrem Speiseplan vorkommt, da sie, im Gegensatz zu baumbewohnenden Arten (z.B. Akaziemäusen (Thalomys spec.), dies kaum erreichen können. Sie nehmen dafür eine Vielzahl an Wurzeln und Knollen auf, was bei der Fütterung bedacht werden sollte. Reichen Sie deshalb ihren Mäusen vermehrt Gemüse (z.B. Möhren, Sellerie, Steckrüben und rote Beete) und kaum Obst, da ihre Verdauung nicht auf den hohen Gehalt an Fruchtzuckern, wie er im Obst vorkommt, ausgerichtet ist. Dies gilt vor allem für die exotischeren Arten wie Zwergmäuse, Streifengrasmäuse und Stachelmäuse.

Grünfutter aus der Natur

Grünfutter muss allerdings nicht immer gekauft werden, die Natur bietet ein großes Angebot an Grünpflanzen, die bestens zur Verfütterung geeignet sind. Nicht verschwiegen werden soll jedoch, dass Grünfutter ein (wenn auch geringes) Risiko der Krankheitsübertragung mit sich bringt. Deshalb darf mit Vogelkot verunreinigtes Grünfutter keinesfalls verfüttert werden, auch sollte nicht in der Nähe von stark befahrenen Strassen gesammelt werden, da diese Pflanzen erheblich mit Schadstoffen belastet sind. Ungeeignete Sammelstellen sind auch Hundewiesen oder frisch gedüngte Weiden.

Einige Wildkräuter, wie z.B. Vogelmiere (Stellaria media) können auch im eigenen Garten angepflanzt werden, eine Kultivierung auf dem Balkon ist ebenfalls möglich, sodass selbst Großstädter die Möglichkeit haben, diese Futterquelle zu nutzen.

Lebendfutter

Das Thema Lebendfutter ruft bei vielen Haltern wahre Ekelgefühle hervor. Allein der Gedanke, Mehlwürmer oder Ähnliches im Haus zu haben, geschweige denn diese auch zu verfüttern, jagt einem großen Teil der Nagerfreunde einen Schauer über den Rücken.

Dabei stellen Insekten für viele Mäuse-Arten einen wichtigen Teil der Ernährung dar, mit dem sie ihren Bedarf an tierischen Eiweißen und damit an essentiellen Aminosäuren decken. Eine reine Ernährung mit Körnern und Grünfutter kann die Tiere zwar über längere Zeit am Leben erhalten, optimal ist sie aber sicher nicht. Vor allem Stachelmäuse benötigen einen erhöhten Anteil an Lebendfutter, da dieses auch in der Natur einen wesentlichen Teil ihrer Ernährung darstellt.

Der Zoofachhandel bietet eine große Auswahl an Insekten, die speziell als Futtertiere gezüchtet wurden. Sie müssen jedoch sicherstellen, dass sie vor der Verfütterung ausreichend und vitaminreich gefüttert wurden. Schlecht gefüttertes Lebendfutter besteht hauptsächlich aus Chitin, was zu Verdauungsproblemen bis hin zu Vergiftungserscheinungen bei den damit gefütterten Mäusen führen kann. Bei Mehlwürmern kommt noch hinzu, dass sie in vielen Fällen auf Zeitungspapier gehalten werden, das sie fressen. Auf diese Weise nehmen dann letztlich auch die Rennmäuse die Inhaltsstoffe (z.B. Druckerschwärze) auf.

Ernähren Sie deshalb vor der Verfütterung die Futterinsekten mindestens eine Woche ausreichend und gehaltvoll. Larven (Mehlwürmer, Zophobas) können auf Kleie oder Haferflocken gehalten und mit Möhren u. ä. ernährt werden. Die Entnahme zur Verfütterung erfolgt dann mit einem kleinen Sieb, mit dem die Fäkalien der Larven ausgesiebt werden können. Grillen, Heuschrecken und Heimchen sollten ausreichend Grünfutter (Löwenzahn, Gras, Salat, etc.) erhalten.

Andere Eiweißquellen

Für die Halter, die sich nicht zur Verfütterung von Lebendfutter durchringen können, bietet der Zoofachhandel eine Auswahl an Futtermitteln an, die als Ersatz geeignet sind. Neben Ei- oder Insektenfutter, wie es in der Ziervogelernährung verwandt wird, gibt es auch speziell auf Kleinsäuger zugeschnittenes Eiweißfutter (z. B. Carnivoro I von ThePetFactory). Auch getrocknete Garnelen sind gute Eiweißquellen, das gilt auch für Katzenfutter (trocken), wobei dieses aufgrund des meist hohen Salzgehalts eher selten angewandt werden sollte. Möchte man Katzentrockenfutter verfüttern, empfiehlt es sich, auf Sorten für ältere Katzen (Senior) auszuweichen, da diese im Salzgehalt reduziert sind.

Wasser

Natürlich muss den Mäusen ständig Wasser zur Verfügung stehen, damit sie ihren Flüssigkeitsbedarf decken können. Wichtig bei der Trinkwassergabe ist unbedingte Hygiene. Altes, abgestandenes Wasser ist ein idealer Nährboden für viele Keime, die zu schweren Erkrankungen führen können. Deshalb muss das Trinkwasser täglich gewechselt werden. (Ralf Sistermann) Haltung :
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