Typische Krankheiten bei Meerschweinchen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Typische Krankheiten bei Meerschweinchen

Meerschweinchen zeigen eine Erkrankung oft erst sehr spät an. Es liegt an Ihnen, erste Krankheitsanzeichen rechtzeitig zu erkennen und tierärztlich behandeln zu lassen.
 
© Foto: www.animals-digital.de
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Der beste Schutz gegen eine Erkrankung sind eine tiergerechte Unterbringung und Ernährung sowie eine gute Hygiene. Sind diese Kriterien erfüllt, bleiben Meerschweinchen vor Krankheiten weitestgehend verschont. Aber auch unter den besten Haltungsbedingungen kann sich eines der Tiere verletzen oder erkranken. In diesem Fall ist es entscheidend, dass Sie erste Krankheitssymptome frühzeitig erkennen und umgehend von einem Tierarzt behandeln lassen. Diese Auflistung einiger Krankheiten kann Ihnen helfen, erste Krankheitsanzeichen richtig zu deuten.

Abszesse und Tumoren

Unter der Haut Ihrer Meerschweinchen können sich Abszesse bilden, die als Verdickung erkenn- und ertastbar sind. Ursache für Abszesse sind kleine Verletzungen (z.B. durch Rangordnungskämpfe) oder Operationsnarben, in die Bakterien eingedrungen sind. Durch die Bakterien entstehen eitrige Entzündungen, und es bilden sich eitergefüllte Kapseln. Abszesse kommen häufig im Unterkiefer- bzw. Halsbereich vor. Kieferabszesse werden i.d.R. durch Zahnfehlstellungen verursacht. Durch überlange Backenzähne können Verletzungen und Entzündungen in der Mundhöhle entstehen, die schließlich einen Abszess verursachen.

Ihr Tierarzt kann einen Abszess chirurgisch entfernen oder spalten. Bei der Spaltung wird der Abszess aufgeschnitten und der Eiter durch Herausdrücken entfernt. Anschließend wird die Abszesshöhle täglich gespült, bis der Abszess vollständig von Innen nach Außen abgeheilt ist. In Absprache mit Ihrem Tierarzt erhält das erkrankte Tier i.d.R. ein Antibiotikum. Auch Tumoren (z.B. Milchdrüsen-, Schilddrüsen- und Gebärmuttergeschwulste) sind durch eine Verdickung erkennbar. Um eine Metastasenbildung zu verhindern, müssen Tumoren schnellstmöglich chirurgisch entfernt werden.

Atemwegserkrankungen

Meerschweinchen leiden häufig unter Erkältungen. Mögliche Anzeichen für eine Erkrankung der Atemwege sind Niesen, Nasenausfluss, Nahrungsverweigerung, eine starke Flankenatmung und Atemnot. Eine Erkältung kann sich sehr schnell zu einer Lungenentzündung entwickeln. Deshalb müssen die erkrankten Tiere umgehend von einem Tierarzt behandelt werden.

Häufige Auslöser von Atemwegerkrankungen sind:
  • Zugluft (das Gehege steht z.B. im Durchzug oder direkt am Fenster)

  • Stress (z.B. durch einen Transport)

  • Trockene Heizungsluft

  • Schlechte Hygiene im Käfig (feuchte Einstreu)

  • Rauch

  • Vitaminmangel (bedingt durch eine falsche Ernährung)
Augenverletzungen und -entzündungen 

Verletzungen am Auge (der Hornhaut, des Augapfels und des Lides) können z.B. aufgrund von Rangordnungskämpfen, ungeeigneter Einrichtungsgegenstände und Einspießungen von Stroh/Heu entstehen. Entzündungen erkennen Sie an Trübungen der Hornhaut, Rötungen und Schwellungen der Lider bzw. Bindehäute, milchig-wässrigem Ausfluss und Verklebungen des Fells im Bereich des Auges. Ursachen für Entzündungen des Auges sind Infektionserreger (Viren, Bakterien), Fremdkörper oder Zahnprobleme. Auch ein Hervorstehen oder Anschwellen des Auges ist ein Hinweis auf eine Erkrankung. Frühzeitig erkannt können viele Verletzungen und Erkrankungen gut behandelt werden.

