Steckbrief Ratte

Ratten sind überaus vermehrungsfreudig und werden bereits im Alter von 50 bis 70 Tagen geschlechtsreif. Ratten sind zudem Rudeltiere. Sie brauchen Artgenossen wie die Luft zum Atmen. Weitere Infos rund um die Ratte erhalten Sie hier.
 
© Matthias Krüttgen / Fotolia
Steckbrief:
  • Körperlänge: 22 – 26 cm (Schwanzlänge: 18 – 22 cm)
  • Gewicht: Weibchen: 250 – 300 g; Männchen: 350 – 500 g
  • Körper: schlank
  • Kopf: rund mit spitzer Schnauze
  • Fellhaar: kurz, dicht
  • Lebenserwartung: 2 – 3 Jahre
Systematik:
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Nagetiere
  • Familie: Langschwanzmäuse
  • Gattung: Ratten
  • Art: Wanderratte
Aussehen:

Ratten haben einen Körper von 22 - 26 cm Länge. Der Kopf ist klein und hat eine lange, spitze Schnauze und große schwarze Augen. An der Schnauze befinden sich lange Tasthaare (Vibrissen), die den Tieren zur Orientierung dienen. Das Körpergewicht liegt je nach Geschlecht bei 250 - 300 g (Weibchen) und 350 - 500 g (Männchen). Ratten haben einen 18 - 22 cm langen Schwanz, der Haarlos zu sein scheint. Tatsächlich ist er jedoch mit 205 Schuppenringen, die mit jeweils 3 - 5 borstigen Haaren besetzt sind. An den Hinterfüßen haben Ratten fünf, an den Vorderfüßen vier Zehen mit Krallen.

Mit Hilfe ihrer gelenkigen Füße können die Nager fast senkrecht klettern, mit ihren Vorderpfoten können sie sogar Futter festhalten. Farbratten, die häufigste Zuchtform, haben ein kurzes, wollenes Unterfell und lange, feste Grannen (längeres Oberfell). Farbratten gibt es in allen möglichen Farbvarianten und Zeichnungen sowie unterschiedlichen Augenfarben. Rexratten unterscheiden sich durch ihr gekräuseltes, senkrecht stehendes Fell von den Farbratten, während Dumboratten durch niedriger angesetzte Ohren aussehen, als hätten sie besonders große Ohren.

Herkunft:

Die als Heimtiere gehaltenen Farbratten, von denen auch die Rexratten und die Dumboratten abstammen, haben ihren Ursprung in der Wanderratte (Rattus norvegicus). Um 1890 begannen Wissenschaftler damit, einige Wanderratten in Laboren zu halten und zu vermehren, um sie bei Tierversuchen einzusetzen. Etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts werden Ratten auch als Heimtiere gepflegt.

Die ersten systematischen Rattenzuchten wurden Anfang des 20. Jahrhunderts am Wistar-Institut in Philadelphia (USA) begründet. In Folge ihrer Domestikation weisen Farb- bzw. Laborratten erhebliche Unterschiede zu ihren wild lebenden Verwandten auf. So sind das Körpergewicht und die meisten inneren Organe leichter als die der Wildform. Wanderratten sind außerdem deutlich bewegungsfreudiger und schwer bis gar nicht zähmbar (auch dann nicht, wenn sie in Menschenhand aufgewachsen sind).

Nachwuchs und Aufzucht:

Ratten sind überaus vermehrungsfreudig und werden bereits im Alter von 50 bis 70 Tagen geschlechtsreif. Pro Wurf werden etwa 5 bis 20 (meist 6 bis 12) Jungtiere geboren. Die Tragzeit beträgt in der Regel 20 bis 23 Tage. Die Geburt dauert nur einige Minuten bis mehrere Stunden. Nach der Geburt leckt die Mutter ihren Nachwuchs sauber und säugt ihn. Neugeborene Ratten sind nackt (mit rot-rosa Hautfarbe) und blind und wiegen nur etwa 5 Gramm. In den ersten Tagen nach der Geburt verlässt das Weibchen nur selten ihr Nest und liegt wärmend über ihren Babys. Die Rattenmutter reinigt die Jungtiere häufig mit der Zunge (um sie anzuregen Kot und Urin abzusetzen) und hält auch das Nest sauber.

Ab dem 2. Tag beginnt der Fellwuchs der Jungtiere. Nach 3 bis 4 Tagen öffnen sich die Ohren, nach 13 bis 16 Tagen die Augen. Wenn die Jungen etwa 3 Wochen alt sind, werden sie von der Mutter entwöhnt. Schon vorher (ab dem 1. Lebenstag) erlernen Ratten spielerisch ihr ausgeprägtes Sozialverhalten. Wichtig ist, dass die Tiere in einem harmonischen Sozialverband und unter rattengerechten Haltungsbedingungen (z. B. einem großen Gehege mit vielen Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten) aufwachsen. Negative Erfahrungen und Stress führen häufig zu anormalem Verhalten gegenüber Artgenossen und dem Menschen.

Lebensweise und Verhalten:

Ratten sind Rudeltiere. Sie brauchen Artgenossen wie die Luft zum Atmen. In freier Wildbahn besteht ein Rudel aus mindestens 20 Ratten. Eine Ratte darf nie alleine gehalten werden. Mindestens zu zweit müssen sie sein, am wohlsten fühlen sie sich jedoch in einer kleinen Gruppe. Ratten ist ihr Revier sehr wichtig. Sie markieren ihren Bereich, in dem Fremde unerwünscht sind. Die neugierigen Tiere wollen immer alles erkunden und überall dabei sein. Ratten brauchen viel Abwechslung und Beschäftigung um sich nicht zu langweilen. Ratten sind dämmerungsaktive Tiere und meist in den Morgen- und Abendstunden munter. Allerdings sind sie meist recht flexibel und auch tagsüber manchmal zu einem kleinen Streich aufgelegt.

Ratten nagen und klettern für ihr Leben gerne. Es sollten immer genug Klettermöglichkeiten vorhanden sein und reichlich Knabberkost gereicht werden. Ganz entgegen ihrem schlechten Ruf sind Ratten sehr reinlich. Sie putzen sich täglich ausgiebig und wollen natürlich auch in einem sauberen Heim leben.  Ratten lieben Körperkontakt und kuscheln gerne mit Artgenossen. Da sie sehr fruchtbar sind und sich rasch vermehren, sollte man jedoch vorsichtig sein und Männchen und Weibchen nicht zusammen lassen.

Kommunikation und Sinnesleistungen:

Die runden Augen der Ratten können zwar Bewegungen und Lichtverhältnisse gut erkennen, dafür ist die Sehschärfe gering. Das gehör ist sehr gut entwickelt. Die Tiere nehmen sogar Ultraschalltöne wahr. Die Ohren sind nicht nur zum Hören da, in ihnen sitzt auch der Gleichgewichtssinn der Ratten. Der Geruch ist für Ratten sehr wichtig. Er hilft bei der Nahrungssuche, bei der Kommunikation und bei der Orientierung. Zur Orientierung dienen auch die Tasthaare. Sie können die nähere Umgebung abtasten.

Ratten kommunizieren hauptsächlich mit der Körpersprache. Tiere, die sich gut leiden können, putzen sich gegenseitig, während Eindringlingen mit aufgestelltem Nackenfell gedroht wird. Ratten verständigen sich auch mit Lauten, viele davon sind jedoch im Ultraschallbereich und für den Menschen nicht hörbar. Bei großer Gefahr oder starken Schmerzen können sie aber auch sehr laut und deutlich kreischen.

Haltung:

Zwei Ratten benötigen eine Käfigmindestgröße von 220 l, d.h. z. B. 0,8 x 0,7 x 0,4 m (Höhe x Breite x Tiefe). Größere Rudel brauchen selbstverständlich mehr Platz. Bei 3 bis 4 Ratten sollte das Gehege ca. 400 l (z. B. 1,2 x 0,7 x 0,5 m) und bei 5 bis 8 Ratten etwa 600 l (z. B. 1,2 x 1,0 x 0,5 m) umfassen. Grundsätzlich gilt natürlich immer, je größer der Käfig, desto besser.

Das Gehege muss zum einen genügend Lauffläche aufweisen (z. B. durch mehrere Etagen) und zum anderen abwechslungsreich gestaltet sein (mit verschiedenen Ruheplätzen, Kletter- und  Beschäftigungsmöglichkeiten). Lesen Sie hier mehr zu Ausstattung & Zubehör. Neben einem rattengerechten Gehege ist es wichtig, dass die Tiere in einem harmonischen Rudel mit etwa 4 bis 6 Ratten leben. Da Ratten nur ca. 2 bis 3 Jahre alt werden, sollte die Alterstruktur gemischt sein, sodass kein Tier einzeln zurück bleibt. Besonders empfehlenswert ist eine Gruppe von mehreren Weibchen und kastrierten Männchen.

Eine gesunde Ernährung von Farbratten besteht aus Trockenfutter (verschiedenen Körnern oder Pellets), Frischfutter (Gemüse und Obst), tierischer Nahrung und frischem Trinkwasser. Lesen Sie hier mehr zur Ernährung.

Hätten Sie's gewusst:

Bei uns haben Ratten immer noch einen sehr schlechten Ruf und werden nach wie vor mit der Pest in Verbindung gebracht. In vielen asiatischen Ländern hingegen wird sie geradezu verehrt. Menschen, die nach chinesischem Horoskop im Jahr der Ratte geboren sind gelten als sehr klug, vernünftig, charmant und vorausschauend.
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren