Vergesellschaftung von Meerschweinchen

Bevor Sie sich zwei (oder mehr) Meerschweinchen anschaffen, stellt sich Ihnen sicherlich die Frage nach den Geschlechtern. Die natürlichste und beste Konstellation besteht aus einem kastrierten Männchen und einem oder mehreren Weibchen. 
 
© Antje Lindert Rottke / Fotolia
Eine solche Gruppe entspricht am ehesten der Natur des Meerschweinchens und ermöglicht den Tieren, ihr vollständiges Verhalten ausführen zu können. Die Haltung einer reinen Weibchengruppe verläuft i.d.R. problemlos und harmonisch. Allerdings entspricht dies nicht der natürlichen Lebensweise von Meerschweinchen. Es ist immer besser, wenn ein kastrierter Bock mit in der Gruppe lebt. Er wird bei Auseinandersetzungen zwischen den Weibchen als „Schlichter“ fungieren. Die Haltung mehrerer Männchen ist zwar möglich, aber ebenso unnatürlich wie eine Weibchengruppe.

Männchen sollten grundsätzlich schon im Alter von etwa fünf bis acht Wochen zusammengeführt werden. Von einer Vergesellschaftung bereits erwachsener Männchen ist abzuraten, da es hier meist Rangordnungsprobleme gibt. Aber auch wenn die Männchen bereits mit wenigen Wochen vergesellschaftet wurden, kann es nach Eintritt der Geschlechtsreife zu stärkeren Auseinandersetzungen kommen. Sehr wichtig bei einer reinen Männchengruppe ist, dass keine Weibchen im gleichen Raum leben (kein Blickkontakt und keine Geruchswahrnehmung). Völlig problemlos – allerdings auch unnatürlich- ist eine Gruppe mehrerer kastrierter Männchen. 

Zur Vorbereitung

Wenn Sie mit der Meerschweinchenhaltung beginnen und sich direkt zwei oder mehr Tiere anschaffen, ist die Vergesellschaftung leichter. Die Umgebung und das Gehege sind für alle Meerschweinchen fremd. Stammen die Tiere aus einem Wurf oder einer gemeinsamen Haltung, kennen sie sich schon und müssen nicht mehr aneinander gewöhnt werden. Möchten Sie ein oder mehrere Neuankömmlinge in Ihre bereits bestehende Meerschweinchengruppe integrieren, braucht die Zusammenführung etwas mehr Zeit. Die neuen Meerschweinchen sollten zunächst mindestens zwei Wochen in Quarantäne, d.h. in einem anderen Raum untergebracht werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Sie sich Krankheiten in die bereits bestehende Gruppe holen.

Selbst wenn die neuen Tiere gesund aussehen, ist es möglich, dass sie mit einem Krankheitserreger infiziert sind. Nach der Quarantäne können die Meerschweinchen beispielsweise im Auslauf zusammengeführt werden. Die Vergesellschaftung kann aber auch im Gehege durchgeführt werden. Dies setzt allerdings voraus, dass es groß genug ist (mindestens 0,6 m² pro Paar) und gut gereinigt wurde (z.B. mit Essigwasser). Bei der Einrichtung des Geheges oder Auslaufs ist darauf zu achten, dass genügend Versteckmöglichkeiten vorhanden sind. Alle Häuschen und Höhlen müssen mindestens zwei (besser drei) Eingänge haben, damit keines der Tiere in die Ecke gedrängt wird und jederzeit flüchten kann.

Die Zusammenführung

Treffen die Tiere das erste Mal aufeinander, planen Sie am besten etwas Zeit ein, um das Geschehen sorgsam beobachten zu können. Alle Meerschweinchen werden gleichzeitig in das Gehege bzw. den Auslauf gesetzt. Zunächst beschnüffeln die Tiere sich und klappern mit den Zähnen. Ranghohe Weibchen und Männchen versuchen bei dem rangniederen Tier aufzureiten. Hierbei laufen sie häufig lange und intensiv brommselnd hinter dem zeternden Artgenossen hinterher. Gelingt den dominanten Meerschweinchen das Aufreiten, ist der Rang für gewöhnlich geklärt. Die meisten anderen Gruppenmitglieder reißen nur die Köpfe hoch und verjagen den Neuling. Es kann aber auch sein, dass es zu stärkeren Drohgebärden und Beißereien kommt.

Auch wenn die Vergesellschaftung durch die Lautäußerungen und das gegenseitige Jagen bedrohlich wirkt, sollten Sie nicht eingreifen. Die Tiere klären auf diese Weise ihre Rangordnung. Falls Ihre Meerschweinchen sich gegenseitig verletzen, ist es allerdings besser, sofort einzugreifen und die Kampfhähne zu trennen. Es kann durchaus einige Tage dauern, bis Ruhe in die Gruppe einkehrt. Wurden die Tiere im Auslauf vergesellschaftet und gehen dort friedlich miteinander um, können sie in ihr gemeinsames Gehege gesetzt werden. Kommt es auch hier dauerhaft zu keinen neuen Auseinandersetzungen, ist die Zusammenführung geglückt. (Kathrin Aretz)

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