Nachwuchs bei Steppenlemmingen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Nachwuchs bei Steppenlemmingen

Die Geburt kleiner Steppenlemminge und deren Aufwachsen gehören sicherlich zu den bewegendsten Momenten eines Lemming-Halters. Dennoch gilt es im Vorfeld einiges zu überlegen.
 
© Daniel Schüller
Steppenlemminge sind extrem vermehrungsfreudig und können innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl an Jungtieren hervorbringen. Vor diesem Hintergrund müssen Sie ihre Motive vor Beginn der Zucht durchaus kritisch hinterfragen. Es gibt sicherlich Gründe, die für eine Zucht sprechen. So gehört es zu den interessantesten Erfahrungen in der Haltung von Steppenlemmingen, die Betreuung der Jungtiere und deren Aufwachsen zu beobachten. Auch entspricht Aufzucht von Jungtieren dem natürlichen Bedürfnis der Tiere nach Fortpflanzung und trägt somit zur artgerechten Haltung bei. Allerdings bringt die Zucht einigen Mehraufwand an Pflege und Betreuung mit sich. Neben häufigeren Reinigungen der Käfige benötigen trächtige oder säugende Weibchen eine intensive Beobachtung, um bei eventuell auftretenden Komplikationen sofort eingreifen zu können.

Im Vorfeld müssen Sie auch klären, ob Sie die Unterbringung der Jungen nach der Entwöhnung sicherstellen können. Gerade junge Männchen werden häufig aus der Gruppe verstoßen. Nicht in jedem Fall werden Sie die Jungtiere schnell vermittelt bekommen, so dass Sie sie bis zur Abgabe gesondert unterbringen müssen.

Auch die Vermittlung der Jungtiere muss sorgfältig geplant werden und zwar bevor Elterntiere verpaart werden. Einfach aufs Geradewohl hin Nachwuchs zu produzieren, ist unverantwortlich. In vielen Fällen wächst solchen „Züchtern“ das Problem schnell über den Kopf, und die Tiere landen letztendlich bestenfalls im Tierheim. Nehmen Sie nur Verpaarungen vor, wenn Sie entweder die Jungtiere selber unterbringen können oder bereits Abnehmer haben.

Geschlechtsreife und Paarung

Da Steppenlemminge in Menschenobhut gleich bleibende Bedingungen haben, sind sie - anders als ihre wildlebenden Verwandten - nicht auf eine frühe Geschlechtsreife angewiesen. Dennoch können junge Weibchen schon im Alter von vier Wochen gedeckt werden, was aber nur sehr selten geschieht. Eine so frühe Trächtigkeit ist auch nicht anzustreben, da sie zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Zu junge Weibchen, die nicht ganz ausgewachsen sind, überleben oft den Wurf nicht oder wissen mit den Jungtieren nichts anzufangen.

Das ideale Alter für eine Verpaarung liegt bei drei Monaten. Zu diesem Zeitpunkt sind die Tiere ausgewachsen und kräftig genug, Jungtiere großzuziehen. Mit 1,5 bis zwei Jahren sollten die Tiere dann aus der Zucht genommen werden. Die Zahl der Jungtiere pro Wurf nimmt bei diesen Lemmingen meist deutlich ab, teilweise bleiben die Würfe ganz aus.

In gemischtgeschlechtlichen Gruppen finden Paarungen regelmäßig statt. Meist werden sie in den Gängen vollzogen, bei zutraulichen Tieren kann man auch oberirdisch den Deckakt beobachten. Er läuft meist mit einigem Gequietsche ab, ohne dass dies auf Streitigkeiten zwischen den Tieren schließen lässt. Der Paarung geht eine regelrechte Verfolgungsjagd voraus, in der das Männchen das Weibchen vor sich hertreibt. Ist das Weibchen zur Paarung bereit, hält es an, hebt seinen Schwanz und lässt sich begatten. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Sekunden, wird dafür aber mehrmals hintereinander wiederholt.

Ist der Deckakt gelungen und das Weibchen trächtig, zeigt sich dies an der Zunahme des Körperumfangs. Nach etwa 20 Tagen werden dann die Jungtiere geboren.

Nestbau und Geburt

Ihre Jungen bringt das Lemmingweibchen in einer gut ausgepolsterten „Wurfhöhle“ zur Welt. Dazu benötigt es ausreichend Polstermaterial wie Heu, Toiletten- und Küchenpaper (unbedruckt) und Moos. Die meist 6 – 8 Jungtiere werden nach einer Tragzeit von etwa 20 Tagen geboren. Bei ihrer Geburt sind sie nackt und blind und wiegen gerade 1g.

Die Geburt selber läuft im Stillen ab. Sie können die Anwesenheit der Jungtiere aber an deren Fieptönen feststellen. Jetzt gilt es, Ihre Neugier zu zügeln. Denn ständige Störungen am Nest führen dazu, dass das Weibchen die Jungen verlässt oder gar frisst. Gönnen Sie Mutter und Jungtieren Ruhe, vermeiden Sie große Störungen und unterlassen Sie größere Reinigungsaktionen im Gehege.

Ernährung des Muttertiers

Während der Trächtigkeit und bei der Aufzucht der Jungtiere benötigt das Weibchen besonders viel Nahrung. Vor allem tierisches Eiweiß wird jetzt begierig aufgenommen. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie ausreichend Frischfutter reichen und neben Gemüse und Samen auch eiweißhaltige Futtermittel reichen. Während der Trächtigkeit frisst das Lemmingweibchen deutlich mehr als sonst. Bedenken Sie dies bei der täglichen Futtergabe.

Entwicklung der Jungtiere

Junge Lemminge sind in den ersten Lebenstagen vollkommen hilflos und auf ihre Mutter angewiesen, die sie wärmt, säugt und reinigt. In dieser Zeit wird der Kot der Jungtiere vom Muttertier gefressen. Auch lässt es seine Jungtiere nur für kurze Zeit alleine. Durch Belecken des Bauches stimuliert die Mutter die Verdauung der Jungtiere.

Die Entwicklung der kleinen Lemminge verläuft rasant. Schon mit zehn bis 13 Tagen verlassen sie erstmals den Bau. Zu diesem Zeitpunkt besitzen sie auch schon winzige Zähnchen, mit denen sie am Futter herumknabbern. Sind die Jungtiere 3 Wochen alt, lässt die Fürsorge der Mutter nach. Oftmals ist sie zu diesem Zeitpunkt bereits wieder trächtig. Kurze Zeit später sind die Jungen selbstständig, bis sie ausgewachsen sind dauert es aber ca. drei Monate.

Geschlechtsbestimmung

Die Geschlechtsbestimmung ist zumindest bei jungen Steppenlemmingen nicht ganz einfach. Bei älteren Tieren, die bereits geschlechtsreif sind, ist die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern hingegen relativ einfach möglich. Nehmen Sie dazu den Lemming in die Hand und drehen ihn auf den Rücken, damit sie die Genitalien genau sehen können. Bei männlichen Steppenlemmingen ist der Abstand zwischen Anus und Geschlechtsöffnung größer als bei den Weibchen. Bei geschlechtsreifen Männchen kann man zudem die Hoden erkennen. Aber Vorsicht, viele Steppenlemminge mögen diese Prozedur überhaupt nicht und beißen dabei heftig zu. Lassen Sie sich und den Tieren deshalb Zeit, ist das Tier zu unruhig, probieren Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut. Für Anfänger ist es empfehlenswert, die Hilfe eines erfahrenen Züchters in Anspruch zu nehmen. (Ralf Sistermann)
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren