Stresskuscheln und Angststarre bei Meerschweinchen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Stresskuscheln und Angststarre bei Meerschweinchen

Meerschweinchen sind vorsichtige Tiere. Sie geraten schnell in Panik oder leiden unter Dauerstress, der sie krank machen kann. Wir können ihre oft sehr subtilen „Hinweise" verstehen lernen und ihnen helfen.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Vermeiden Sie Stress für Ihre Meerschweinchen.
"Der ist immer so brav!“, freuen wir Meerschweinchenbesitzer uns und streicheln gerührt das schlapp im Arm hängende Tierchen. Dass es aber vor Angst wie gelähmt ist, ahnen wir nicht.

Häufige Meerschwein- Mensch-Missverständnisse

Es ist schwer, Meerschweinchen ohne etwas Fachwissen zu verstehen. Denn oft drücken sie Bedürfnisse und Ängste anders aus, als wir es erwarten würden. Zudem sind sie sehr individuell, und es schwankt von Tier zu Tier stark, was als unangenehm oder angenehm empfunden wird. Ein Beispiel: Es gibt Meerschweine, die gern gestreichelt werden und sich ohne hektische Flucht im Käfig berühren oder herausnehmen lassen. Sie recken vielleicht sogar das Köpfchen, um gekrault zu werden, sitzen auf dem Schoß, sind dabei lebhaft, knabbern an angebotenen Leckerchen und glucksen leise.

Die meisten Meerschweinchen empfinden dagegen das Herausnehmen – vor allem von oben – als bedrohlich. Ihr Instinkt sagt ihnen, dass sie zur Beute geworden sind. Besonders ängstliche Tiere versuchen zu fliehen oder erstarren. Sie bekommen große Augen, und oft gurren sie verunsichert. Sie halten auf dem Arm nicht still, weil sie es schön finden, sondern vor Schreck. Mit solchen Tieren brauchen wir Geduld und sollten sie nicht ständig umhertragen.

Dennoch ist eswichtig, dass auch sie regelmäßig aufgenommen und gestreichelt werden, damit sie merken, dass nichts passiert und sie positive Erfahrungen machen können. So geraten sie dann nicht etwa bei einem Tierarztbesuch völlig in Panik.

Stressfaktoren innerhalb der Schweinchengruppe

Nicht nur wir Menschen können „Stress“ verursachen. Innerhalb einer Gruppe kann das auch unter Artgenossen passieren. Ein häufiger „Stressor“ ist eine unharmonische Gruppe, in der ein Tier über einen längeren Zeitraum hinweg
„gemobbt“ wird. Die anderen (oder ein stärkeres Tier) scheuchen es aus den Häusern oder weg vom Fressplatz. Achten Sie auf Kleinigkeiten. Manchmal geschieht dies auf sehr subtile Art.

Es ist schwer zu beurteilen, ob ein Tier gemobbt wird, wenn es sich ohne Gegenwehr zurückzieht und daher keine offensichtlichen Rangeleien stattfinden. Werden Sie aufmerksam, sobald ein Tier abnimmt oder sich kaum noch zeigt. Sozialer Dauerstress schwächt sein Immunsystem und kann z.B. Verdauungsstörungen oder Milbenbefall begünstigen. Notfalls muss eine unharmonische Gruppe getrennt werden.

Unten finden Sie einige Symptome bzw. Verhaltensweisen von kurzfristigem oder dauerhaftem „Stress“, bei deren Beobachtung Sie hellhörig werden sollten.

Stresssymptome

  1. Erstarren: Das Meerschweinchen fürchtet sich. Befreien sie es, wenn möglich, aus der Lage, die es ängstigt.
     
  2. Zähne wetzen: Das Tier droht und fühlt sich auch seinerseits bedroht.
     
  3. Aufgerissene Augen / angelegtes Fell: Das Meerschweinchen ist sehr verängstigt. Siehe 1.
     
  4. Erhöhte Aggressivität: Das Schweinchen fühlt sich möglicherweise nicht (mehr) wohl. Verhalten in der Gruppe beobachten!
     
  5. Zusammendrängen: Tiere, die zusammengedrängt liegen, haben Angst. Entspannte Meerschweine liegen in der Regel alleine, ohne Körperkontakt zu Artgenossen.
     
  6. Kratzen und Fellbeißen: Kratzt sich ein Tier häufig, obwohl der Tierarzt keine Ursache dafür findet, kann dies ein Zeichen von Dauerstress sein. Auch hier Verhalten in der Gruppe beobachten.
     
  7. Appetitlosigkeit / Durchfall: Wenn keine Krankheit vorliegt, Gruppenverhalten unter die Lupe nehmen.

TIPP

Ein großes Gehege, viele Häuschen, mehrere Futterstellen und zwei Tränken reduzieren Rangeleien und Streit unter den Schweinchen – und damit viele Stressmomente.

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