Verhalten von Mongolischen Rennmäusen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Verhalten von Mongolischen Rennmäusen

In den Steppengebieten der Mongolei gehören die Mongolischen Rennmäuse zu den typischen Bewohnern. Sie leben dort in Familienverbänden, die ausgedehnte Bauten mit Tunneln sowie Schlaf- und Vorratskammern anlegen.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Rennmausfamilien markieren ihr Revier anhand der in ihren Duftdrüsen gebildeten Duftstoffe.
Neben dem Hauptbausystem, das aus einer Vielzahl von Gängen mit zehn bis 20 Eingängen besteht, wird in einigen Fällen ein weiterer Bau in einiger Entfernung angelegt. Dieser ist weniger komplex als der Hauptbau und besitzt lediglich ein bis drei Eingänge.

Am liebsten in der Großfamilie unterwegs

Eine Familiengruppe der Mongolischen Rennmaus kann bis zu 20 Tiere umfassen, wobei es sich bei der Mehrzahl der Tiere um juvenile oder subadulte Tiere handelt. Typischerweise besteht eine Rennmausfamilie aus einem adulten Paar mit den Jungtieren der letzten drei Würfe. Jede Familie beansprucht ein Revier von 325 bis 1.550 Quadratmetern, in Abhängigkeit von Gruppengröße und Futterangebot.

Auch die Größe des Alphamännchens hat einen Einfluss auf die Reviergröße, je größer und stärker dieses Männchen ist, desto weiter dehnt sich sein Revier aus. Das ganze Leben der Mongolischen Rennmäuse spielt sich in der Nähe ihres Baus ab, vor allem ältere Tiere entfernen sich nur kurze Strecken von den Eingängen. Nur das dominante adulte Männchen nutzt als einziges Familienmitglied das gesamte Revier aus. Es verteidigt auch die Reviergrenzen gegen andere adulte Männchen, die solange gejagt und verfolgt werden, bis sie sich zurückziehen.

Sie bauen für den Notfall vor

Bei Gefahr durch Beutegreifer flüchtet die ganze Familie in den Bau. Gelingt es einem Feind, in den Bau einzudringen, verlassen die Rennmäuse diesen über einen der mehreren Eingänge. Um ihr Höhlensystem anzulegen, benutzen Mongolische Rennmäuse ihre kurzen aber kräftigen Vorderbeine. Mit ihnen lockern sie den Erdboden, um dann mit den Hinterbeinen das lockere Erdreich wegzuschleudern.

Für den Winter wird Nahrung gesammelt

Beifuss (Artemisia sieversiana) stellt die Hauptnahrungsquelle freilebender Mongolischer Rennmäuse dar. Daneben fressen sie verschiedene Gänsefußgewächse (z.B. Salsola collina), grüne Borstenhirse (Setaria viridis) sowie den zu den Süßgräsern zählenden Strandroggen (Leymus chinensis). Daneben graben sie Wurzeln aus und erbeuten verschiedene Insekten, um ihren Bedarf an tierischem Eiweiß zu decken. Für die trockenen und kalten Wintermonate legen die Rennmäuse Vorräte an, wobei Untersuchungen ergaben, dass sie dabei vor allem die Samen von Leymus chinensis in ihren Bau eintragen.

In freier Wildbahn werden diese Rennmäuse selten alt

Zu den Hauptfeinden der Mongolischen Rennmaus zählen neben Wieseln, die auch in den Bau der Rennmäuse eindringen, vor allem Bussarde und die asiatische Unterart des Uhus (Bubo bubo).  Die Lebenserwartung der Mongolischen Rennmaus in ihrer Heimat ist äußerst gering. Nur wenige Rennmäuse erreichen ein Alter von über acht Monaten. Den Großteil der Rennmauspopulation, die eine Dichte von bis zu 90 Tieren pro Hektar erreichen kann, machen subadulte Tiere aus.

Sinnesleistungen 

Um sich in ihrer Umgebung zu orientieren, greifen Rennmäuse vor allem auf ihr gutes Gehör zurück. Auch wenn die Ohren einer Rennmaus recht klein sind und sich anders als bei vielen Fluchttieren nicht in Richtung der Geräuschquelle drehen lassen, hört sie ausgezeichnet. So ist das Innenohr der Rennmaus fast genauso groß wie das eines Menschen. Der für eine Rennmaus wahrnehmbare Frequenzbereich liegt zwischen 200 und 32.000 Hz.

Besonders gut hören Rennmäuse im niederfrequenten Bereich (3000 – 5000 Hz), hierdurch können sie sich nähernde Beutegreifer bereits frühzeitig orten. Für die Kommunikation der Rennmäuse spielt Ultraschall, das heißt Schall mit einer Frequenz oberhalb von 20 KHz, eine wichtige Rolle. Während des Werbens um das Weibchen gibt das Männchen Ultraschallsignale ab, auch die Warnung vor Fressfeinden erfolgt durch Rufe im Ultraschallbereich.

Sehr guter Geruchssinn

Neben dem Gehör ist auch der Geruchssinn sehr gut ausgebildet. Dieser wird nicht nur für das Auffinden von Nahrung, sondern vor allem auch zur sozialen Interaktion benötigt. So erkennen Rennmäuse ihre Artgenossen anhand ihres Geruchs. Jede Familie besitzt ihren eigenen „Sippengeruch“, der vor allem von der großen Bauchdrüse abgesondert wird.

Fehlt einem Tier dieser bekannte Geruch, wird es angegriffen und vertrieben. Dies gilt auch für Familienmitglieder, die längere Zeit von der Familie getrennt waren (z.B. weil sie aufgrund einer Erkrankung in Quarantäne waren), da sich in diesem Fall der Sippengeruch verliert.

Die Mäuse sehen genauso gut wie Menschen

Über die Sehschärfe von Rennmäusen ist lange spekuliert worden. Man nahm an, dass Rennmäuse, wie die meisten Nagetiere, nur eine eingeschränkte Sehschärfe besitzen und hauptsächlich über Hell-Dunkel- bzw. Bewegungswahrnehmung verfügen. Neuere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass Rennmäuse durchaus über die Möglichkeit, Farben zu erkennen, verfügen.

Dabei besitzen sie allerdings offensichtlich anders als Menschen nur zwei unterschiedliche Zapfentypen (Menschen besitzen drei), von denen einer vor allem empfindlich auf UV-Licht reagiert. Bei Tageslicht erreichen sie so eine Sehschärfe (1,5 bis 2,0 Bogenminuten), die annährend der des menschlichen Auges entspricht.

Tasthaare dienen der Orientierung

Mit ihren langen Tasthaaren (Vibrissen) an der Schnauze können sich die Rennmäuse zudem gut innerhalb ihres dunkeln Baus orientieren. Wie alle Nagetiere verfügen Rennmäuse über lebenslang nachwachsende Schneidezähne in Ober- und Unterkiefer. Diese werden vielfältig eingesetzt. Neben ihrer Hauptaufgabe, der Zerkleinerung von Nahrung, werden sie auch bei der Fellpflege oder beim Graben zum Zerbeißen größerer Erdbrocken eingesetzt.

Kommunikation 

Wie alle sozial lebenden Tiere weisen auch Rennmäuse eine große Vielfalt von Verhaltensweisen auf, die ihnen helfen, mit ihren Artgenossen zu kommunizieren. Neben akustischen Signalen benutzen sie vor allem Duftstoffe aus ihren Drüsen, um anderen Rennmäusen wichtige Mitteilungen zu machen. So markieren Rennmausfamilien ihr Revier anhand der in ihren Duftdrüsen gebildeten Duftstoffe. Auch für das Erkennen anderer Tiere benutzen sie hauptsächlich ihren Geruchssinn.
 

Weitere Kommunikationsmittel sind:

Trommeln mit den Hinterbeinen:
Die Rennmaus hat sich erschreckt oder will andere Tiere warnen. Generell wird nur bei großer Erregung getrommelt. Bei einigen Arten (z.B. Shaw-Rennmäusen (Meriones shawi)) wirbt das Männchen mit dem Trommeln um sein Weibchen.

Auf den Hinterbeinen stehen und sich mit den Vorderbeinen betrommeln:
Dieses Verhalten wird bei kleineren Streitigkeiten und Rangkämpfen ausgeführt. In den meisten Fällen bleibt eine Eskalation aus, in einigen Fällen kann es aber in der Folge zu Beißereien kommen.

Bauch an den Boden reiben:
Mittels der am Bauch liegenden Duftdrüse wird das Revier markiert. Besonders bei frisch gereinigten Gehegen ist dieses Verhalten häufig zu beobachten.

Besteigen einer anderen Rennmaus gleichen Geschlechts:
Durch das Besteigen wird der rangniederen Rennmaus die Stärke der dominanten Maus demonstriert. Kommt vor allem bei neu zusammengesetzten Gruppen, in denen die Rangfolge noch nicht eindeutig geklärt ist, vor.

Schwanzwedeln:
Das Schwanzwedeln ist ein Zeichen großer Erregung. Es wird vor allem von unentschlossenen Tieren gezeigt.

Gesträubtes Fell:
Oft in Kombination mit Schwanzwedeln.Durch das aufgestellte Fell wirkt die Rennmaus größer, wodurch sie einen Widersacher beeindrucken will. Um noch größer zu erscheinen, dreht die Rennmaus dabei ihrem Gegner die Seite zu. Hier ist Vorsicht geboten, da meist kurze Zeit später eine Attacke folgt.

Fiepen:
Das hochfrequente Fiepen dient der Beschwichtigung eines Gegners, z.B. im Streit um ein Stück Futter. Jungtiere zeigen auf diese Weise dem Muttertier an, wann sie Hunger haben.

Graben in den Gehegeecken:
Bei diesem Verhalten handelt es sich meist um eine Verhaltensstörung, eine so genannte Stereotypie. Ursache sind die fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten, dies gilt vor allem für das Ausleben des Grabeverhaltens. Haben sich die Tiere dieses Verhalten erst einmal angewöhnt, legen sie es kaum mehr ab. (Ralf Sistermann)

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