Matriarchat im Rennmausheim | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Matriarchat im Rennmausheim

Sobald sich bei Rennmäusen wieder neuer Nachwuchs ankündigt, werden die ältesten Jungen aus der Großfamilie vertrieben. In der mongolischen Steppe, wo unsere Heimtiere ursprünglich herkommen, ist das auch heute noch Usus.
 
© Foto: www.animals-digital.de
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In menschlicher Obhut gibt es diesen Ausweg freilich nicht. Außerdem auch keinen triftigen Grund für eine Trennung: Der Tisch ist immer reichlich gedeckt und um die Sicherheit der Familie braucht man sich keine Sorgen zu machen. (Außer der Besitzer würde ihnen plötzlich einen fremden Artgenossen hinzugesellen wollen oder Katze oder Hund auf sie loslassen). Dafür taucht ein anderes Problem auf. Es wird immer enger in dem Mäuseheim. Und das sorgt für sozialen Stress unter den Tieren.

In der Großfamilie geht es friedlich zu - bis eine erwachsene Tochter aufmuckt

Normalerweise geht es in einer Großfamilie, die aus einem Pärchen und deren Jungen aus verschiedenen Würfen besteht, friedlich zu. Die älteren helfen brav bei der Aufzucht ihrer jüngeren Geschwister und springen als Babysitter ein, wenn die Mutter anderweitig beschäftigt ist – etwa wenn sie auf Futtersuche unterwegs ist. Bei Mongolischen Rennmäusen steht der Mutter, d.h. dem ältesten Weibchen, die höchste Rangposition in einem Clan zu.

In der Heimtier-Gesellschaft, in der mehrere Generationen unter einem Dach zusammen leben, paart sie sich schließlich nicht nur mit dem alten Mäuserich, sondern lässt sich auch mit ihren erwachsenen Söhnen ein. So können die Sprösslinge aus einem Wurf durchaus verschiedene Väter haben. Kein Grund zum Streiten. Zwischen den Männchen, also Vater und Söhnen, kommt es kaum zu Rivalitäten.

Palast-Revolution 

Bei den Weibchen sieht die Sache schon anders aus, denn Fortpflanzung ist hier, wie gesagt, Chefsache. Nicht jede Tochter aber will sich der Herrschaft der Mäusemutter unterordnen – die häusliche Gemeinschaft im Terrarium kann sie ja nicht verlassen, um einen eigenen Hausstand zu gründen – und muckt plötzlich auf. Es kommt zum Mutter-Tochter-Konflikt, erklärt Michael Mettler. Um den Zwist nicht eskalieren zu lassen, rät der Nagerexperte, eins der beiden Weibchen aus der Gruppe herauszuholen. Andernfalls kann es zu blutigen Auseinandersetzungen kommen.

Ist die Situation zwischen den beiden nämlich nicht friedlich zu lösen, was allerdings höchst selten vorkommt, wird die Altmäusin, die sich nicht aus ihrer hohen Rangposition verdrängen lassen will, möglicherweise den Nachwuchs ihrer Tochter verfolgen und töten. Vielleicht trägt auch die Tochter den Sieg über die Mutter davon und beißt in der Folge deren jüngste Nachkommen, d.h. ihre eigenen Geschwister, tot. Auf die natürliche Geburtenkontrolle ist bei den domestizierten Mäusen inzwischen also kein Verlass mehr. Wird’s im Terrarium zu eng und stressig, bleibt nichts anderes, als die Geschlechter zu trennen. Haltung :
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