Meerschweinchen fühlen sich nur in Gruppen wohl

Meerschweinchen sind eigentlich keine Heimtiere, auch wenn sie immer öfter mit Menschen unter einem Dach leben. Die süßen Südamerikaner zeigen nicht nur ein natürliches Äußeres, sondern auch das Verhalten von geselligen Wildtieren.
 
© Foto: Bollinger / Pixelio
Foto: Bollinger / Pixelio
Zuerst sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich. Das liegt vor allem an ihrem schönen wildfarbenen Fell – agouti, wie es in der Fachsprache heißt – und ihrem eher zierlichen Figürchen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Unterschiede: Die Wildmeerschweinchen (von ihnen stammen unsere Hausmeerschweinchen ab) tragen einen kurzen, relativ rauen Pelz mit längeren hervorstehenden schwarzen Grannenhaaren. Die Tiere dieser Gattung (Cavia aperea) sind von Natur aus langbeinig und leichtfüßig und wirken darum eine Spur eleganter.

Die Wieselmeerschweinchen (Calea musteloides), ebenfalls Nachzuchten wildlebender Meer-schweinchen aus Südamerika, hingegen besitzen ein feines, weiches Fell. Hervorstehende Grannen fehlen. Ihre deutlich hellen Augenringe fallen zudem auf und wer immer noch unsicher ist, braucht den Tierchen nur aufs Mäulchen zu schauen. Die „Wiesel“ outen sich nämlich durch ihre gelben Zähne, während die der Wild- und Hausmeerschweinchen weiß sind. Und noch zwei Hingucker: Unter dem Kinn haben „Wiesel“ eine Kahlstelle, das Gesäuge der Weibchen besitzt nicht zwei, sondern vier Zitzen.
Unterschiedliche Wesen, aber gleiche WünscheFreilich unterscheiden sich die beiden Gattungen auch in ihrem Wesen und ihrem Verhalten. Beide sind überaus neugierig und andererseits fürchterlich schreckhaft und stressanfällig. Was aber die „Wiesel“ nicht daran hindert, in den Händen liebevoller Halter doch recht zutraulich zu werden. Anders als die Wildmeerschweinchen, die ihre Menschenscheu nie wirklich verlieren. Trotz der ungleichen Temperamente (wenn „Wiesel“ erregt sind, trommeln sie mit den Hinterfüßen), Verhaltensweisen und auch Sprachen – in ihren Grundbedürfnissen stimmen sie überein: Drei Dinge braucht jedes Meerschwein für sein Wohlbefinden:
  1. ein harmonisches Familienleben

  2. eine Menge Lebensraum

  3. abwechslungsreiches, schmackhaftes Futter.
Wie in ihrer südamerikanischen Heimat, wo Wiesel- wie Wildmeerschweinchen in Kolonien leben, viel mit Artgenossen kommunizieren und sich jede Menge zu erzählen haben, so brauchen sie auch als Hausgenossen die richtige Gesellschaft. Ohne Sociallife wären sie arme Schweine.Und weil sie viel umherlaufen, gerne und hoch (!) springen und klettern wollen, sind kleine Käfige tabu.

Volieren oder geräumige Ställe, gerne mehrstöckig, hingegen passen als Lebensraum, gemütlich ausgestattet mit Häuschen, Höhle, Baumstumpf und Ästen. Was den Hausmeerschweinen schmeckt, bekommt auch den wilden Kameraden, nur etwas mehr Heu darf’s sein, damit der Bedarf an Zellulose gedeckt ist, der Bauch aber schlank bleibt. (Nina Blersch)

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