Vergesellschaftung von Ratten

Farbratten sind hochsoziale Rudeltiere, die immer in größeren Gruppen leben müssen. Für ein harmonisches Rudel benötigen Sie das „richtige Team" und viel Geduld.
 
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Farbratten können nur in Gruppen mit mehreren Artgenossen gehalten werden. Die artgerechteste Rudelzusammensetzung bildet eine gemischtgeschlechtliche Großgruppe mit Tieren verschiedener Altersstufen. Ein solches Rudel setzt sich im Idealfall aus mehreren Weibchen und kastrierten Männchen zusammen. In eine solche Gruppe müssen von Zeit zu Zeit immer mal wieder neue Ratten integriert werden, wenn eines oder mehrere Tiere verstorben sind.

Bitte bedenken Sie im Vorfeld, dass Sie bei der Vergesellschaftung viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen müssen. Eine Vergesellschaftung ist für Tiere und Halter immer mit Stress verbunden. Denn durch jedes neue Tier muss die Rangordnung innerhalb der Gruppe neu ausgefochten werden. Führen Sie deshalb nicht mehrere Integrationen kurz hintereinander durch, sodass die Tiere genügend Zeit haben, sich zu erholen und eine harmonische Rudelstruktur zu entwickeln.

Die Rudelzusammensetzung

Die Harmonie eines Rattenrudels hängt im Wesentlichen von folgenden Faktoren ab: den individuellen Charakteren, den Geschlechtern, der Altersstruktur und der Anzahl der Tiere. Die Anzahl der Ratten sollte bei mindestens 3 - 4 Tieren liegen. Dies hat u.a. den Vorteil, dass keine Ratte alleine zurück bleibt, wenn eines der Tiere verstirbt. Das Rudel sollte aber auch nicht zu groß sein. Bei großen Gruppen (mehr als ca. 6 - 10 Tieren) besteht nämlich eher die Gefahr, dass sich die Rudelstruktur durch Alter, Krankheit oder Tod eines der Tiere ändert und die Gruppe plötzlich auseinander fällt.

Auch Integrationen werden schwieriger, wenn zu viele verschiedene Individuen aneinander gewöhnt werden müssen. Bei der Rudelzusammensetzung müssen Sie außerdem das Alter der Tiere berücksichtigen. Am einfachsten ist eine Integration junger Ratten im Alter von 8 - 12 Wochen. Aufgrund ihres Alters stehen sie in der Hierarchie noch ganz unten und fügen sich leicht ein. Die Altersstruktur des Rudels sollte von Anfang an gemischt sein. Wichtig ist nur, dass immer auch gleichaltrige Artgenossen vorhanden sind. Neben dem Alter spielt das Geschlecht eine wesentliche Rolle.

Adulte unkastrierte Böcke, die aus verschiedenen Rudeln stammen, sind häufig schwer zu vergesellschaften. Die gemeinsame Haltung von unkastrierten und kastrierten Männchen kann ebenfalls problematisch sein. Am besten harmoniert eine Gruppe aus mehreren Weibchen und kastrierten Böcken. Die Haltung eines reinen Weibchenrudels ist ebenfalls möglich.

Vor der Zusammenführung

Vor der Vergesellschaftung sollten die neuen Ratten mindestens vier Wochen in Quarantäne, d.h. in einem anderen Zimmer untergebracht werden. Während dieser Zeit können Sie Ihre neuen Ratten hinsichtlich möglicher Krankheitsanzeichen beobachten und gleichzeitig bereits an sich gewöhnen. Wenn Sie dann mit der Vergesellschaftung beginnen, ist es entscheidend, dass das erste Zusammentreffen auf neutralem Boden stattfindet.

Nicht zu empfehlen ist die Methode, die Käfige der einander fremden Tiere nebeneinander zu stellen. Hierbei würden sich nämlich Aggressionen aufstauen, die die Tiere nicht (oder erst später) austragen könnten. Besser ist, wenn die Ratten sich auf unbekanntem Terrain das erste Mal sehen und riechen. Keines der Tiere darf den Ort bereits als sein Territorium beansprucht bzw. markiert haben. Je fremder die Umgebung, desto besser. Die Zusammenführung kann z. B. sehr gut in einer anderen Wohnung stattfinden. Der Ort des Zusammentreffens sollte in jedem Fall begrenzt sein und keine Versteckmöglichkeiten bieten.

Die Integration

Für die Integration sollten Sie sich Lederhandschuhe zurechtlegen, damit Sie bei stärkeren Auseinadersetzungen dazwischen gehen können. Lassen Sie die Tiere während der Zusammenführung niemals unbeobachtet! Wichtig ist auch, dass alle Ratten gleichzeitig (!) zusammengesetzt werden. Die erste Begegnung der Ratten geht mit gegenseitigem Beschnuppern, Sträuben des Fells und Verfolgungen einher. Dominante Alphatiere versuchen ihre rangniederen Artgenossen zu unterwerfen.

Damit die Tiere ihre Rangfolge klären können, sollten Sie bei den Rangeleien möglichst nicht eingreifen. Gefährlich wird es nur, wenn eines der Tiere dauerhaft gejagt oder gebissen wird. Dann müssen Sie die Ratten sofort trennen. Gehen die Nager auf neutralem Boden friedlich miteinander um, werden sie in ein Übergangsgehege umgesiedelt, das erst nach und nach mit Einrichtungsgegenständen ausgestattet wird. Wenn die Tiere sich hier vertragen, können sie nach ca. 1 - 2 Wochen in ihr endgültiges Zuhause ziehen. Das Rattenheim sollte zuvor allerdings gründlich gereinigt werden (z. B. mit Essigwasser).

Die Einrichtung des Geheges mit Verstecken, Spiel- und Klettergegenständen erfolgt ebenfalls Schritt für Schritt. Durch den Umzug in das Rattenheim kann es zu erneuten Rangordnungsdifferenzen kommen. Bitte beobachten Sie das Verhalten Ihrer Tiere, sodass Sie notfalls einschreiten und die Ratten (vorerst) noch einmal trennen können. Bis eine Vergesellschaftung geglückt ist, können durchaus einige Tage und Wochen vergehen. Wenn bei Ihren Ratten die Chemie nicht stimmt (dies zeigt sich z. B. durch heftige bzw. wiederholte Auseinandersetzungen), nehmen Sie besser eine andere Rudelzusammensetzung vor. (Kathrin Aretz)


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