Blasen-/Nierenerkrankungen

Erste Symptome für Blasen- und Nierenerkrankungen sind z.B.:
  • Stärkeres Urinieren

  • Schmerzen beim Urinieren (das Meerschweinchen nimmt eine gekrümmte Haltung ein oder gibt Schmerzenslaute von sich)

  • Blut im Urin

  • Übel riechender Urin

  • Häufiges Lecken des Anogenitalbereichs
Bei diesen Anzeichen handelt es sich meistens um eine bakterielle Infektion der Blase und/oder Niere oder Blasensteine. Eine Blasenentzündung kann durch Untersuchung des Harns, Ultraschall oder Röntgen nachgewiesen werden. Bei einer bakteriellen Infektion wird das erkrankte Tier antibiotisch behandelt, sollte warm gehalten werden und viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Blasensteine werden i.d.R. durch ein Überangebot von Kalzium (z.B. durch zu viel Trocken- oder stark kalziumhaltiges Frischfutter) verursacht und müssen meist operativ entfernt werden.

Fell- und Hautveränderungen

Erste Krankheitssymptome, die Haut und Fell betreffen, sind:
  • Fellverlust

  • Verfilzungen des Fells

  • Rötungen der Haut

  • Schuppen oder Krusten

  • Juckreiz
Hierbei kann es sich z.B. um eine parasitäre Erkrankung durch Haarlinge, Milben und Pilze handeln. Hauptursache von Hauterkrankungen ist eine mangelnde Hygiene im Gehege.

Magen-/Darmerkrankungen

Meerschweinchen reagieren bei falscher Ernährung und schneller Futterumstellung häufig mit Störungen des Magen-Darm-Traktes. Aber auch Infektionen können zu Aufgasungen des Magens/Darms führen. Erste Symptome für Magen-/Darmprobleme sind ein aufgetriebener Bauch, Apathie und eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Bei einer Verstopfung setzen die Tiere nur noch kleine Kotkügelchen oder überhaupt gar keinen Kot ab. Durchfall zeigt sich an breiigem/flüssigen Kot und einer kotverklebten Anogenitalregion.

Häufige Ursachen für Störungen des Magen-Darm-Traktes sind:
  • Eine falsche Fütterung, d.h. eine rohfaserarme, zu fett- oder kohlenhydratreiche Nahrung

  • Schnelle Futterumstellungen

  • Zahnprobleme

  • Virusinfektionen, Bakterien oder Parasiten
Zahnerkrankungen

Einer der häufigsten Gründe für eine Futterverweigerung sind Fehlstellungen der Schneide- und/oder Backenzähne. Zahnstellungen verhindern den gleichmäßigen Abrieb der Zähne, sodass die Zähne weiter wachsen. Es entstehen scharfe Spitzen, die zu Verletzungen im Maul führen. Fehlgestellte Zähne und Spitzen können von einem Tierarzt gekürzt und abgeschliffen werden. Zahnanomalien können genetisch bedingt sein. Häufig ist jedoch eine falsche Fütterung die Ursache. Um Erkrankungen der Zähne vorzubeugen, sollten Sie Ihren Tieren viel rohfaserreiches Futter (Heu zur freien Verfügung) und Frischfutter anbieten.

Mögliche Anzeichen für Zahnprobleme:
  • Die Tiere nehmen bevorzugt weiches Futter auf

  • Langsames Fressen

  • Komplette Nahrungsverweigerung

  • Gewichtsverlust

  • Übermäßiges Speicheln beim Fressen

  • Tränende Augen

  • Allgemeine Anzeichen für Unwohlsein und Schmerzen
(Kathrin Aretz)

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